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Ida Weinstein * 1910

Eimsbütteler Chaussee 37 (Eimsbüttel, Eimsbüttel)

1942 Riga deportiert aus Leipzig
ermordet

Ida Weinstein, geb. am 17.11.1910 in Felsberg, am 21.1.1942 von Leipzig nach Riga deportiert und dort gestorben

Eimsbütteler Chaussee 37

In Hamburg lebte Ida Weinstein nur kurze Zeit. Sie kam aus dem kleinen nordhessischen Ort Felsberg. 1933 hatte die dortige Jüdische Gemeinde rund 100 Mitglieder, stellte also fast 9 Prozent der Einwohner; im Mai 1939 zählte Felsberg keine jüdischen Bewohner mehr. Zu den ehemaligen Gemeindemitgliedern gehörten auch die Angehörigen der verschiedenen in Felsberg lebenden Weinstein-Familien.

Ida wurde als Tocher von Emma, geborene Speier, und Isidor Weinstein geboren. Die Mutter, die aus Züschen in Nordhessen stammte, war bei Idas Geburt 27 Jahre alt, der Vater zwei Jahre älter. Im Laufe der nächsten acht Jahre bekam Ida noch drei Geschwister: Johanna (geb. 1912), Siegward (geb. 1914) und den Nachzögling Max (geb. 1920). Der Name des ältesten Sohnes, Siegward ("Hüter des Sieges"), der kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs geboren wurde, lässt auf eine nationale Einstellung der Eltern schließen.

Im Rahmen des Wiedergutmachungsverfahrens für Ida Weinstein schrieb das Standesamt Felsberg am 20. Januar 1960: "(…) Nach den Aussagen glaubwürdiger Personen soll die Genannte schon in früher Jugend wegen Geistesschwäche in einem Heim untergebracht worden sein." Ob diese Behauptung stimmt, lässt sich nicht belegen.

1928, Ida war gerade 17 Jahre alt, starb ihr Vater. Er wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Felsberg beigesetzt. Wenige Monate später musste die Familie zudem den Tod der Tochter Johanna betrauern. Sie starb, sechzehnjährig, im nordhessischen Treysa.

Wann genau und weshalb Ida Weinstein nach Hamburg kam, ist unbekannt. 1933 jedenfalls wurde sie als Mitglied der Hamburger Jüdischen Gemeinde registriert. Eine etwa gleichaltrige Felsbergerin, Irene Weinstein, arbeitete als Hausangestellte in der Harvestehuder Parkallee 7. Vielleicht waren die beiden jungen Frauen verwandt und Idas Mutter erhoffte sich eine ähnliche Beschäftigungsmöglichkeit für ihre Tochter. Während ihrer Hamburger Monate wohnte Ida Weinstein in der Eimsbütteler Chaussee 37, wo heute auch der Stolperstein für sie liegt. Eine Berufstätigkeit ist aus ihrer Kultussteuerkarte allerdings nicht ersichtlich.

Dafür ist auf der Karte vermerkt: "ausgeschieden den 20.5.33 durch: Verzug nach Felsberg". Ida Weinstein kehrte also nach kurzer Zeit wieder an ihren Heimatort zurück. Am selben Tag verließ auch Irene Weinstein Hamburg und emigrierte nach Palästina.

Ida Weinstein blieb jedoch nicht lange in Felsberg. Bereits sechs Monate später, im November 1933, soll sie nach Leipzig gezogen sein.

Genau wie die anderen jüdischen Einwohner Felsbergs litt ihre Familie immer stärker unter antisemitischen Repressionen. Im Februar 1936 wanderte ihr Bruder Siegward, der mittlerweile geheiratet hatte, zusammen mit seiner Ehefrau nach Buenos Aires aus. Bereits in der Nacht vom 8. auf den 9. November 1938 kam es in Felsberg zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen Juden. Zu den ersten Todesopfern des Novemberpogroms in Deutschland gehörte Idas Onkel Robert Weinstein, der nach dem Ersten Weltkrieg Stadtverordneter in Felsberg gewesen war.

Im November 1939 verließ Emma Weinstein Felsberg und folgte ihrem Sohn Siegward nach Buenos Aires. Der jüngste Sohn der Familie, Max, war in die Niederlande gezogen und lebte als Landarbeiter in Renkum, einem kleinen Ort bei Arnheim.

Ida Weinstein kam mit der Deportation vom 21. Januar 1942 aus Leipzig ins Rigaer Getto, wo sich ihre Spuren verlieren.

Max Weinstein wurde Anfang 1943 zunächst ins KZ Herzogenbusch deportiert, eines der fünf von den Deutschen in den Niederlanden errichteten Konzentrationslager. Von dort brachte man ihn am 3. Juli 1943 nach Westerbork und acht Wochen später nach Auschwitz. Dort wurde er – 23-jährig – vermutlich am 31.3.1944 ermordet.

Siegward Weinstein reiste erstmals wieder 1980 nach Felsberg. Drei Jahre später nahm er Verbindung zur dortigen Kirchengemeinde auf und besuchte 1986 seinen Geburtsort erneut zur 700-Jahres-Feier.

© Frauke Steinhäuser

Quellen: 1; 5; 8; Joodsmonument Niederlande; Auskunft von José Martin, Gedenkstätte Westerbork, per E-Mail am 25.1.2012; Telefongespräch mit Gerd Romahn, Felsberg, am 9.6.2011; Telefongespräch mit Dr. Kurt Schilde (Universität Potsdam, Forschung zu Robert Weinstein) am 9.6.2011, von ihm stammt auch der Hinweis auf die Wiedergutmachungsakten beim Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Abt. 518, Regierungspräsidium Kassel) nach Ida (Nr. 2149/11), Siegward (Nr. 5299/14), Max (Nr. 10140) und Emma Weinstein (Nr. 9770).

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