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Hermann Feiner * 1894

Sievekingplatz 1 Ziviljustizgebäude (Hamburg-Mitte, Neustadt)


DR. HERMANN
FEINER
LANDRICHTER
JG. 1894
FLUCHT IN DEN TOD
5.7.1935

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Weitere Stolpersteine in Sievekingplatz 1 Ziviljustizgebäude:
Heinrich Basch, Paul Blumenthal, Franz Daus, Richard Hoffmann, Kurt (Curt) Ledien, Lambert Leopold, Wilhelm Prochownick, Alfred Rinteln, Anna Rosenberg, Walter Rudolphi, Leonhard Stein

Dr. Hermann Feiner, geb. 17.3.1894 in Hamburg, gestorben 5.7.1935 in Königstein/Taunus (Suizid)

Hermann Feiner war Jurist und Musiker. Sein Vater, der Pädagoge Josef Feiner, leitete in den 1920er Jahren die Anton-Ree-Schule in Hamburg (siehe Feiner, Joseph), die Lehrerin Hertha Feiner-Asmus war seine Schwester. Hermann Feiner besuchte das Hamburger Wilhelm-Gymnasium, später studierte er in Kiel, München und Berlin Jura. Er nahm am Ersten Weltkrieg teil und wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und dem Hamburgischen Hanseatenkreuz ausgezeichnet. Im Oktober 1921 wurde Hermann Feiner zum Richter am Landgericht in Hamburg ernannt, 1924 promovierte er zum Doktor der Rechte. Aus der Ehe mit seiner Frau Dorothea, geb. Frank, entstammte der Sohn Frank (geb. 8. Mai 1928). Hermann Feiner war aktiv in der Jüdischen Gemeinde und stand dort den "Religiös-Liberalen" nahe. Er engagierte sich auch im jüdischen Erziehungswesen und war Mitglied – 1929/30 auch Präsident – der philantropischen Nehemia Nobel-Loge, die gemeinsam mit anderen jüdischen Logen ihren Sitz in der Hartungstraße 9–11 (heute Kammerspiele) hatte.

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten wurde Hermann Feiner zunächst von der Straf- in die Zivilgerichtsbarkeit versetzt und zum 30. Juni 1934 zwangspensioniert. Danach war er noch im Jüdischen Kulturbund als Organist und Pianist tätig. Er muss als Musiker eine gewisse Bekanntheit genossen haben, denn sein Name taucht – in denunziatorischer Absicht – in mehreren antisemitischen Lexika auf.

Als Folge seiner beruflichen und sozialen Ausgrenzung verfiel er in Depressionen. Auf Anraten seiner Ärzte suchte er ein Sanatorium in Königstein/Taunus auf. Dort konnte man ihm offenbar nicht helfen: 14 Tage nach seiner Ankunft, am 5. Juli 1935, nahm er sich das Leben.

Seine Witwe und der Sohn wanderten im November 1938 in die USA aus.
An Dr. Hermann Feiners Wirken als Richter erinnert ein Stolperstein am Sievekingplatz 1 (vor dem Ziviljustizgebäude).

© Ulrike Sparr

Quellen: 1; 4; AfW 170394; Heiko Morisse, in www.hagalil.com/archiv/2006/07/stolpersteine.htm (eingesehen 5.11.2006); www1.uni-hamburg.de/rz3a035/hartungstrasse.html (eingesehen 5.11.2006); Hans Brückner u. Christa Maria Rock, Judentum und Musik – mit einem ABC jüdischer und nichtarischer Musikbeflissener, München 1938 (antisemitische Publikation); Jens Kohrs, Musik und Musiker des Jüdischen Kulturbundes Hamburg, Magisterarbeit Univ. Hamburg 1991, S. 27; Ina Lorenz, Die Juden in Hamburg zur Zeit der Weimarer Republik, Eine Dokumentation (2 Bde.) Hamburg 1987, S. 236; Theo Stengel u. Herbert Gerigk, Lexikon der Juden in der Musik, Berlin 1941, S. 485 (antisemitische Publikation).
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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