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Bereits verlegte Stolpersteine



Kurt Speyer * 1880

Lange Reihe 108 (Hamburg-Mitte, St. Georg)

Auschwitz
ermordet 09.06.1943

Weitere Stolpersteine in Lange Reihe 108:
Alfred Hochfeld, Julie Hochfeld, Isidor Rothfels

Kurt Speyer, geb. 16.9.1880 in Berlin, ermordet in Auschwitz am 9.6.1943

letzte Wohnadresse: Lange Reihe 108

Kurt Speyer lebte seit mindestens 1919 in Hamburg und arbeitete zunächst als kaufmännischer Angestellter. Später machte er sich als Kaufmann mit einer Vertretungs- und Großhandelsfirma (Geschäftszweig Vulkanisierbedarfsartikel) selbstständig, die er in seiner Privatwohnung Lange Reihe 108 betrieb. Er war seit 1925 in zweiter Ehe mit seiner nichtjüdischen Frau Helena, verw. Götz, geb. Wiegel (geb. 1889), verheiratet und hatte aus der ersten Ehe drei Kinder (Kurt, Gertrud und Charlotte), die zwischen 1919 und 1924 in Hamburg geboren wurden.

1939 wurde Kurt Speyer die Tätigkeit als selbstständiger Kaufmann untersagt und ihm im Alter von beinahe 60 Jahren Zwangsarbeiten als Erdarbeiter auferlegt. Um dieser für ihn ungewohnten körperlichen Schwerarbeit zu entgehen, stellte er Anfang 1940 offiziell den Antrag, ihm zu erlauben, als "Vertreter für arische Firmen" tätig zu werden, was allerdings abgelehnt wurde. Im Juni 1940 nahm er gleichwohl illegal seine selbstständige Tätigkeit wieder auf, indem er, unter Verschweigen seines jüdischen Zwangsvornamens, den An- und Verkauf von Verpackungsmaterial für Nahrungsmittel und die chemische Industrie betrieb.

Nachdem seine Tätigkeit den Behörden bekannt wurde, ließ man ihn im März 1941 verhaften und vor Gericht stellen. Im September 1941 wurde er wegen "Verstoßes gegen die Tarnungsverordnung" (Verschweigen des Zwangsvornamens "Israel") zu einem Jahr Zuchthaus und in einem zweiten Urteil von Dezember desselben Jahres wegen Umsatzsteuerhinterziehung (unvollständige Angabe des Betriebsumsatzes bei der Steuererklärung) zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Nachdem er seine Haftzeit von 15 Monaten im Zuchthaus Hamburg-Fuhlsbüttel Anfang Juni 1942 abgesessen hatte, wurde Kurt Speyer im Rahmen des "Judeneinsatzes" zur Zwangsarbeit als Packer beim Schuhwarengroßhandel Rasch & Jung in Hamburg verpflichtet, die er bis Ende des Jahres ausüben musste. Am 23. Januar 1943 wurde er von der Gestapo als "Schutzhaftgefangener" in das Polizeigefängnis Fuhlsbüttel eingewiesen, um von dort am 18. März desselben Jahres nach Auschwitz deportiert zu werden, wo er drei Monate später ermordet wurde. Für Kurt Speyer liegt ein Stolperstein in der Höhe seines letzten Wohnhauses.

© Benedikt Behrens

Quellen: 1; StaH 331-1 II – Polizeibehörde II, Abl. 15 v. 18.9.1984, Bd. 3; AfW, Entschädigungsakte; E-Mail vom Museum Auschwitz-Birkenau v. 5.8.2005; AB 1938-43; VAN (Hg.), Totenliste Hamburger Widerstandskämpfer und Verfolgter, Hamburg 1968.

Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Recherche und Quellen

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