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Grabplatte Jüdischer Friedhof Ohlsdorf
Fotograf/in: Bettina Nathan

Max Sommerfeld * 1897

Kieler Straße 594 (Eimsbüttel, Eidelstedt)

1942 Mauthausen
ermordet 15.08.1942 Mauthausen

Max Sommerfeld, geb. 12.12.1897 in Salzwedel, im Sommer 1942 vom KZ Fuhlsbüttel nach Mauthausen deportiert, Todesdatum dort 15.8.1942

Kieler Straße 594

Die Eltern von Max Sommerfeld, Louis Sommerfeld (1870–1932) und Emilie, geborene Falck (1872–1935), hatten 1894 geheiratet und lebten zunächst in Salzwedel, einer Kreisstadt in der nördlichen Altmark (Sachsen-Anhalt). Hier kam im Mai 1895 ihr erstgeborener Sohn tot zur Welt. In den Folgejahren erblickten vier Kinder das Licht der Welt: 1896 Hugo, 1897 Max, 1899 Hedwig und 1901 Martha Sommerfeld. Louis Sommerfeld betrieb in seiner Vaterstadt Salzwedel ein Versteigerungshaus und war beeidigter Auktionator. In der Faschingssaison ver­lieh er auch "elegante Maskengarderoben". 1920 sorgte Sommerfeld in der kleinen Synagoge von Salzwedel für einen Eklat. Der Kaufmann störte den Gottesdienst dermaßen, dass die Jüdische Gemeinde ihn ausschloss. Die genauen Umstände sind nicht bekannt. Vermutlich als Konsequenz aus diesem Vorfall zog die Ehefrau um diese Zeit nach Hamburg in den Schäferkamp 32, während der Ehemann bis zu seinem Tod 1932 in Salzwedel blieb.

Emilie Sommerfeld wohnte in Hamburg u. a. von 1922 bis 1930 in der Anckelmannstraße 91 (Borgfelde). Im Juli 1923 meldete ihr Sohn als Kaufmann Max Sommerfeld sein Gewerbe "Tuche engros" unter dieser Adresse an. Im Juni 1926 erfolgte seine zweite Gewerbeanmeldung als "Krankenbehandler" mit der Praxisadresse Danziger Straße 57 (St. Georg) im Pensionat von Wilhelm Schultheis. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise ab 1929 gingen die Geschäfte auch bei Max Sommerfeld zurück, zeitweilig war er nun als Drogerie-Angestellter tätig. Im Hamburger Adressbuch von 1930 wurde er, wie auch seine Mutter, unter der Anschrift Anckelmannstraße 91 vermerkt. Ab Oktober 1931 war er fast ununterbrochen "Wohlfahrtsempfänger".

Am 31. Dezember 1932 heiratete er die Nichtjüdin Frieda Glau (1896–1950), die aus Holstein stammte und seit 1928 in Hamburg lebte. Aus dieser Ehe gingen die Kinder Friedemann (geb. 1933) und Rita (geb. 1937) hervor. 1934 zogen Emilie Sommerfeld und ihre Töchter Hedwig und Martha in die Hirtenstraße 44 (Hamm-Nord). Dort lebte auch ihr Sohn Max mit seiner Frau und dem ersten Kind. Als nächste Adresse ist die Düsternstraße 41, 3. Stock (Neustadt) vermerkt und als letzte Wohnadresse die Kieler Straße 594, 1. Stock (Eidelstedt), ein Putzbau der Jahrhundertwende. Wann genau die Umzüge stattfanden, ist nicht bekannt. Ende 1935 erhielt Max Sommerfeld wieder Arbeit in der Drogerie der verwitweten Jüdin Martha Bernstein (geb. 1876) in der Marktstraße 3 (St. Pauli) sowie der Firma Loeffler & Bombay. Zwar zahlte er seine monatlichen Rentenversicherungsbeiträge ordnungsgemäß ein, beim Wohlfahrtsamt hingegen erwähnte er seine Einnahmen nicht.

Nach einer Anzeige der Wohlfahrtsstelle wegen Betrugs wurde er ab Ende Juli 1937 für drei Monate in Haft genommen. Vermutlich aufgrund seiner jüdischen Abstammung wurde das Strafmaß um zwei Monate über das übliche Maß heraufgesetzt. Direkt im Anschluss an seine Haft musste er für neun Monate im Horner Moor an sechs Tagen in der Woche "Fürsorgepflichtarbeit" ableisten, weil er erneut auf Unterstützung angewiesen war. Max Sommerfeld wurde dort einer "Judenkolonne" zugeteilt. Mitte August 1938 entlassen, wurde er im Zuge des Novemberpogroms drei Monate später abermals inhaftiert und ins KZ Sachsenhausen verschleppt. Nach acht Wochen wurde er am 11. Januar 1939 nach Hamburg entlassen.

Vermutlich erlitt er in Sachsenhausen Verletzungen am linken Arm, denn in den Jahren 1940 bis 1942 musste er sich in ärztliche Behandlung begeben und wiederholt Operationen über sich ergehen lassen. Von Oktober 1939 bis März 1941 war er arbeitslos, denn Juden waren zu dieser Zeit bereits fast vollständig aus dem Arbeitsleben verdrängt. Ab März 1941 erhielt er bei Gertrud Eichenberg, geb. Hesse (geb. 1867), einer evangelischen Hamburgerin mit jüdischen Eltern, Arbeit (sie wurde am 19. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert). Vom Staat war Max Sommerfeld untersagt, bei Nichtjuden zu arbeiten.
Vom 16. Mai bis zum 6. Juni 1942 wurde Max Sommerfeld erneut inhaftiert und fünf Tage nach seiner Entlassung, am 11. Juni 1942, ein weiteres Mal verhaftet. Die offiziellen Gründe für seine Verhaftungen sind unbekannt, es ist aber davon auszugehen, dass es sich um Verfolgungsmaßnahmen im Zuge der antisemitischen NS-Politik handelte.

Bei gemischtkonfessionellen Ehepaaren nutzte der NS-Staat die Haft des jüdischen Ehepartners häufig aus, um den "arischen" Ehepartner zur Scheidung zu drängen. Offiziell genoss Max Sommerfeld in seiner "privilegierten Mischehe" noch Schutz vor der Deportation. Wurde ihm hingegen ein Vergehen zur Last gelegt oder auch nur unterstellt, entfiel dieser, dann konnte er als "Schutzhäftling" außerhalb der Großdeportationen in ein Konzentrationslager eingewiesen werden. So geschah es. Vom KZ Fuhlsbüttel wurde Max Sommerfeld am 15. August 1942 ins KZ Maut­hausen (Österreich) überstellt. Dieses Lager galt als "KL Stufe III", d. h. als Konzentrations­lager mit den härtesten Lebensbedingungen.

Noch am Tag seiner Ankunft starb Max Sommerfeld in Mauthausen. Das Standesamt Maut­hau­sen II stellte eine Sterbeurkunde aus, nach der Max Sommerfeld um 21 Uhr an einem "Herzschlag" verstarb. Meist dienten diese amtlichen Dokumente aber nur der Verschleierung der wirklichen Todesursachen.

Am 9. Oktober 1942 schickte die Verwaltung des Konzentrationslagers die Zivilkleidung des verstorbenen Häftlings an die Witwe zurück. Allerdings nicht ohne eine Quittung einzufordern: "Es wird gebeten, die beigefügte Empfangsbescheinigung unterschrieben sofort an die Gefangenen Eigentumsverwaltung des K. L. Mauthausen/Oberdonau rücksenden zu wollen." Auch hier bemühte man sich in auffallender Weise um bürokratische Normalität. Vier Monate später traf die Urne mit der Asche von Max Sommerfeld in Hamburg ein; sie wurde am 14. Februar 1943 auf dem Jüdischen Friedhof Ohlsdorf beigesetzt.

Nach Aussage der Schwägerin Elise Krüger, geb. Glau, ist Frieda Sommerfeld, geb. Glau, "an den Folgeerscheinungen der Inhaftierung ihres Mannes und seines Todes körperlich und seelisch völlig zusammengebrochen".

Nach Frieda Sommerfelds Tod im Februar 1950 wanderten ihre beiden noch nicht volljährigen Kinder in die USA aus.

An Hedwig Sommerfeld (geb. 5.11.1899 in Salzwedel), eine der Schwestern von Max Sommerfeld, die am 6. Dezember 1941 ins Getto Riga deportiert wurde, erinnert in der Hirtenstraße 44 (Hamm-Nord) ein Stolperstein.

Der unverheiratete Bruder Hugo Sommerfeld (geb. 27.5.1896 in Salzwedel), als Vertreter tätig und ebenfalls in der Anckelmannstraße 91 in Hamburg gemeldet, zog im Januar 1935 nach Frankfurt am Main. Wann genau er nach Hamburg zurückkehrte, ist nicht verzeichnet; belegt ist hingegen, dass er sich 1941/42 in Hamburg in Haft befand. Er wurde am 11. Februar 1943 in den Gaskammern von Auschwitz ermordet.

© Björn Eggert

Quellen: 1; 4; 5; StaH 213-8 (Staatsanwaltschaft Oberlandesgericht), Abl. 2, 451 a E1 und 1c; StaH 331-1 II (Polizeibehörde II), Abl. 15 vom 18.9.1984, Band 2 (1942); StaH 332-8 (Alte Einwohnermeldekartei); StaH 351-11 (AfW), Eg 121297 (Max Sommerfeld); StaH 351-11 (AfW), Eg 011196 (Frieda Sommerfeld); AB 1922, 1923, 1930 (Emilie Sommerfeld); AB 1930 (Max Sommerfeld, Wilhelm Schultheis); Bundesarchiv Berlin, Liste der jüdischen Einwohner im Deutschen Reich 1933–1945, Residentenliste 1939 (Hugo Sommerfeld); Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, Sonderliste u. Anweisung der Politischen Abteilung; Gräberkartei Jüdischer Friedhof Ohlsdorf (Max Sommerfeld); Stadtarchiv Salzwedel, AB Salzwedel 1896, 1902, 1910, 1925, 1929/30, 1931; Ernst Block, "Wir waren eine glückliche Familie …", Zur Geschichte und den Schicksalen der Juden in Salzwedel/Altmark, Hrsg. von den Museen des Altmarkkreises, 1998, S. 41, 55, 90; Hildegard Thevs, Stolpersteine in Hamburg-Hamm – Biographische Spurensuche, Hamburg 2007, S. 95 (Hedwig u. Max Sommerfeld).
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Recherche und Quellen.

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