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Bereits verlegte Stolpersteine



Porträt Gretchen Fels
Gretchen Fels
© Yad Vashem

Gretchen Fels (geborene Hildesheimer) * 1879

Brahmsallee 13 (Eimsbüttel, Harvestehude)

1942 Theresienstadt
1944 Auschwitz ermordet

Weitere Stolpersteine in Brahmsallee 13:
Moritz Bacharach, Erna B. Bacharach, Veilchen Elias, Jona (John) Fels, Bruno Schragenheim, Irma Schragenheim

Gretchen Fels, geb. Hildesheimer, geb. am 8.11.1879 in Hannover, deportiert am 15.7.1942 nach Theresienstadt, weiterdeportiert am 15.5.1944 nach Auschwitz und dort ermordet

Brahmsallee 13

Als Tochter des in Halberstadt geborenen Kaufmanns Gustav Hildesheimer (1839–1907) und der aus Peine gebürtigen Jenny Hildesheimer, geb. Helft (1847–1915), kam Gretchen Hildesheimer in Hannover in der Bahnhofstraße 7 zur Welt. Vor ihr waren bereits die Geschwister Frieda (geb. 16.12.1869 in Peine), Else (geb. 3.9.1872 in Peine), Alfred (geb. 1873 in Peine) und Olga (geb. 17.9.1877 in Peine) geboren worden. Im April 1879 zog die Familie von Peine nach Hannover. Hier wurden die Geschwister Clara (geb. 23.2.1884) und Paul (1885) geboren. 1895 wechselte die Familie innerhalb Hannovers die Wohnung.

Über Gretchen Hildesheimers Schulzeit oder Ausbildung wissen wir nichts. Sie heiratete im Oktober 1905 den zehn Jahre älteren Hamburger Kaufmann John Fels (siehe derselbe) und lebte mit ihm ca. zwei Jahre in Hannover, wo auch die Tochter Edith am 27.10.1906 geboren wurde. Laut Heiratsurkunde galten beide Eheleute als "mosaisch", d.h., sie waren Mitglieder der Jüdischen Gemeinde. Ein Jahr nach der Geburt der Tochter wechselte die Familie nach Hamburg. Gretchens Eltern verstarben 1907 und 1915.

Im Kriegsjahr 1916 lebte die 32-jährige Schwester Clara Hildesheimer für zehn Wochen bei Gretchen Fels in der Werderstraße 10 (Harvestehude). Bis Februar 1917 war Gretchen Fels auf der Einwohnermeldekarte ihres Ehemannes unter dieser Wohnadresse verzeichnet. Dann meldete sie sich nach Hannover ab, der Ehemann war vermutlich als Soldat eingezogen. Am 21. Dezember 1918 kehrte sie nach Hamburg zurück und meldete sich in der Brahmsallee 13 III. Stock an. Ihr Ehemann befand sich noch im Sanatorium in Dresden. Er folgte ihr später. Laut Hamburger Adressbüchern wohnte von 1920 bis 1935 "Johs. Fels" als Mieter einer Etagenwohnung in der Brahmsallee 13 (Eigentümer war die Rudolf Karstadt AG). Als Berufsbezeichnung war "Geschäftsführer der Gerson GmbH" vermerkt. Zeitweilig befand sich in der Wohnung nebenan auch das Büro der 1910 gegründeten E. Gerson GmbH, die Geschäfte als Metall- und Chemikalienmakler betrieb. Von 1922 bis 1934 besaß Gretchen Fels Prokura für diese Firma.

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 wurden die Rechte von Jüdinnen und Juden schrittweise aufgehoben. Seit Ende 1938 wurde ihnen die Teilnahme am öffentlichen Kultur- und Freizeitbetrieb (Theater, Konzerte, Museen, Sportveranstaltungen, Badeanstalten) untersagt. Im Oktober 1939 folgte die Anweisung, die Rundfunkgeräte abzugeben, der Führerschein wurde ebenso entzogen wie die Kraftfahrzeug-Zulassung, Telefonanschlüsse mussten gekündigt werden. All dies betraf auch Familie Fels. Zudem musste Gretchen Fels ab 1. Januar 1939 zusätzlich den Zwangsvornamen "Sara" tragen; auf Nichtbefolgen dieses §2 der "Zweiten Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen vom 17. August 1938" standen Strafen. Der zuständige Standesbeamte vermerkte den "zusätzlichen Vornamen Sara" am 7. Januar 1939 auf Gretchen Fels‘ Geburtsurkunde. Der Entrechtung und Demütigung folgte die finanzielle Ausplünderung mittels "Sühnezahlungen", Gold- und Silberablieferungen sowie Kontensperrungen. Nachdem der Mietschutz für Juden im April 1939 aufgehoben worden war, mussten Gretchen und John Fels eine Wohnung in einem "Judenhaus" beziehen und später in ein Zimmer wechseln. Ab 1. September 1941 waren sie verpflichtet, deutlich sichtbar in Brusthöhe auf der Kleidung einen gelben "Judenstern" zu tragen.

Zusammen mit ihrem Ehemann John (ab 1938 den erlaubten Vornamen "Jona" statt "Israel") Fels wurde Gretchen Fels am 15. Juli 1942 ins böhmische Theresienstadt deportiert, wo die deutschen Besatzer in einer alten Garnisonsstadt ein Getto eingerichtet hatten. Bei den Transporten des Jahres 1941 waren u.a. Personen über 65 Jahre zurückgestellt worden. Sie erhielten ab Sommer 1942 den Deportationsbefehl ins "Altersgetto" Theresienstadt, wo qualvolle Enge und Mangelversorgung herrschten und das sich für die meisten als Durchgangsstation in ein Vernichtungslager entpuppte. John Fels starb 73-jährig im Getto. Gretchen Fels wurde nach fast zwei Jahren Gettoaufenthalt am 15. Mai 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau weiterdeportiert. Ihr genaues Todesdatum dort wurde nicht registriert. Das Amtsgericht Hamburg legte 1952 den Todeszeitpunkt auf "Ende des Jahres 1945" fest.

Die Tochter Edith Rudolphson, geb. Fels, emigrierte mit ihrem Ehemann Dr. Ernst Rudolphson im Oktober 1935 nach Palästina.
Die Schwester Clara Hildesheimer, (geb. 23.2.1884), die bis 1921 in Hannover, von 1921 bis 1925 in Aurich bei ihrer Schwester Else Hess, geb. Hildesheimer (1872–1925), und deren Ehemann Joseph Hess wohnte, zog zwei Monate nach dem Tod ihrer Schwester wieder nach Hannover. Im Juni 1926 meldete sie sich nach Breslau ab. Ihr weiterer Lebensweg ist nicht bekannt.
Die verwitwete Schwester Frieda Dessau, geb. Hildesheimer (1869–1942?), lebte in Hannover (zuletzt in der Ohestraße 9); sie wurde am 15. Dezember 1941 ins Getto Riga deportiert. Auch ihre beiden Töchter Fanny Dessau (geb. 26.5.1896 in Hannover) und Clara Dessau (geb. 23.4.1900 in Hannover) erhielten für diesen Transport ihren Deportationsbefehl. Frieda Dessau, geb. Hildesheimer, wurde vom Amtsgericht Hannover für tot erklärt, als Todeszeitpunkt wurde der 31. Dezember 1945 festgelegt.

Stand: September 2016
© Björn Eggert, Claudia Garcia

Quellen: StaH 332-5 (Standesämter), 8807 u. 351/1926 (Heiratsregister 1926, Edith Fels u. Dr. Ernst Rudolphson); StaH 332-8 (Alte Einwohnermeldekartei 1892–1925), Gretchen Fels, Clara Hildesheimer; StaH 351-11 (Amt für Wiedergutmachung), 31482 (Edith Rudolphson); Historisches Stadtarchiv Halberstadt, Häuserliste, Nr. 1553 (Witwe Sara Hildesheimer, geb. Meyer, geb. 1800); Stadtarchiv Hannover, Standesamt Hannover I 39-3784/1879 (Geburtsregister 1879, Gretchen Hildesheimer), Standesamt Hannover I 408-1779/1905 (Heiratsregister 1905, Gretchen Hildesheimer u. John Fels); Bürgeramt Hannover-Mitte, Fachbereich Recht und Ordnung (Familienstammkarte Gustav Hildesheimer); Staatsarchiv Aurich, Dep. 34 C, Nr. 9996 (jüdische Einwohnermeldekartei, ca. 1920–1940, Joseph Hess, Klara Hildesheimer); Hamburger Adressbuch 1924, 1925, 1930, 1932; Hamburger Börsenfirmen, Hamburg 1926, S. 320 (E. Gerson GmbH); Bundesarchiv Koblenz, Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945, Internet; Staatsarchiv Hamburg, Gedenkbuch. Hamburger jüdische Opfer des Nationalsozialismus, Hamburg 1995, Seite 99 (Gretchen Fels, Jona Fels); Yad Vashem, Page of Testimony (Gedenkblatt Gretchen Fels mit Foto).

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