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Bereits verlegte Stolpersteine



Martin Tebrich im Krankenhaus St. Georg
© Privatbesitz, vermittelt durch Anna v. Villiez

Dr. Martin Tebrich * 1880

Hammer Landstraße 39 (Hamburg-Mitte, Hamm)

1943 Theresienstadt
1944 Auschwitz ermordet

Weitere Stolpersteine in Hammer Landstraße 39:
Ruth Tebrich

Martin Tebrich, Dr. med., geb. 27.7.1880, deportiert am 23.6.1943 nach Theresienstadt, deportiert am 16.10.1944 nach Auschwitz
Ruth Tebrich, geb. Schindler, geb. 12.12.1896, deportiert am 23.6.1943 nach Theresienstadt, deportiert am 16.10.1944 nach Auschwitz

Am 2. November 1942 schrieb Max Plaut über Martin Tebrich: "… wenn er nicht mehr krankenhausbedürftig ist, muss er in die Beneckestraße verziehen. Ob er nach Theresienstadt oder nach dem Osten abwandert, hängt von seinem Alter ab. Wenn er über 65 Jahre alt ist, kommt er mit dem nächsten Transport nach Theresienstadt. In diesem Fall würde seine Frau auch mitgenommen, obwohl sie unter 65 ist."

Das Ehepaar Tebrich wurde schon zweimal von Osttransporten zurückgestellt, von dem ersten am 25. Oktober 1941 nach Lodz und dem fünften am 11. Juli 1942 mit unklarem Ziel. Im Juli 1942 hieß es zur Begründung, "sie wurde für transportunfähig erklärt, er als siech". Da waren Martin Tebrich und seine Ehefrau Ruth bereits aus der Heimhuderstraße 70 in das Altersheim Schäferkampsallee 25/27 umgezogen. Martin Tebrich musste wiederholt im Krankenhaus behandelt werden. Seine Frau arbeitete im Altersheim nach Kräften mit. Beiden ging es darum zu vermeiden, deportiert zu werden. Sie fürchteten, ein Einzug ins Altersheim würde sehr schnell zum Abtransport führen, und für den Heimaufenthalt in der Beneckestraße hätten sie einen Großteil ihres Vermögens ausgeben müssen. Ebenso zögerten sie den Heimeinkauf in Theresienstadt hinaus. Martin Tebrich hatte als Facharzt für Chirurgie und Dermatologie zusammen mit seiner Frau, die als Helferin in der Praxis mitarbeitete, zur Alterssicherung ein beträchtliches Vermögen erarbeitet.

Im Frühjahr 1943 zogen Tebrichs dann doch in die Enge eines Zimmers in der Beneckestraße 2. Von dort wurden sie nach Theresienstadt deportiert, obwohl Martin Tebrich zu dem Zeitpunkt erst 62 Jahre alt war.

Martin Tebrich kam am 27.7.1880 in Kamenz zur Welt. Er hatte acht Geschwister; drei kamen nach Hamburg. Martin wurde wie sein älterer Bruder Paul, der 1933 starb, Arzt. Der jüngere der "Hamburger Brüder" Ludwig wurde Ingenieur und war mit Martha, geb. Weinberg verheiratet. Martin Tebrich war 1912 nach Hamburg gekommen. 1921 eröffnete er seine Praxis und heiratete – in Chemnitz – die 16 Jahre jüngere Ruth Schindler aus Tost in Oberschlesien. Sie traten 1922 in die Deutsch-Israelitische Gemeinde Hamburg ein. Im folgenden Jahr wurde ihr Sohn Kurt geboren.

Nach den Inflationsjahren besserte sich ihre finanzielle Situation stetig. Kurt wechselte 1934 von der Grundschule auf die Hindenburg-Oberrealschule am Brekelbaumspark und verließ sie im November 1938.

Mit 15 Jahren ging er nach Großbritannien und besuchte dort eine Secondary School in Edinburgh. Er wurde wie alle "enemy aliens" 1940 interniert, zunächst in Surrey und dann in Kanada. Inzwischen gaben seine Eltern die Wohnung in der Hammer Landstraße auf und zogen in die Heimhuderstraße 70, ein Gebäude im Besitz der Jüdischen Gemeinde.

Es gibt keinen Hinweis darauf, dass sich Martin und Ruth Tebrich je um eine Auswanderung bemühten. So folgten sie zeitversetzt dem Bruder Ludwig und seiner Frau Martha Tebrich nach Theresienstadt und Auschwitz, während sich die Söhne hatten retten können.

© Hildegard Thevs

Quellen: 1; 2; 4; 5; 7; StaH, 522-1, Jüdische Gemeinden, o. Sign. Mitgliederzählung der DIGH 1928; 390 Wählerverzeichnis 1930; 391 Mitgliederliste 1935; 992 e 2 Deportationslisten Bd. 5; 992 n Fürsorgewesen, Band 32; BA Bln., Volkszählung 1939; AfW 140923; persönliche Mitteilungen einer Angehörigen.

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