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Bereits verlegte Stolpersteine



Martin Lentfer * 1875

August-Krogmann-Straße 100 (Wandsbek, Farmsen-Berne)

entrechtet gedemütigt
Flucht in den Tod 03.01.1938

Weitere Stolpersteine in August-Krogmann-Straße 100:
Ludwig Döpking, Richard Elkeles, Gustav Remi

Martin Hermann Heinrich Lentfer, geb. am 12.11.1875 in Hamburg, Selbstmord am 3.1.1938 im Versorgungsheim Farmsen

August-Krogmann-Straße 100

Martin Lentfer wurde in der Hamburger Neustadt als Sohn des Schneiders Hans Lentfer und seiner Frau Julie, geb. Wolf, geboren. Wie sein Vater erlernte er das Schneiderhandwerk. Seit dem 25. Juni 1926 wohnte er im Versorgungsheim Farmsen, wo er als "Insassenwächter" an der Anstaltspforte beschäftigt war. Eine Tätigkeit, die er zur vollsten Zufriedenheit ausübte. Er war wegen Bettelns vorbestraft, wahrscheinlich der Grund dafür, dass er in Farmsen leben musste. Zudem trank er gern Alkohol.

Die ersten beiden Tage des neuen Jahres 1938 war er beurlaubt worden. Am 1. Januar 1938 kehrte er vorzeitig zurück, verließ am nächsten Tag gegen 13 Uhr die Anstalt, um gegen 19 Uhr in angetrunkenem Zustand wieder aufzutauchen. Am 3. Januar 1938 suchte ihn ein Polizeimeister auf, weil ein betrunkener Ziegeleiarbeiter gegen einen Insassen aus Farmsen wegen eines angeblichen Vergehens nach § 175 StGB Anzeige erstattet hatte. Nach dem Verhör stand Lentfer nicht weiter unter Tatverdacht, obwohl er am besagten Tag beurlaubt und in der Nähe des "Tatorts" gewesen war.

Am Abend desselben Tages gegen 20.30 Uhr wurde Martin Lentfer tot aufgefunden, er hatte sich auf dem Anstaltsgelände erhängt.

Inwieweit Lentfer homosexuell veranlagt war, wissen wir nicht. Da er sich aber nach einem Verhör im Zusammenhang mit dem § 175 StGB umgebracht hat, erinnert ein Stolperstein vor dem Eingang zum heutigen Pflegeheim Farmsen in der August-Krogmann-Straße 100 an sein Schicksal als Opfer der Homosexuellenverfolgung und mahnt zugleich an diesem Ort der "Asozialen"-Verfolgung.

© Bernhard Rosenkranz(†)/Ulf Bollmann

Quellen: StaH 331-5 (Polizeibehörde – Unnatürliche Sterbefälle), 70/38; Bernhard Rosenkranz/Ulf Bollmann/Gottfried Lorenz, Homosexuellen-Verfolgung in Hamburg 1919–1969, Hamburg 2009, S. 231.

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