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Bereits verlegte Stolpersteine



Deportationsliste, 15.7.1942, Theresienstadt
© StaH

Conrad August Schmidt * 1875

Schurzallee-Nord 4 (Hamburg-Mitte, Hamm)

1942 Theresienstadt
ermordet 24.10.1942

Weitere Stolpersteine in Schurzallee-Nord 4:
Johanna Schmidt

Conrad August und Johanna Schmidt

Conrad August Schmidt, geb. 17.7.1875, deportiert am 15.7.1942 nach Theresienstadt, Todesdatum dort 24.10.1942
Johanna Schmidt, geb. Frank, geb. 3.1.1870, deportiert am 15.7.1942 nach Theresienstadt, Todesdatum dort 8.11.1942

Schurzallee 4

Am 25. Mai 1936 schrieb Conrad August Schmidt im Namen des Ehepaars an die Deutsch-Israelitische Gemeinde in Hamburg 13: "… Ich bin nicht in der Lage, mehr als RM 21,– an Gemeindesteuer zu zahlen. Ich bin in einer arischen Firma tätig und muss auch dort mich an Sammlungen etc. beteiligen, was Sie wohl verstehen werden. Ich habe stets meine Beiträge für jüdische Sammlungen, Eintopf etc. abgeführt, trotzdem ich auch noch für die anderen Sammlungen abgegeben habe, eben meiner Stellung wegen."

Conrad August Schmidt wurde am 17.7.1875 in Altona geboren. Seine Mutter Auguste, geb. Salomon, war Jüdin, sein Vater Conrad Schmidt Nichtjude. Seine Frau Johanna, geb. Frank, geb. 3.1.1870, kam aus Lathen an der Ems. Ihre Eltern waren beide jüdisch. Sie hatten zwei Töchter, Anni, geb. 28.3.1904, und Käthe, geb. 22.4.1906.

Conrad Schmidt trat 1913 in die Deutsch-Israelitische Gemeinde ein. Während des ersten Weltkriegs war er "im Felde". Nach Kriegsende kehrte er zu seiner Firma, der Hacifa, zurück und übernahm die Filiale Schurzallee. Das sicherte ihm und seiner Familie ein anspruchsloses Leben. Die Töchter Anni und Käthe trugen später mit ihren Angestelltengehältern zum Familieneinkommen bei.

Die finanziellen Schwierigkeiten begannen 1935, als Conrad August Schmidt erhebliche Beträge für seine Gesundheit aufwenden musste. Sein Gehalt betrug nur 195,– RM plus Provision, die wegen seiner wiederholten Erkrankungen gering war. Käthes Tätigkeit in einer "arischen" Firma verpflichtete sie ebenfalls, Sonderabgaben zu leisten. Bis Ende Februar 1938 duldete die Hacifa einen "halbjüdischen" Filialleiter. Dann wurde er mit einer Abfindung von 3000,– RM entlassen. Die Töchter unterhielten die Eltern mit. 1936 wurde Anni Schmidt bei "Telefonbau und Normalzeit" entlassen, erhielt aber sofort Arbeit in einer jüdischen Bank und danach bis zu ihrer Deportation am 6. Dezember 1941 nach Riga in einer Anwaltskanzlei. Sie gehört zu den wenigen Überlebenden dieses Transports. Sie starb 1995 in Montevideo.

Conrad August und Johanna Schmidt wurden von der Jüdischen Gemeinde in das Martin Brunn-Stift, Frickestraße 24 eingewiesen. Von dort wurden sie am 15. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Beide starben im dortigen Getto, Conrad August Schmidt am 24. Oktober 1942 um 7 Uhr an Lungenentzündung, seine Frau Johanna am 8. November 1942 an einem Darmkatarrh.

© Hildegard Thevs

Quellen: 1; 3; 4; 5; 6; 7; StaH, 522-1, Jüdische Gemeinden, o. Sign. Mitgliederzählung der DIGH 1928; 390 Wählerverzeichnis 1930; 391 Mitgliederliste 1935; 992 d Steuerakten; 992 e 2 Deportationslisten Band 4; BA Bln., Volkszählung 1939; AfW 280304; Archivum Panstwowe, Lodz; Jüdische Stätten in Hamburg. Hrsg. vom Institut für die Geschichte der deutschen Juden und der Landeszentrale für politische Bildung. Hamburg 1995, Nr. 73.

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