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Regina Vasen (geborene Kraus) * 1879

Dimpfelweg 26 (Hamburg-Mitte, Hamm)

1941 Riga
ermordet

Regina Vasen, geb. Kraus, geb. 13.10.1879, deportiert am 6.12.1941 nach Riga

Kentzlersdamm/Fußweg vor Eiffestraße 26 (Kentzlerdamm 45)

"Die Eheleute wurden bereits im Juli 1932 darauf aufmerksam gemacht, dass sie eine zu teure Wohnung haben", notierte der Fürsorger 1939. Es handelte sich um die 3-Zimmer-Wohnung von David und Regina Vasen am Kentzlerdamm 45, deren monatliche Miete
48,50 RM betrug.

David Vasen wurde am 9.11.1877 in Neuß geboren, seine Frau Regina, geb. Kraus, am 13.10.1880 in Solingen. Beide hatten mehrere Geschwister. Wann die beiden nach Hamburg kamen und in die Jüdische Gemeinde eintraten, ist nicht bekannt. David Vasen ist dort 1919 erstmals registriert.

David Vasen war Reisender in Weinen und Spirituosen, aber seit 1931 überwiegend arbeitsunfähig. Er sah sich dennoch in der Pflicht, zwei seiner Schwestern in Neuß, die unbemittelt waren, zu unterstützen. Seit 7. Dezember 1931 erhielt er laufend Geldleistungen aus Fürsorgemitteln und zusätzlich von der Jüdischen Gemeinde monatlich 15,– RM. Im Haushalt des Ehepaares wohnte eine Schwester Reginas, Betty Kraus. Regina Vasen hätte Arbeit suchen oder ein Zimmer vermieten müssen, um die Wohnung halten zu können. Da sie ihren Mann pflegte, der schwer an Angina pectoris litt, konnte sie nicht außer Haus gehen, und für eine Untervermietung, meinte sie, sei die Gegend nicht geeignet. Das Ehepaar fristete ein ärmliches Leben. Es musste selbst für Schuhreparaturen Unterstützung beantragen oder um getragene Kleidung bitten. 1937 entschied der Vertrauensarzt, dass David Vasen zwar keinen Außendienst mehr tun, wohl aber schriftliche Arbeiten zu Hause erledigen könne. Ob er das je tat, ist nicht bekannt. Er starb schließlich am 19. Juni 1939 in Hamburg. Fünf seiner Geschwister fanden in Gettos oder Vernichtungslagern den Tod.

Seine Witwe Regina vermietete im Juli 1939 dann doch für 20,– RM ein Zimmer an einen Reichsbahnoberinspektor i. R. Sie musste bald darauf ihre langjährig vertraute Wohnung verlassen. Die Jüdische Gemeinde brachte sie am 27. November 1941 im Oppenheimer-Stift unter, einem "Judenhaus" in der Kielortallee 22. Sie wurde von dort zehn Tage später, am 6. Dezember 1941, nach Riga-Jungfernhof deportiert. Ihr weiteres Schicksal ist nicht bekannt.

Ihre Schwester Betty wurde am 10. November 1941 von Düsseldorf aus ins Getto Minsk deportiert.

Am 16. Februar 1942 wurde das, was von Regina Vasens Hausrat noch übrig war, durch ein Auktionshaus versteigert. Der Erlös betrug 120,– RM brutto; davon flossen 112,55 RM an die Kasse des Oberfinanzpräsidenten.

© Hildegard Thevs

Quellen: 1; 4; 5; 6; StaH, 522-1, Jüdische Gemeinden, 391 Mitgliederliste 1935; 992 e 2 Deportationslisten, Band 3; BA Bln., Volkszählung 1939; AfW 131079; Jüdische Stätten in Hamburg. Hrsg. vom Insti-
tut für die Geschichte der deutschen Juden und der Landeszentrale für politische Bildung. Hamburg 1995, Nr. 81.

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