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Bereits verlegte Stolpersteine



Louisenweg 27 um 1920
© Stadtteilarchiv Hamm

Siegmund Steindler * 1889

Luisenweg 27 (Hamburg-Mitte, Hamm)

1943 Majdanek
ermordet
zuvor:
Flucht Frankreich
deportiert aus Drancy

Siegmund Steindler, geb. 3.8.1889, deportiert am 4.3.1943 nach Majdanek

Luisenweg / Schule Pröbenweg

Julius Steindler wurde am 6.1.1862 in Münchengrätz/Böhmen geboren. Er heiratete Rosa Horwitz, geb. 21.6.1857 in Hamburg, wo sich Julius Steindler niederließ. Rosa Steindler brachte zwischen 1888 und 1893 fünf Kinder zur Welt: Max, geb. 8.8.1888, Siegmund, geb. 3.8.1889, Hermann, geb. 21.11.1890, Susanne, geb. 31.12.1891 und Adolf, geb. 1.6.1893. Adolf starb 1915.

Julius Steindler gründete eine Fabrik für Chemische Dachpappen in Altona, Holstentwiete 90, wohnte aber in Hamburg und war Mitglied der dortigen Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Siegmund und sein ältester Bruder Max stiegen in die elterliche Firma ein. Siegmund heiratete Maria Komarowski, geb. am 20.4.1896. Ihre Ehe blieb kinderlos. Sie zogen mehrfach in Hamm um; 1935 wohnten sie Louisenweg 27. Max Steindler, verheiratet mit Käthe Laski, geb. 26.5.1893, zog von der Beneckestraße 48 in die Schmilinskistraße 88 und von dort in Untermiete zu Keibel am Mundsburger Damm 26. Auch ihre Ehe blieb kinderlos.

Siegmund Steindler war von 1920 bis ca. 1936 Mitglied der Jüdischen Gemeinde. Aus den Steuerunterlagen lässt sich schließen, dass er und sein Bruder ein gutes Einkommen hatten, und auch seine Mutter, inzwischen verwitwet, zahlte noch nennenswerte Gemeindesteuern. Das änderte sich um 1932. Die Firma geriet in Konkurs und wurde 1934 zwangsversteigert.

Max Steindler ging nach Schweden und starb dort am 18. Oktober 1937. Mutter Rosa Steindler wechselte mehrfach die Wohnung; als sie am 31. Oktober 1937 80-jährig starb, wohnte sie in der Innocentiastraße 51.

Ein Teil des Grundstücks blieb Siegmund Steindler erhalten. Als es 1939 veräußert wurde, geschah das in seiner Abwesenheit: Er war bereits geflohen. Über sein Schicksal bis zum 4. März 1943, dem Tag seiner Deportation aus dem Durchgangslager Drancy in Frankreich in das Vernichtungslager Majdanek, ist nichts bekannt, noch weniger über das seiner Frau, seiner Schwägerin und seines mittleren Bruders Hermann. Wie und wo er und seine Schwägerin Käthe ums Leben kamen, ist unbekannt, ebenso, wie Maria Steindler entkam.

Hermann Steindler hatte "nach Harburg geheiratet". Später, 1933, registrierte ihn die Altonaer Gemeinde als Angestellten, ohne seinen Arbeitsplatz anzuführen. Er soll zeitweilig in Barcelona und in Marokko gelebt haben. Auf seine Frau und auf etwaige Kinder gibt es keinen Hinweis.

Susanne heiratete; ihr Schicksal ist nicht bekannt.

© Hildegard Thevs

Quellen: 1, 2 R 1939/2982, 4, 5; StaH 522-1, Jüdische Gemeinden, 391 Mitgliederliste 1935.

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