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Bereits verlegte Stolpersteine



Stolperstein für Ruth Kligler
© Wolfram Becker

Ruth Kligler (geborene Lederfeind) * 1911

Carl-Petersen-Straße 116 (Hamburg-Mitte, Hamm)

1942 Riga
ermordet

Weitere Stolpersteine in Carl-Petersen-Straße 116:
Cäcilie Kligler, Joseph Kligler

Cäcilie Kligler, geb. Weiner, geb. 12.11.1884, deportiert am 6.12.1941 nach Riga
Joseph Kligler, geb. 28.12.1870, deportiert am 6.12.1941 nach Riga
Ruth Kligler, geb. Lederfeind, geb. 28.10.1911, deportiert am 27.1.1942 nach Riga

Carl-Petersen-Straße 114 (Mittelstraße 116, 2. Grundstück östl. vom Dorfgang)

"Mittelstraße 116 gab es einen Eierhändler", erinnert sich jemand 60 Jahre später. Das war Joseph Kligler, geb. 28.12.1870 in Probuzna. Er und seine erste Ehefrau Batia, geb. Mondschein, geb. 18.12.1872, stammten aus Galizien. Beide waren Mitglieder der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Sie schickten ihren einzigen Sohn Ignaz auf die Talmud Tora Schule. Ignaz wurde am 21.2.1908 in Altona geboren und ging nach der Schule in eine kaufmännische Lehre. Batia Kligler starb am 17. Juli 1928.

Eierhändler Joseph Kligler rief den "Vereinigten Eierhändler-Verein 1928 e. V." mit ins Leben und stand ihm von 1928 bis 1930 vor. Seine Geschäftsräume wechselten 1930 vom Schultzweg 35/37 zur Eimsbütteler Chaussee 140/142 und 1932 zur Elbstraße 63/65.

Von 1928 bis 1933 besaß Joseph Kligler auch noch eine Villa in der Körnerstraße 18, die er vermietet hatte. Ihr Verlust hatte private Gründe: Der Makler hatte die Hypothekengelder zwar kassiert, aber nicht abgeführt. Die Villa wurde zwangsversteigert, der Makler nahm sich das Leben.

Joseph Kligler heiratete erneut, Cäcilie Weiner, geb. am 12.11.1884. Sie brachte ihren Sohn Siegmund, geb. am 1.9.1904 in Probuzna, mit in die Ehe. Die Familie wohnte komfortabel in der Weidenallee 63a. Die Söhne Ignaz und Siegmund stiegen als Angestellte ins väterliche Geschäft ein. Siegmund heiratete Ruth Lederfeind, geb. am 28.10. 1911 in Gelsenkirchen, und wohnte 1930 im Kreuzweg 2.

1934 übernahm die "Reichsstelle für Eier" den gesamten Eierhandel. Die Importeure wurden ausgeschaltet, jeder Einzelhändler erhielt ein bestimmtes Kontingent zugeteilt. Joseph Kligler verkleinerte sich und eröffnete in der Mittelstraße 116 einen Eierhandel.

1938 musste er das Geschäft aufgeben und zog in den Saling 8. Bis 1941 wechselten er und seine Frau Cäcilie noch dreimal die Adresse. Sie wurden am 6. Dezember 1941 aus ihrer letzten Wohnung, Heinrich-Barth-Straße 8, nach Riga auf das Gut Jungfernhof deportiert.

Dem Sohn Ignaz gelang 1938 die Auswanderung nach Argentinien. Wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom wurde sein Halbbruder Siegmund im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Unklar ist, wie es ihm danach erging. Offenbar hat er die Shoah überlebt. Seine Frau Ruth kehrte nach Gelsenkirchen zurück und wurde von dort am 27. Januar 1942 ebenfalls nach Riga deportiert. Die Todesumstände von Cäcilie, Joseph und Ruth Kligler in Riga sind nicht bekannt.

© Hildegard Thevs

Quellen: 1; 4; 5; StaH, 522-1, Jüdische Gemeinden, 390 Wählerverzeichnis 1930; 391 Mitgliederliste 1935; 992 e 2 Deportationslisten Band 3; AfW 210208.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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