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Wolff William Hagenow * 1871

Heinskamp 20 (Hamburg-Nord, Barmbek-Süd)

1944 Theresienstadt
ermordet 16.04.1944

Wolff William Hagenow, geb. 21.11.1871, am 19.1.1944 nach Theresienstadt deportiert und dort am 16.4.1944 gestorben

Heinskamp 20

Nach dem Besuch des Gymnasiums und der Erlangung der Mittleren Reife begann Wolff Hagenow eine kaufmännische Lehre. Danach war er als selbstständiger Kaufmann in einem Textilhandel tätig, dessen Sitz in der Conventstraße 32 lag.

Mit seiner ersten Ehefrau Helene, die ebenfalls jüdisch war, hatte Wolff Hagenow eine ge­meinsame Tochter, Erna, die am 7. Januar 1903 zur Welt kam. Die Ehe hielt nicht lange und wur­­de letztendlich geschieden. In den dreißiger Jahren wanderte Helene mit Erna nach New Jersey aus, wo sie auch nach Kriegs­ende blieb.

Wolff Hagenows zweite Ehefrau war die 20 Jahre jüngere nichtjüdische Betty Adolphine Berta Dittmann aus Hamburg. Die Hochzeit fand am 16. Februar 1920 statt. Sechs Jahre später, am 1. Juli 1926, kam ihr Sohn Curt Siegmund zur Welt. Die Halbgeschwister Erna und Curt wussten bis kurz nach Ende des Krieges nichts voneinander.

Den Textilhandel musste Wolff Ha­ge­now aus finanziellen Gründen aufgeben und arbeitete kurzzeitig als Ver­treter und schließlich als Lagerist bei der Firma Jacobsen in der Wolt­mann­straße 7–9, bis er 1929 arbeitslos wurde. Ab 1934 bezog Wolff Hage­now eine kleine Rente und die Fa­mi­lie musste in eine kleinere Wohnung im Heinskamp 20 umziehen.

Nach der NS-Terminologie lebten Wolff und Betty Hagenow in "privilegierter Mischehe", da sie "Arierin" war und beide ein gemeinsames Kind hatten. Dadurch war Wolff Hagenow zu­nächst vor dem Zugriff der Nationalsozialisten geschützt. Dies änderte sich mit der Scheidung des Ehepaares am 29. Januar 1941. Wolff Hagenow musste aus der gemeinsamen Wohnung im Heinskamp ausziehen und zur Untermiete in der Weide­stra­ße 6 wohnen. Von seiner kleinen Rente, die monatlich 64,40 RM betrug, zahlte er 10,50 RM an Alimenten.

Curt Hagenow, nach der NS-Ter­mi­no­logie ein "Mischling ersten Grades", wurde 1939 kurz vor Beginn des Krieges aufgrund des "Dienst­pflicht­gesetzes" aufgefordert, dem Jungvolk bei­zutreten. Zwei Jahre später kam er zur Hitler­ju­gend, die jüdische Her­kunft seines Vaters schien da­bei nicht aufzufallen. Im Som­mer 1943 wurden Betty Hagenow und ihr Sohn ausgebombt und zogen in das Jugend­wohn­­heim der Hitlerjugend an der Elbchaussee 88/90. Kurz darauf wur­de seine jüdische Herkunft aber doch noch bekannt und Betty und Curt muss­ten das Wohnheim ver­lassen.

Wolff Hagenow wurde am 19. Januar 1944 aus seiner letzten Wohnung in der Rappstraße 15 ins Getto Theresienstadt deportiert. Dort traf er seine Schwester Ida, die bereits am 20.Juli 1942 dorthin deportiert worden war. Wolff Hagenow starb am 16. April 1944 im Getto, seine Schwester Ida folgte ihm am 15. Mai 1944.

© Carmen Smiatacz

Quellen: 1; 4, 5; 7; 8; StaHH 351-11, AfW, Abl. 2008/1, 12.03.91 Hagenow, Betty; StaHH 351-11, AfW, Abl. 2008/1, 01.07.26 Hagenow, Curt; ITS/ARCH/Kartei Getto Theresienstadt/5039313#1 (1.1.42.2/THERES37/1177); ITS/ARCH/Transportlisten Gestapo, zum Getto Theresienstadt/11197641#1 (1.2.1.1/0001-0060/0017/0148); ITS/ARCH/Transportlisten Gestapo, Hamburg/11198449#1 (1.2.1.1/0001-0060/ 0017G/0287).
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Recherche und Quellen.

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