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Bereits verlegte Stolpersteine



Bella Spanier zwischen Schülerinnen sitzend
Bella Spanier inmitten ihrer Schülerinnen
© Arthur Riegel

Bella Spanier * 1884

Rosenallee 11 Schule (Hamburg-Mitte, Hammerbrook)

1941 Lodz
1942 Chelmno
ermordet

Siehe auch:

Weitere Stolpersteine in Rosenallee 11 Schule:
Recha Lübke

Recha Lübke, geb. 6.3.1880 in Altona, am 19.7.1942 nach Theresienstadt, am 9.10.1944 nach Auschwitz deportiert
Bella Spanier, geb. 25.2.1884 in Burg-Lesum, am 25.10.1941 nach Lodz, am 10.5.1942 nach Chelmno deportiert

Recha Lübke und Bella Spanier unterrichteten viele Jahre an der Volksschule Rosenallee 11, bis sie aufgrund des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" vom 7. April 1933 entlassen wurden – Recha Lübke nach 34, Bella Spanier nach 27 Berufsjahren. Beide hatten ihre Ausbildung im Lehrerinnenseminar in Altona erhalten. Recha Lübke begann mit 19 Jahren am 1. April 1899 ihre Lehrerinnentätigkeit und trat zweieinhalb Jahre später, am 15. Oktober 1901, in den Hamburger Schuldienst ein. Bella Spanier nahm ihre Berufstätigkeit mit 22 Jahren am 15. Juni 1906 gleich in Hamburg auf. Beide gehörten Berufsverbänden an, Recha Lübke dem "Verein Hamburger Volksschullehrerinnen", Bella Spanier der "Gesellschaft der Freunde des Vaterländischen Schul- und Erziehungswesens". Recha Lübke engagierte sich auch in hohem Maße ehrenamtlich in der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg. Sie wohnte in der Isestraße 21 in Eppendorf , Bella Spanier in der Tegettoffstraße 9.

Als die Deportationen der Juden begannen, war Bella Spanier noch nicht 60 Jahre alt und galt damit als jung genug für die vermeintliche "Aufbauarbeit im Osten", wie die Deportationen verschleiernd genannt wurden. Sie gehörte zum ersten Transport, der am 25. Oktober 1941 nach Lodz ging. Am 10. Mai 1942 wurde sie von dort ins Vernichtungslager Chelmno weiterdeportiert, was ihre Ermordung mit Autoabgasen bedeutete.

Recha Lübkes Deportation erfolgte aufgrund ihres höheren Alters am 19. Juli 1942 in das so genannte Altersgetto Theresienstadt. Dort lebte sie noch über zwei Jahre, bis sie im Zuge der allmählichen Räumung des Gettos am 9. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert wurde. Damit verliert sich ihre Lebensspur.

© Hildegard Thevs

Quellen: Lehrerverzeichnisse.


Bella Spanier, geb. am 25.2.1884 in Lesum (heute Stadtteil von Bremen), am 25.10.1941 nach Lodz deportiert, am 10.5.1942 nach Chelmno deportiert und ermordet

Tegetthoffstraße 9 / Rosenallee 11 (Schule), Klostertor

Bella Spanier wurde 1884 in Lesum geboren. Burg-Lesum ist heute ein Stadtteil von Bremen, war aber bis zur Gebietsreform am 1. November 1939 preußisch. Bellas Eltern waren der jüdische Kaufmann Jacob Spanier und seine Ehefrau Caroline, geb. Neumark. Jacob Spanier, Sohn des Kaufmanns Ruben Spanier aus Hamburg und seiner Ehefrau Karoline, geb. Fränckel, starb 1916 in Hamburg.

Bella hatte eine ältere Schwester Rebecca, die 1881 in Burgdamm (auch zum Standesamt Lesum gehörend) geboren wurde. Vermutlich zog Familie Spanier nach Hamburg, als die Mädchen noch Kinder waren. Bella Spanier wurde Lehrerin und unterrichtete viele Jahre an der Volksschule für Mädchen in der Rosenallee 11. Sie hatte ihre Ausbildung im Lehrerinnenseminar in Altona erhalten und nahm ihre Berufstätigkeit im Alter von 22 Jahren im Juni 1906 in Hamburg auf. Sie war Sozialdemokratin, Mitglied in der "Gesellschaft der Freunde des Vaterländischen Schul- und Erziehungswesens" und Anhängerin der Reformpädagogik. Bei ihren Schülerinnen war sie sehr beliebt. Gerne fuhr sie mit ihren Klassen in die Stadtkolonie Moorwerder an der Bunthäuser Spitze, die noch heute als Freiluftschule existiert. Bella Spanier war klein und zierlich. Ihre dunklen Haare trug sie als "Bubikopf" mit einem Mittelscheitel. Nach 27 Berufsjahren entließ man sie aufgrund des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" vom 7. April 1933 zum 22. Juli 1933, da sie Jüdin und SPD-Mitglied war. In einem Schreiben des Staatsamtes an die Gestapo vom 6. Mai 1934 hieß es: "Die Spanier wurde am 22.7.33 entlassen, weil sie keine Gewähr dafür bietet, rückhaltlos für den nationalen Staat einzutreten."

Bella Spanier wohnte in der Tegetthoffstraße 9 im dritten Stock. Einen Stock darunter lebten ihre Eltern. Im dritten Stock wohnten außerdem Frl. T. und M. Hubert, mit denen sich Bella Spanier eine Wohnung geteilt haben könnte. Anfang der 1930er Jahre – wahrscheinlich nach ihrer Entlassung aus dem Schuldienst – zog sie mit ihrer verwitweten Mutter in die Bismarckstraße 6 um, wo sie bei Bellas Schwester Rebecca wohnten, die in Hamburg im Februar 1911 den Kaufmann Iwan Selke geheiratet hatte. Iwan Selke war 1876 in Hamburg geboren worden. Er besaß ein Exportgeschäft. Bellas und Rebeccas Mutter Caroline starb im August 1937. Ihr Grabstein befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Langenfelde.

Wir wissen nicht, wie es Bella Spanier zwischen 1933 und Oktober 1941 erging, als sie den Deportationsbefehl erhielt. Sie musste mit der ersten Hamburger Deportation nach Lodz reisen, wo sie in die Richterstraße 9/11 (heute Tokarska) eingewiesen wurde. Die Wohnung bestand aus höchstens zwei Zimmern, in denen zehn weitere Personen untergebracht waren. Es gab nicht einmal eine Wasserleitung im Haus. Hier lebte sie zusammen mit der Hamburger Lehrerin Else Rauch, für die ein Stolperstein in der Grindelallee 152 liegt und an die in Eimsbüttel der Else-Rauch-Platz erinnert. Auch Betty Holstein und ihre Schwester Ellen Kämpfer (s. dort) wohnten dort. Alle vier wurden am 10.5.1942 im Vernichtungslager Chelmno ermordet.

Schwester Rebecca und Schwager Iwan Selke wurden kurz nach Bella Spanier am 6. Dezember 1941 nach Riga deportiert.

© Susanne Lohmeyer

Quellen: 1; Standesamt Bremen-Nord, Geburtseintrag 32/1884 und 55/1881; StaH 131-10 Senatskanzlei – Personalabteilung I, 1933 Ja 13 c; StaH 332-5 Standesämter, 8677 + 94/1911; StaH 332-5, 8148 + 385/1937; StaH 522-1 Jüdische Gemeinden, 992 e 2, Band 1 (Deportationslisten); HAB II 1926; HAB II und IV, 1912, 1919; Deportationsliste Litzmannstadt, Gedenkstätte Lodz Radegast; Ursel Hochmuth und Peter de Lorent (Hrsg.), Schule unterm Hakenkreuz, S. 316; Arthur Riegel, Else Rauch, S. 36f., S.131.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Recherche und Quellen.

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