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Max London * 1889

Jenischstraße 49 (Altona, Osdorf)

1942 Theresienstadt
1944 Auschwitz
ermordet

Max Nathan London, geb. am 26.9.1889, deportiert nach Theresienstadt am 19.7.1942, weiterdeportiert nach Auschwitz am 28.10.1944, ermordet

Jenischstraße 49

Max Nathan London stammte aus Hamburg, wo er am 26. September 1889 als Sohn des Vertreters Nathan Marcus London und seiner Ehefrau Gella, geb. Levy, geboren worden war. Für die Jahre 1933 und 1934 war der Kaufmann im Adressbuch Altona mit der Wohnadresse Jenischstraße 49 an der Ecke Friedensweg in Altona-Osdorf verzeichnet.

Max London war verheiratet mit Lotte, geb. Wolff, mit der er zwei Kinder hatte: Am 9. Juli 1928 kam die Tochter Ruth zur Welt, am 18. Mai 1931 der Sohn Edgar.

1931 wurde für ihn eine Kultussteuerkarte bei der Jüdischen Gemeinde Hamburg angelegt mit der Berufsangabe "Direktor". 1931/32 war er als steuerpflichtig geführt, 1933 musste er ein Drittel weniger Steuern zahlen, ab 1934 wurde er nicht mehr steuerlich veranlagt.

Ein handschriftlicher Eintrag auf der Kultussteuerkarte verweist auf das Datum seiner Deportation: "19.7.42 deportiert". An diesem Tag musste Max London im Alter von 52 Jahren den Zug ins Getto Theresienstadt in der deutsch besetzten Tschechoslowakei besteigen. Die überwiegend älteren und gebrechlichen Menschen, die aus Hamburg nach Theresienstadt deportiert wurden, starben oft schnell an Hunger, Kälte, Krankheiten oder Seuchen. Nur für jüngere und kräftigere Gettoinsassen gab es in Theresienstadt eine höhere Überlebenschance als an anderen Deportationsorten. Der Postverkehr aus Theresienstadt war erlaubt, aber reglementiert und zensiert. Wichtige Informationen mussten verschlüsselt formuliert werden. Wesentlich für das Überleben war es, von draußen mit Lebensmittelpaketen versorgt zu werden. Deswegen versandten Gettobewohner und -bewohnerinnen Nachrichten an Angehörige oder Bekannte mit versteckten Hilferufen.

Vielleicht knüpfte Max London eine solche Hoffnung an eine Postkarte aus dem Getto an Dr. Max Plaut vom 24. Oktober 1943:
"Im 16. Monat hier ganz allein in Theresienstadt, habe seit Mai nichts gehört, bitte daher mir die Adresse von Frau Alice Gerndt, Hamburg 6, Marktstrasse 45 zuletzt wohnhaft, zu erfragen, mir dieselbe baldigst zuzusenden. Max London".

Dr. Max Plaut, ehemaliger Syndikus der Jüdischen Gemeinde, war von der Gestapo zum Alleinverantwortlichen bestimmt worden für den ab 1938 umbenannten Jüdischen Religionsverband Hamburg. Er setzte am 6. Dezember des Jahres ein Schreiben auf an Alice Gerndt, Anschrift Marktstraße 45 in Hamburg:
"Herr Max London, Theresienstadt Post Banchowitz, Protektorat, Hauptstr. 15, hat mich gebeten, mich mit Ihnen in Verbindung zu setzen. Ich bitte Sie mir mitzuteilen, unter welcher Adresse Sie jetzt zu erreichen sind, evt. in meinem Büro, Bornstrasse 22, I. vorzukommen. (Dr. Max Israel Plaut)."

Drei Wochen später, am 28. Dezember 1943, erhielt Max London ein Schreiben von einem Bekannten von Frau Gerndt:
"Werter Herr London! Ihre Karte habe ich erhalten und habe heute Frau Gerndt gesprochen. Sie ist gesund und wohnt jetzt: Hamburg 6, Schulterblatt 9, II, b/ Orgelmann. Sie wird Ihnen dieser Tage Post schicken. Sie war sehr erfreut, von Ihnen ein Lebenszeichen zu haben. Mit besten Wünschen".

Max London überlebte fast ein weiteres Jahr im Getto. Am 28. Oktober 1944 wurde er von Theresienstadt ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau in Polen transportiert, wo er ermordet wurde.

Stand September 2015

© Birgit Gewehr

Quellen: 1; 4; 5; 7; 8; AB Altona; StaH 622-1/173 Familie Plaut D 38 (Dr. Max Plaut, Dienstliche Korrespondenz und privater Schriftwechsel); StaH 332-5 Standesämter, 9051 (Eintrag Nr. 2061, Geburt Max London).
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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