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Heinrich Suhren, "Heil- und Pflegeanstalt" Langenhorn 1935
© Staatsarchiv Hamburg

Heinrich Suhren * 1913

Erichstraße 41 (Hamburg-Mitte, St. Pauli)


Verhaftet 1937 und 1938
KZ Fuhlsbüttel
Flucht in den Tod
19.09.1939

Heinrich Richard Theodor Suhren, geb. 12.8.1913 Altona, inhaftiert 1937, Suizid am 19.9.1939

Erichstraße 41 (Erichstraße 43)

Heinrich Suhren wurde 1913 als Sohn des Kapitäns Richard Suhren und seiner Frau Luise, geb. Woker, in Altona geboren. Seine Mutter starb 1923 an einer Vergiftung und sein Vater beging 1933 Suizid durch Erhängen.

Nach Abschluss der Volksschule fuhr Heinrich Suhren vier Jahre zur See, zunächst als Schiffsjunge, dann als Leichtmatrose und zuletzt als Messesteward. 1932 zog er für ein halbes Jahr zu Verwandten nach Südafrika. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland nahm er eine Beschäftigung als Wagenwäscher bei der Reichsbahn auf.

Am 29. März 1935 beging er in seiner Unterkunft in der Eimsbütteler Straße 38, III. Stock einen Selbstmordversuch. Gut 14 Tage später versuchte er sich mit einer Überdosis des Schlafmittels Veronal das Leben zu nehmen. Danach kam er für sieben Monate in die "Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn", wo er sterilisiert wurde. Als Grund für die Selbsttötungsversuche nannte Heinrich Suhren psychische Probleme mit seiner homosexuellen Veranlagung. In Lagnenhorn diagnostizierten die Mediziner eine Debilität mäßigen Grades und sprachen von einer schizoiden Psychose. Drei Jahre später hieß es dahingegen in einem gerichtsmedizinischen Gutachten, dass bei Heinrich Suhren keine Hinweise auf Denkstörungen oder Sinnestäuschungen vorlägen, sondern es "sich bei S. um einen im ganzen etwas weichen, widerstandsschwachen Menschen, der anlagemäßig zu Verstimmungen neigt" handele. Nach seiner Entlassung aus Langenhorn fuhr er wieder zur See.

Anfang Dezember 1937 wurde sein Name von einem ehemaligen Sexualpartner im Verhör genannt. Daraufhin wurde Heinrich Suhren, der als Messesteward auf dem Dampfer Iberia beschäftigt war, drei Tage vor Heiligabend von Bord des Schiffes geholt und dem Arrestposten im Stadthaus übergeben. Am 22. Dezember kam er in polizeiliche "Schutzhaft" in das KZ Fuhlsbüttel, wo er bis zum 10. Februar 1938 blieb.

Im Verhör gab er weitere Männerbekanntschaften zu, u. a. mit dem englischen Schriftsteller Beverly Nichols, der ihn im Juli 1936 vor dem Lessingtheater am Gänsemarkt angesprochen hatte. Nichols hatte Suhren für den nächsten Tag auf sein Zimmer im Hotel Atlantik eingeladen.
Am 25. März 1938 fand der Prozess vor dem Amtsgericht Hamburg statt. Der Richter bestrafte Suhren mit sieben Monaten Gefängnis wegen fortgesetzten Vergehens nach § 175 RStGB in sieben Fällen unter Anrechnung der Untersuchungs- und Schutzhaftzeiten. Ein Gnadengesuch blieb erfolglos. Zurück in Freiheit, tötete sich Heinrich Suhren am 19. September 1939 durch Erhängen auf dem Dampfer Leuna.

© Bernhard Rosenkranz/Ulf Bollmann

Quellen: StaH 213-8 Staatsanwaltschaft Oberlandesgericht – Verwaltung, Abl. 2, 451 a E 1, 1 b; StaH 213-11 Staatsanwaltschaft Landgericht – Strafsachen, 3485/38; StaH 242-1 II Gefängnisverwaltung II, Abl. 13 und 16; StaH 352-5 Gesundheitsbehörde – Todesbescheinigungen, C II 1939 Standesamt 3 Nr. 643; StaH 352-8/7 Staatskrankenanstalt Langenhorn, Abl. 1995/2 Nr. 21438.

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