Namen, Orte und Biografien suchen


Bereits verlegte Stolpersteine



Familie Lieber: Hans, Sophie, Ingeburg und der ältere Bruder (v.l.n.r.)
Familie Lieber: Hans, Sophie, Ingeburg und der ältere Bruder (v.l.n.r.)
© Privatbesitz

Hans Lieber * 1890

Von-Essen-Straße 82 Schule (Hamburg-Nord, Barmbek-Süd)


HIER LEHRTE
HANS LIEBER
JG. 1890
VERHAFTET 1943
’WEHRKRAFTZERSETZUNG’
1944 BERLIN-PLÖTZENSEE
TOT 20.2.1945
ZUCHTHAUS CELLE

Hans Lieber, geb. 29.4.1890, am 20.2.1945 im Zuchthaus Celle gestorben

Von-Essen-Straße 82 (ehemalige Volksschule)

Der Sohn eines Angestellten entstammte kleinbürgerlichen Verhältnissen und trat im Alter von 15 Jahren nach seinem Schulabschluss in das Lehrerseminar ein. 1911 wurde Hans Lieber Hilfslehrer, vier Jahre später bekam er eine Festanstellung an der Volksschule "Von-Essen-Straße".

Noch im selben Jahr, in dem er seine Festanstellung erhielt, zog Hans Lieber als Soldat in den Ersten Weltkrieg. Doch schon nach einem halben Jahr wurde er aufgrund einer Ver­letzung kriegsunfähig. Nach der Rückkehr aus dem Krieg trat Hans Lieber wieder seine alte Stellung an der Volks­schu­le in Barmbek an und unterrichtete dort Englisch, Biologie und Chemie. Neben diesen Fächern bemühte er sich, seinen Schülern seine Vorliebe für den Sport, insbesondere das Wandern, nahezubringen.

Während der Weimarer Republik war Hans Lieber Mitglied in der Lehrergewerkschaft "Ge­sell­­schaft der Freunde", welche vor allem sozialdemokratische Mitglieder hatte. Trotzdem traten viele der Kollegen 1933 dem NS-Lehrerbund bei, so auch Hans Lieber.

Der Zweite Weltkrieg beeinflusste auch Hans Liebers Arbeit. 1941 musste er im Rahmen der Kinderlandverschickung seine Schulklasse ins sichere Oberbayern begleiten und dort unterrichten. Das Schulgebäude wurde unterdessen für kriegswichtige Einrichtungen genutzt. Bei der Bombardierung Hamburgs im Sommer 1943 wurde Barmbek stark zerstört. Sowohl die Volksschule "Von-Essen-Straße" als auch Hans Liebers Wohnung im Eilbektal 24 brannten aus.

Nach seiner Rückkehr aus Oberbayern wurde Hans Lieber als Vertrauenslehrer für Luft­waf­fen­helfer im Kreis Harburg eingesetzt. Seine Schüler bedienten Flak-Geschütze, was Hans Lie­ber in einen tiefen inneren Konflikt stürzte und ihn am Sinn des Krieges zweifeln ließ. Diese Zweifel führten letztlich zu der Äußerung, die ihn sein Leben kostete.

Im Kreis seiner Schüler äußerte Hans Lieber im Winter 1943/44 Zweifel am Endsieg der Nationalsozialisten. Damit gerieten die Schüler nun ihrerseits in einen Gewissenskonflikt. Ein Schü­ler meldete die Äußerung einem Leutnant der Flak-Batterie. Daraufhin wurde Hans Lieber angezeigt und der Vorfall gelangte zur Gestapo-Stelle in Harburg.

Nun galt Hans Lieber als "Wehrkraftzersetzer" und wurde im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel inhaftiert, ehe er zu seiner Verhandlung nach Berlin-Plötzensee verlegt wurde. In Berlin verurteilte ihn der Volksgerichtshof zu fünf Jahren Zucht­haus, die er im Zuchthaus Celle verbüßen sollte.

Im August 1944 beteuerte Hans Lieber in seinem Lebens­lauf an die Zuchthausbehörde in Celle, er sei nie politisch aktiv gewesen. "Ich habe mich vor 1933 niemals politisch be­tätigt, habe keiner Partei oder Loge angehört. Ich gehöre seit 1933 dem NS-Lehrerbund und dem NS-Reichsbund für Leibesübungen an und bin seit 1936 ehrenamtlich in der NS-Ge­mein­schaft Kraft durch Freude tätig. Ich bin seit Mai 1937 Mitglied der NSDAP."

Am 20. Februar 1945, fünf Tage nach der Inhaftierung im Zuchthaus Celle, starb Hans Lieber an den Folgen eines unzureichend behandelten Erschöpfungszustandes. Zu diesem Zeitpunkt war er gerade 54 Jahre alt. Er wog nur noch 58 kg und wurde als nicht "moorfähig", wohl aber als "kommandofähig", eingestuft. Nach seinem Tod wurden seine Kleider verbrannt.

Hans Liebers Familie, seine Ehefrau und seine Tochter, erhielten eine kurze Mitteilung über seinen Tod. 1946 wurde Hans Liebers Urne auf dem Friedhof Ohlsdorf beigesetzt. Bei der Beerdigung hielt der Schulleiter der Volksschule "Von-Essen-Straße" eine kurze Ansprache für seinen ehe­maligen Kollegen.

© Carmen Smiatacz

siehe auch: Adresse Eilbektal/Ecke Friedrichsberger Straße

Quellen: Hamburger Lehrerzeitung 11/83; Hochmuth/de Lorent: Hamburg: Schule unterm Hakenkreuz, S. 256ff.

druckansicht  / Seitenanfang