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Ernestine Tichauer * 1891

Horner Weg 278 (Hamburg-Mitte, Horn)


HIER WOHNTE
ERNESTINE TICHAUER
JG. 1891
DEPORTIERT 1941
RIGA
ERMORDET

Ernestine Tichauer, geb. 10.10.1891 in Breslau, deportiert am 6.12.1941 nach Riga, weiter deportiert in das KZ Stutthof

Horner Weg 278

Die evangelisch getaufte, als Jüdin verfolgte Ernestine Tichauer hinterließ in den Archiven kaum Spuren, zumal sie keine gebürtige Hamburgerin war und ledig blieb. Am 10. Oktober 1891 in Breslau geboren, kam sie mit ihren Eltern, Moritz Tichauer und Johanna, geb. Marcus, nach Hamburg. Moritz Tichauer, geboren am 25. Juli 1858 in Czarkow, Kreis Pless, von Beruf Schneider, und Johanna, geb. Marcus, ge­boren am 27. Dezember 1866 in Lutroschin, heirateten am 5. Dezember 1882 in Breslau. Die Ehe wurde später geschieden; dennoch wur­de Johanna Tichauer nach dem Tod ihres Mannes als Witwe bezeichnet. Moritz Tichauer gehörte spätestens seit 1926 der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg an. Ernestine Tichauer wohnte bei ihren Eltern bzw. ihrer Mutter in der Fettstraße 27 in Eimsbüttel und zog ebenfalls in den Hamburger Südosten, als Johanna Tichau­er sich am Bundsensweg 15 an der Hamm-Horner Grenze einmietete. Ernestine nahm sich eine Wohnung in Horn am Horner Weg 278. Johanna Tichauer starb am 31. Au­gust 1934 im Staatlichen Versorgungsheim in Ham­burg.

Ernestine trat 1940 zwangsweise dem "Jüdischen Religions­ver­band" bei und zahlte den Grundbetrag von einer Reichsmark Steuern im Monat. Sie übte eine nicht näher bekannte Tätigkeit als Arbeiterin aus, vermutlich als Zwangsarbeit. Im Alter von 50 Jahren erhielt sie die Aufforderung zur "Aussiedlung" in den Osten. Es handelte sich um den vierten Transport des Jahres 1941, der Hamburg am 6. Dezember 1941 verließ und nach Riga führte. Ernestine Tichau­er überlebte die Strapazen des Transports und der schwer erträglichen Lebensumstände auf dem Jungfernhof, wo die Deportierten arbeiten mussten, weitgehend ungeschützt vor der Kälte und hungernd. Wo sie in den zwei folgenden Jahren eingesetzt wurde, ist unbekannt. Sie gehörte zu den wenigen Jüdinnen und Juden, die den Erschießungsaktionen der SS entgingen, weil sie als Arbeitskräfte gebraucht wurden. Nach der Räumung des Gettos und der Konzentrationslager im Raum Riga im Sommer 1944, als die Rote Armee Lettland erreichte, wurde sie mit einer großen Gruppe anderer jüdischer Frauen in das KZ Stutthof deportiert. Dort verliert sich ihre Spur.

© Hildegard Thevs

Quellen: 1; 4; 5; 6; 332-5 Standesämter, 977+2033/1931; 7156+872/1934; 552-1 Jüdische Gemeinden, 992 e 2, Bd. 3; AB div.; Jüdischer Friedhof, O3-431; Enzyklopädie des Holocaust.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Recherche und Quellen.

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