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Gertrud Levisohn * 1907

Wandsbeker Königstraße 38 / Ecke Quarree (Wandsbek, Wandsbek)


GERTRUD LEVISOHN
JG. 1907
DEPORTIERT 1941
MINSK
ERMORDET

Weitere Stolpersteine in Wandsbeker Königstraße 38 / Ecke Quarree:
Helene Levisohn, Louis Levisohn, Bernhard Levisohn, Käthe Levisohn, Heinrich Levisohn

Louis Levisohn, geb. 30.10.1866, deportiert am 15.7.1942 nach Theresienstadt, dort verstorben am 1.4.1943
Helene Levisohn, geb. Freudenberg, geb. 8.9.1869, deportiert am 15.7.42 nach Theresienstadt, am 18.12.1943 weiterdeportiert nach Auschwitz
Bernhard Levisohn, geb. 5.5.1898, deportiert am 8.11.41 nach Minsk
Käthe Levisohn, geb. Mayer, geb. 9.5.1905, deportiert am 18.11.41 nach Minsk

Wandsbeker Königstraße zwischen Wandsbeker Marktstraße und Quarree (Königstraße 84)

Louis Levisohn verstand etwas von Stoffen und Farben, von Tapeten und Dekors. So war es auch kein Wunder, dass er ausgewählt wurde, seine Heimatstadt würdig zu repräsentieren, als sich zum 5. November 1903 hoher Besuch ankündigte. Königin Wilhelmina der Niederlande schickte sich an, das ihr unterstellte Husarenregiment anlässlich des 100-jährigen Stiftungstages zu besuchen. Die Bevölkerung feierte die Regentin auf ihren Fahrten durch die geschmückte Stadt vom Bahnhof zur neuen Kaserne. Einen Teil des festlichen Straßenschmucks hatte Louis Levisohn verfertigt. Königin und Honoratioren der Stadt zeigten sich hochzufrieden, was auch in einem Artikel des Wandsbecker Boten zum Ausdruck gebracht wurde. "Die Ausschmückung der Goethestraße (war) Herrn Decorateur Louis Levisohn übertragen worden ... Gerade die ... genannte Straße zeichnete sich durch ihren Schmuck besonders aus und erregte allgemeinen Beifall." Dreißig Jahre später war vom alten Glanz nichts mehr geblieben, vielmehr sah sich der einst Gewürdigte gezwungen, seinen langjährigen Wohn- und Arbeitsort nahezu mittellos zu verlassen.

Louis Levisohn gehörte zur zweiten, wenn nicht gar zur dritten Generation einer in Wandsbek ansässigen jüdischen Familie. Er wurde als Sohn des Agenten und Auktionators Rudolf Levisohn und dessen Ehefrau Sophie, geb. Peine, in Wandsbek geboren. Er war das vierte von sechs Kindern, die zwischen 1857 und 1870 ebenfalls dort zur Welt kamen. Levisohn besuchte die dortige Realschule und erlernte danach drei Jahre lang das Handwerk des Sattlers und Tapezier(er)s. Nach Aufenthalten "in der Fremde" und einer Gesellenzeit in Hamburg machte er sich 1892 in Wandsbek als Tapezier selbstständig. Schon bald konnte er daran denken, eine Familie zu gründen. 1895 schloss er die Ehe mit der ebenfalls jüdischen 25-jährigen Helene, geb. Freudenberg. Sie stammte aus Lilienthal bei Bremen und war die Tochter eines Malermeisters. Ihre Mutter war bereits im Folgejahr ihrer Geburt gestorben, ihr Vater, als sie zehn Jahre alt war. Sie hatte als Hausangestellte gearbeitet, bis sie ihren Mann kennen lernte. Die Eheleute bekamen fünf Kinder: Philipp, Bernhard, Sophie Lotte, Martha und Mira, die zwischen 1896 und 1909 geboren wurden. Die Jungen besuchten öffentliche, die Mädchen private höhere Schulen in Wandsbek.

In den ersten Ehejahren lebte die Familie in der Königstraße 72, zentrumsnah wie auch in späteren Jahren: Hamburgerstraße 35, Lübeckerstraße 37 und von 1913 bis 1920 in der Lübeckerstraße 23. Ab 1920 befanden sich Betrieb und Wohnung in der Königstraße 84, in der Nähe des damaligen Rathauses. Die Levisohns bewohnten eine gut ausgestattete Vierzimmer-Wohnung. Der Haushalt war koscher, Geschirr und Silber in doppelter Ausführung zum Trennen nach den Speisevorschriften vorhanden.

Louis Levisohn engagierte sich in der Jüdischen Gemeinde Wandsbek. 1910 fungierte er als stellvertretender Deputierter und als Mitglied des Kabbronim-Vereins zur Durchführung von Beerdigungen auf dem Gemeindefriedhof Jenfelder Straße. Von 1925 bis 1931 übte er das Amt des stellvertretenden Vorstehers aus und war zeitweise wieder für den Beerdigungsverein tätig; bis 1934 gehörte er zu den nunmehr nur noch drei Vorstandsmitgliedern der Gemeinde. Durch die repressive NS-Politik gegenüber Juden hatten viele finanzstarke Gemeindemitglieder Deutschland verlassen, so war auch die Wandsbeker Gemeinde in Bedrängnis geraten und sah sich gezwungen, den Vorstand zu verkleinern.

1928, Louis Levisohn hatte nahezu das Rentenalter erreicht, meldete er Konkurs an. Doch sein Sohn Bernhard führte das Geschäft weiter, und vermochte es, auch seinem Vater wieder eine Beschäftigung zu ermöglichen, vermutlich als Angestellter.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 konnten sich die Levisohns nicht mehr lange in Wandsbek halten. Die Namen von Vater und Sohn Bernhard fanden sich Mitte der 1930er Jahre auf dem Hetzflugblatt der NSDAP wieder. Ihrer wirtschaftlichen Grundlage beraubt, sah sich die Familie Ende 1934 gezwungen, das alteingesessene Geschäft aufzugeben – und Wandsbek zu verlassen. Sie zogen ins Grindelviertel, in die Heinrich-Barth-Straße 24.

Nicht dem Betrieb war es schlecht gegangen, sondern den jüdischen Inhabern. Denn ein Nachfolger war schnell gefunden: der Tapezier und Dekorateur Johs. Czaja übernahm den Wandsbeker Traditionsbetrieb.

Es hat den Anschein, dass Louis Levisohn an seinem Gewerbe festhielt. Nach einem weiteren Umzug 1939 ließ er sich als Tapezier, wohnhaft Brahmsallee 18, im Adressbuch eintragen. Seinen Beruf übte er auch in der Bogenstraße 15 ptr. aus. 1939 verschärfte sich die ohnehin prekäre Situation, als Juden die meisten selbstständigen Tätigkeiten untersagt wurden.

Louis Levisohn musste einen Antrag auf Fürsorgeunterstützung stellen, in dem es hieß: "kein Vermögen, nichts zu erwarten". Dessen ungeachtet erfolgte eine Woche später, am 7. Februar 1939, ein Kontrollbesuch eines Fürsorgemitarbeiters. In der 2 1/2-Zimmerwohnung lebten sechs Personen, darunter außer den Eltern und dem geschiedenen Bernhard Levisohn noch die arbeitslose verheiratete Tochter Lotte sowie eine unverheiratete Schwester von Helene Levisohn, die Rentnerin Sophie Freudenberg. Ein Zimmer war zudem an eine jüdische Untermieterin, die nicht zur Familie gehörte, vermietet. Die Gesamtmiete betrug 85 RM einschl. Zentralheizung. Die Tochter wurde von den Eltern unterstützt. In seinem Protokoll verwies der Kontrolleur auf den Sohn Philipp Levisohn, der als ehemaliger Teilhaber der Strauss-Werke mutmaßlich über Ersparnisse verfüge, so dass er in der Lage sein dürfe, die Eltern zu unterstützen. Weiter führte er aus: "(Louis) Levisohn sowie seine Frau sind in ihren Aussagen sehr vorsichtig und machen sich gegenseitig Zeichen. Die Angaben sind mit großer Vorsicht aufzunehmen. Die Einrichtung ist gut. Bevor mit U(nterhaltszahlungen) eingetreten wird, müssten die Verhältnisse des Sohnes Philipp genauestens geprüft werden. Die Wohnung ist auch zu teuer."

Wenige Wochen später erklärte das Fürsorgeamt, dass Philipp Levisohn verpflichtet sei, seine Eltern zu unterstützen. Doch dieser wollte bzw. konnte erst zahlen, nachdem der Treuhänder, der Levisohns Teilhaberschaft bei den Strauss-Werken verwaltete, den Betrag aus dem Gewinnanteil ausgezahlt hatte. Die zuständige übergeordnete Behörde verweigerte jedoch die erforderliche Bescheinigung.

Ende 1939 erhielt Philipp Levisohn dennoch die Auflage, seine Eltern zu unterstützen. Dem muss der Sohn nachgekommen sein, denn ein Vermerk von 1940 auf der Kultussteuerkarte besagt über die bedrängte Lage Louis Levisohns: "kein Einkommen, kein Vermögen, wird von seinen Kindern unterstützt."

Die folgenden Jahre waren nicht nur von täglichen Repressalien, sondern auch von Trennungen überschattet. Helene und Louis Levisohn nahmen 1939 Abschied, als die Töchter Sophie Lotte und Martha in die USA bzw. nach England auswanderten. Ferner mussten sie sich Ende 1941 von ihren Söhnen Philipp und Bernhard, deren Ehefrauen und den Enkelkindern trennen, die mit ungewissem Schicksal nach Lodz bzw. Minsk deportiert wurden. Sie selbst hatten noch einmal die Wohnung wechseln und in die Bundesstraße 43, ein sogen. Judenhaus, ziehen müssen. Von dort wurden sie am 15. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo einen Tag später ihre Ankunft registriert wurde. Louis Levisohn starb dort am 1. April 1943. Seine auf dem Friedhof Jenfelder Straße reservierte Grabstätte blieb ungenutzt.

Am 18. Dezember 1943 wurde Helene Levisohn nach Auschwitz weiterdeportiert, wo sich ihre Spur verlor. Helene und Louis Levisohn wurden 1957 auf den 8. Mai 1945 für tot erklärt.
Von ihren deportierten Angehörigen hat ebenfalls niemand überlebt (s.u.).

Bernhard Levisohn, der zweitälteste Sohn von Louis und Helene Levisohn, wurde am 5. Mai 1898 in Wandsbek geboren. Sein Zwillingsbruder Rudolf starb bereits ein halbes Jahr später.

Bernhard Levisohn besuchte wie auch sein älterer Bruder Philipp das Matthias-Claudius-Gymnasium. Beruflich trat er in die Fußstapfen seines Vaters und erlernte das Tapezier- und Dekorateurshandwerk. Im Laufe der 1920er Jahre trat er als Kompagnon ins väterliches Geschäft ein, bis er dieses 1928 übernahm, nachdem sein Vater Konkurs angemeldet hatte.

Außer einer etwa zweijährigen Militärzeit 1917–1919 lebte Bernhard Levisohn stets mit seinen Eltern zusammen, offenbar auch nach seiner Eheschließung mit Käthe, geb. Mayer, am 16. November 1934. Sie war die Tochter von Samuel Mayer und Caroline, geb. Lazarus.

Bernhard Levisohn war ebenso wie sein Vater am 5. Januar 1935 in die Deutsch-Isrealitische Gemeinde eingetreten, wo sie dem Kultusverband der konservativen Neuen Dammtor-Synagoge angehörten. 1937 hatte sich Bernhard Levisohns finanzielle Lage so weit verschlechtert, dass er die Gemeindesteuern nicht mehr zahlen konnte. Ende 1938 war er durch die Gesetzeslage gezwungen, seine selbstständige Tätigkeit aufgeben. Ab 1939 verdingte er sich als Tapeziergehilfe bei der Fa. Hartmann in der Revalerstraße 10, wo er 40 RM wöchentlich verdiente.

Zudem scheiterte seine Ehe. Es kam zur Trennung und im Januar 1937 zur Scheidung von Käthe Levisohn. Im selben Jahr wurde der Sohn Heinrich geboren, für den Bernhard Levisohn unterhaltspflichtig war.

Nachdem die ersten etwa 1000 Hamburger Ende Oktober 1941 deportiert worden waren, lebten die übrigen in der bangen Erwartung, auch bald den Deportationsbefehl zu erhalten. Es dürfte sich unter der jüdischen Bevölkerung Hamburgs herumgesprochen haben, dass in den Folgemonaten noch weitere Deportationen folgen sollten. Viele wollten es verhindern, von ihren Angehörigen oder Freunden getrennt zu werden. Da Ehepaare gemeinsam deportiert wurden, kam es im Herbst 1941 noch zu mancher Eheschließung.

Auch Bernhard Levisohn entschloss sich zu diesem Schritt. Er erschien am 4. November 1941 mit Gertrud Grossmann auf dem Standesamt Eimsbüttel. Trauzeugen waren die Väter der Brautleute. Levisohns zweite Frau war 1907 als Tochter des früheren Händlers Max Grossmann und Henriette, geb. Weinberg, geboren worden. 1930 hatte sie die Tochter Henriette bekommen, die inzwischen verstorben war. Gertrud hatte als Hausangestellte gearbeitet, in der Ottersbeckallee 19 I. bei Eichengrün gewohnt und war 1938 sechs Monate lang bei Leopold Katz tätig gewesen, dem Inhaber der Matzenbäckerei. Zum Zeitpunkt der Eheschließung war sie im Kleinen Schäferkamp 32 gemeldet, ebenso wie ihr Vater. Dieser war 1940/41 im Gefängnis Fuhlsbüttel inhaftiert. Das erste kurze gemeinsame Zusammenwohnen der gerade verheirateten Eheleute sollte auch ihr letztes in Hamburg sein: Gertrud Levisohn zog zu ihrem Ehemann in das sogen. Judenhaus Bundesstraße 43. Von dort machten sie sich zum Logenhaus an der Moorweide auf, wo sich auch Gertrud Levisohns Vater einzufinden hatte. Am 8. November 1941, vier Tage nach der Eheschließung, mussten sie den Zug nach Minsk besteigen; sie waren 43 bzw. 34 Jahre alt.

Käthe Levisohn war 1939 im Loogestieg 10 II. bei Mendel gemeldet, ihr kleiner Sohn in der Eppendorfer Landstraße 12, offenbar eine Notlösung in Sachen Kinderbetreuung. 1940 gelang es ihr, Heinrich im Paulinenstift in der Straße Laufgraben unterzubringen, dem Waisenhaus für Mädchen, das der Jüdische Religionsverband unterhielt. Gegen Verpflegungsgeld wurden dort auch Kinder aufgenommen, deren Eltern(teile) diese nicht versorgen konnten. Käthe Levinsohn verfügte über ein Sparguthaben in Höhe von gut 2000 RM, die jedoch ihrer Mutter gehörten. Dennoch wurde sie nun von der Devisenstelle aufgefordert, den Betrag als Unterhalt für ihr Kind heranzuziehen. Auf dem Fragebogen der Devisenstelle erklärte sie am 21. März 1940: "Ich verdiene als Hausangestellte mtl. 60 RM, wovon ich 30 RM Pflegegeld für meinen Sohn Heinrich Israel Levisohn und jegliche Extraausgaben zu zahlen habe. Käthe Sara Levisohn, geb. Mayer.”

Ihre Lage verschlechterte sich 1940 noch durch Krankheit, sie verdiente nur noch 45 RM. Ab August 1941 war sie in Altona, Große Prinzenstraße 28, bei Gräber gemeldet, wo sie bis zur Deportation wohnte.

Die 36-jährige Käthe Levisohn, der vierjährige Heinrich und dessen Großmutter Caroline Mayer wurden am 18. November 1941 ebenfalls nach Minsk deportiert. Möglicherweise trafen sie dort mit den anderen Levisohns wieder zusammen.

Andere Angehörige der Familie Levisohn wurden nach Lodz deportiert, darunter der älteste Sohn von Louis und Helene Levisohn, der am 1. Juni 1896 in Wandsbek geborene Philipp. Er war Absolvent des Matthias-Claudius-Gymnasiums, ab 1915 Soldat im Ersten Weltkrieg und arbeitete sich dann vom Handlungsgehilfen zum Prokuristen hoch. Schließlich wurde er Teilhaber der Strauss-Werke, die Friseurartikel herstellten. Gemeldet war er in Wandsbek Lübeckerstraße 23 und danach bis 1925 in der Lindenstraße 35 in Marienthal. Auch er gehörte der Jüdischen Gemeinde Wandsbek an. 1925 verzog er nach Hamburg-Hamm, in die Straße Moorende 8 (s. Broschüre Stolpersteine in Hamburg-Hamm).

In erster Ehe war Philipp Levisohn mit Martha, geb. Wiener (Jg. 1898), verheiratet, die 1932 starb und auf dem Friedhof Jenfelder Straße bestattet wurde. Die gemeinsame Tochter Manja war am 16. Dezember 1929 geboren worden. Philipp Levisohn ging eine zweite Ehe mit Margrit (Marguerite), geb. Löwenstein (Jg. 1913), ein. Die Eheleute bekamen am 27. Februar 1937 noch den Sohn Manfred. Der letzte Wohnort befand sich in der Greflingerstraße 1. Am 25. Oktober 1941 wurde die Familie nach Lodz deportiert, von wo sie am 12. September 1942 nach Chelmno gebracht und dort ermordet wurde.

Albert Levisohn, am 17. März 1891 in Hamburg als Sohn von William und Bertha Levisohn geboren, war ein Neffe von Louis Levisohn und ein Cousin von Bernhard und Philipp. Ab 1914 Kriegsteilnehmer wurde er verwundet und erhielt das Hanseatenkreuz, eine Auszeichnung, die die Städte Hamburg, Lübeck und Bremen 1915 für Kriegsverdienste verliehen. Nach dem Ersten Weltkrieg machte er sich als Kaufmann selbstständig, arbeitete dann als Buchhalter und als Bücherrevisor bei der Firma Siegfried Halberstadt, Hohe Bleichen 31. Verheiratet war er mit der gebürtigen Hamburgerin Cilly, geb. Magnus, geboren am 31. Dezember 1894. Das Paar hatte zwei Kinder: Rolf William und Ruth Lotte, beide in Hamburg geboren, der Sohn am 11. September 1920, die Tochter 1928. Die Familie gehörte der Jüdischen Gemeinde Wandsbek an und konnte von ihrem Wohnort in der Barmbeker Gluckstraße Geschäfte in Wandsbek und die dortige Synagoge leicht erreichen.

Rolf Levisohn besuchte die Talmud Tora Realschule am Grindelhof und gehörte zum letzten Jahrgang, der Abitur machen konnte (1940). Als Aufsatzthema wählte er: Unglück selber taugt nicht viel, doch hat es drei gute Kinder: Kraft, Erfahrung, Mitgefühl. Er schrieb: "Ich will nicht mehr leben. Warum geschah gerade mir dieses Unglück? ... Unterliege oder versuche den Kampf aufs Neue, heißt die Parole ... Alle Kräfte sammeln sich zu dem alles entscheidenden Kampf." Er war körperbehindert, blieb daher bei seinen Eltern, während die Tochter Ruth im Juni 1939 mit einem Kindertransport nach England geschickt und gerettet wurde.

Rolf Levisohn und seine Eltern wurden von ihrem langjährigen Wohnort Gluckstraße 24, wo sie seit 1924 wohnten, am 25. Oktober 1941 nach Lodz deportiert. Dort starb Albert Levisohn am 18. Februar 1942; Cilly und Rolf Levisohn kamen am 25. April 1942 zu Tode.

Allein 13 Mitglieder der aus Wandsbek stammenden Familie Levisohn sind im Holocaust ermordet worden.

© Astrid Louven

Quellen: 1; 2 R 1940/669; 3; 4; 8; AfW 301066, AfW 080969; StaHH Meldekartei 332-8 K 4487, ebd. Auskunft von Jürgen Sielemann E-Mail vom 13.8.2003; AB 1897 IV, AB 1910, AB 1911 IV; AB 1919 IV, AB 1939 II; Wandsbecker Bote Nr. 261 vom 6.11.1903; Bundesarchiv Berlin, Liste der jüdischen Einwohner des Deutschen Reichs 1933–1945; Jahrbuch, 1929/30 S. 37, 1931/32 S. 75f, 1932/33 S. 75, 1933/34 S. 47f; Astrid Louven, Juden, S. 34, 43, 131, 134f, 201, 206, 219, 220, 229, 234; Hans-Werner Faerber, Wandsbeker Husaren, S. 30–36; Heinz Rosenberg, Jahre, S. 19–26; Hildegard Thevs, Stolpersteine, S. 107f.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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