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Bereits verlegte Stolpersteine



Isaac Süßkind * 1860

Klaus-Groth-Straße 18 (Oben Borgfelde 11) (Hamburg-Mitte, Borgfelde)


HIER WOHNTE
ISAAC SÜSSKIND
JG. 1860
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 9.8.1942

Weitere Stolpersteine in Klaus-Groth-Straße 18 (Oben Borgfelde 11):
Hulda Süßkind

Isaac Süßkind, geb. 2.11.1860 in Pinne/Polen, deportiert am 15.7.1942 nach Theresienstadt, Tod dort am 9.8.1942
Hulda Süßkind, geb. Schlachcis, geb. 31.8.1865 in Pinne/Polen, deportiert am 15.7.1942 nach Theresienstadt, Tod dort am 26.8.1942

Klaus-Groth-Straße 22 (Oben Borgfelde 11)

Isaac Süßkind kam mit seiner Ehefrau Hulda Ende des 19. Jahrhunderts nach Hamburg und erwarb am 12. November 1897 das Bürgerrecht. Die Eheleute stammten beide aus Pinne in der preußischen Provinz Posen, wo Isaac Süßkind am 2. November 1860 und Hulda, geb. Schlachcis, auch Schlachcic geschrieben, am 31. August 1865 zur Welt kamen. Das für die Ein­bürgerung notwendige Kapital erwarb Isaac Süßkind als Textilkaufmann. Er besaß ein gutgehendes Geschäft für Herrengarderobe am Steindamm 28 in St. Georg. Die Privatwohnung lag zwei Häuser weiter in Nr. 24. Dort wurden die drei Kinder geboren, Elfriede am 26. De­zem­ber 1888, Gertrud am 15. April 1890 und Walther am 21. November 1894. Familie Süß­kind ge­hörte der Deutsch-Israelitischen Gemeinde und dem orthodoxen Synagogenverband an. Isaac Süßkind stand mehrere Jahre der Synagoge Aguddas Esauw am Steindamm 77 vor.

Mit 20 Jahren heiratete Elfriede am 22. Oktober 1909 den kaufmännischen Vertreter John Gumprecht, geboren am 9. Juli 1880, Sohn des Kaufmanns Meyer Gumprecht und seiner Ehe­frau Hanna, geb. del Monte, die bereits verstorben war. John Gumprecht nahm als Land­sturmmann am Ersten Weltkrieg teil. Er starb am 9. Juli 1915 im Feldlazarett Noveant an den Folgen einer Verwundung. Gertrud heiratete am 17. November 1922 den im Metallhandel tätigen Kaufmann Georg Lenschitzky aus Sandersleben. Im folgenden Jahr kam ihr einziger Sohn, Wolf, zur Welt. Walther Süßkind führte am Steindamm ein Geschäft für Lampen­schirme. Er heiratete am 30. April 1924 die Nichtjüdin Martha Dehde. Aus ihrer Ehe ging eine Tochter hervor.

Isaac Süßkind betrieb sein Geschäft auf Abzahlungsbasis. Er meisterte die wirtschaftlichen Schwierigkeiten trotz aller Einbußen in den Krisenzeiten des Ersten Weltkriegs, der Inflation und der Weltwirtschaft nach 1929. Zunächst wohnte die Familie auch am Steindamm, zog dann aber nach Oben Borgfelde 11, in eine Wohnung auf dem Geest­rand mit Blick über Ham­merbrook und das Elbtal. Mit dem Geschäftsjahr 1934/35 vollendete Isaac Süßkind sein 74. Lebensjahr und gab seinen Be­trieb auf. Seine Steuer­zah­lun­­gen lassen keinen Rückgang der Um­sätze etwa durch den Boy­kott jü­discher Geschäfte erkennen.
Ein Bruder Isaacs, David Süßkind, lebte in Berlin und erwarb dort ein Vermögen, aus dem er den beiden Nichten Elfriede und Gertrud jeweils 10000 RM schenkte. Elfriede Gumprecht machte sich in Harburg mit einem Lampengeschäft selbstständig, das sehr erfolgreich lief. Aus einer Beziehung mit Henry Epstein ging ihre Tochter Hanni hervor.

Während ihre Geschwister 1938 mit ihren Familien in die USA emigrierten, sind keine entsprechenden Pläne von ihr und ihren Eltern bekannt.

Isaac und Hulda Süßkind lebten offenbar von Ersparnissen, später auch vom Verkauf von Haus­rat und Schmuck.

Ihr Vermögen lag bei Einführung der "Si­cherungsanordnungen" 1939 unter der Grenze von 5000 RM. Bei der Volks­zählung im Mai 1939 war El­frie­de Gumprecht mit ihrer Tochter Hanni in der Borgfelder Straße 24 gemeldet, einem Wohnhaus unterhalb des Geesthangs in der Nähe ihrer Eltern. Ob sie je dort wohnte, ist unsicher, denn sie scheint von Harburg direkt in die Parkallee 6 gezogen zu sein.

Ab November 1939 unterstützte sie ihre Eltern mit monatlich 45 RM, ab Juli 1941 erhöhte sich dieser Betrag auf 50 RM. Er floss Isaac Süßkind über die Wohlfahrtsstelle der "Reichs­vereinigung der Juden in Deutschland" zu. Die Zahlungen endeten mit der Deportation Elfriede Gumprechts und ihrer Tochter am 6. Dezember 1941 nach Riga im besetzten Lettland.

Hulda und Isaac Süßkind gaben ihre Wohnung in Borgfelde 1941 auf und zogen in die Hoch­allee 66. Von dort mussten sie in das "Judenhaus" in der Bogenstraße 25 ziehen. Sie wurden dem ersten großen Transport älterer Personen in das Getto von Theresienstadt zugeteilt, der Hamburg am 15. Juli 1942 verließ. Für einen "Heimeinkaufsvertrag" hatten sie keine Mittel mehr. Isaac Süßkind starb bereits drei Wochen später, Hulda nach fünf Wochen an den un­menschlichen Zuständen im Getto; sie wurden 81 bzw. 77 Jahre alt.

Elfriede und Hanni Gumprecht überlebten das Getto- und Lagerleben in Riga und wurden beim Vorrücken der Roten Armee 1944 in das KZ Stutthof verlegt. Dort starb Elfriede Gumprecht am 2. Januar 1945. Han­ni Gum­prechts Spu­ren ließen sich nicht weiter verfolgen.

© Hildegard Thevs

Quellen: 1; 4; 5; 7; StaH, 332-5 Standesämter, (StA 22a) 6633+ 122/1924; 332-7 Staatsangehörigkeitsaufsicht, Bürgerregister 1896-1898, 32837; 351-11 AfW, 021160, 0865; 522-1 Jüdische Gemeinden, 992 e 2, Bd. 4; Abl. 1993, 42, Bd. 2; 872 I–VI.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Recherche und Quellen.

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