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Bereits verlegte Stolpersteine



Hans Wagener * 1929

Eilbeker Weg 87 (Wandsbek, Eilbek)


HIER WOHNTE
HANS WAGENER
JG. 1929
DEPORTIERT 1941
ERMORDET IN
LODZ

Weitere Stolpersteine in Eilbeker Weg 87:
Ilse Wagener, Max Moses Wagener, Erich Wagener

Max Moses Wagener, geb. 1.4.1885 in Hamburg, inhaftiert 1938 im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel, deportiert am 25.10.1941 nach Lodz, dort verstorben am 13.7.1942
Ilse Wagener, geb. Elkeles, geb. am 30.7.1898 in Hamburg, deportiert am 25.10.1941 nach Lodz, dort verstorben am 12.7.1943
Erich Wagener, geb. 2.10.1927 in Hamburg, deportiert am 25.10.1941 nach Lodz, dort verstorben am 4.7.1943
Hans Wagener, geb. 10.11.1929 in Hamburg, deportiert am 25.10.1941 nach Lodz

Eilbeker Weg 87

Max Moses Wagener, Sohn des Buchbinders Joseph Wagener und seiner Ehefrau Hannchen, geborene Graff, entstammte einer jüdischen Familie. Er wurde am 1. April 1885 in Hamburg geboren. Nach der Schulausbildung ergriff er den Beruf des Damenschneiders. Als Mitglied der Jüdischen Gemeinde in Hamburg zahlte Max Moses Wagener 1920 erstmalig Kultussteuer. Bereits 29 Jahre alt, nahm er als Soldat des Reserve-Infanterie-Regiments 224, welches größtenteils aus Freiwilligen bestand, an dessen Beginn am Ersten Weltkrieg teil. 1915 wurde ihm "für Verdienste im gegenwärtigen Kriege" das Hamburgische Hanseatenkreuz verliehen. Im Mai 1920 erhielt Max Moses Wagener nachträglich das Eiserne Kreuz Zweiter Klasse.

Auch die am 30. Juli 1898 in Hamburg geborene Ilse Elkeles entstammte einer jüdischen Familie. Ihre Eltern Leopold und Emma Elkeles wohnten in der Straße Rutschbahn 21, als Ilse geboren wurde. Der Vater war Garderobenhändler, später Reisender.

Max Moses Wagener und Ilse Elkeles heirateten am 10. Dezember 1926 in Hamburg. Das Ehepaar hatte zwei Söhne, Erich, geboren am 2. Oktober 1927, und Hans, geboren am 10. November 1929.

Bis zur Eheschließung wohnte Max Moses Wagener in der damaligen Ottostraße 14 (heute: Schellingstraße) im Stadtteil Eilbek. Das junge Ehepaar ließ sich in der Quickbornstraße 45 in Hamburg-Hoheluft nieder. Max Moses Wagener firmierte zu dieser Zeit laut Hamburger Telefonbuch als Damenschneider sowie als Inhaber eines Geschäftes für Mode- und Kurzwaren. 1929, vermutlich nach der Geburt des zweiten Sohnes, bekam die Familie eine
Wohnung im Mildestieg 2a in Hamburg-Barmbek. Hier wohnte sie bis 1934. Nach einem kurzen Zwischenaufenthalt im Eilbeker Weg 87 verzeichnet das Hamburger Adressbuch Max Moses Wagener von 1935 bis 1937 in der Bornstraße 20, danach in der Rappstraße 20, schließlich ab 1940 in der Klosterallee. Wir wissen nicht, ob er sein Gewerbe bis dahin noch ausübte.

Wie viele jüdische Männer wurde auch Max Moses Wagener im Zuge des November-Pogroms verhaftet und vom 11. bis 12. November 1938 im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel inhaftiert. Anschließend kam er in das KZ Sachsenhausen. Am 17. Dezember 1938 wurde er entlassen.

In der Klosterallee erhielt die Familie im Oktober 1941 den Deportationsbefehl. Max Moses und Ilse Wagener mussten sich mit ihren beiden Söhnen Erich (14 Jahre alt) und Hans (11 Jahre alt) im Logenhaus an der Moorweidenstraße einfinden. Von dort wurden sie am 25. Oktober 1941 nach Lodz (Litzmannstadt) in Polen deportiert.

Im Getto von Lodz wurde die Familie in der Wohnung Nr. 7 in der Bleigasse Nr. 9 untergebracht, anschließend in die Wohnungen Nr. 6 und Nr. 7 in der Runge Straße 10 eingewiesen. Über die Verhältnisse in diesen Unterkünften ist Näheres nicht bekannt. Weitere Gettoadressen waren die Wohnungen Nr. 18 in der Blechgasse 14 sowie die Gnesener Straße Nr. 26.

Im Mai 1942 sollte die Hälfte der 21.000 deutschsprachigen Juden des Gettos auf Befehl der Gestapo-Gettoverwaltung aus Lodz "ausgesiedelt" werden. Der Gebrauch des Wortes "Aussiedlung" sollte – ergänzt durch in Umlauf gesetzte Gerüchte – vorspiegeln, dass das Ziel der Deportationen ein Ort sei, an dem Zwangsarbeit geleistet werden müsse. Tatsächlich stand den Deportierten die sofortige Ermordung in dem etwa 70 km entfernten Chelmno (damals Kulmhof genannt) in umgebauten Gas-LKWs bevor. Anträge mit dem Ziel auf Ausnahme von der "Aussiedlung" durften gestellt werden. Antragsteller hatten dann Aussicht auf Erfolg, wenn sie Träger des Eisernen Kreuzes oder des Verwundeten-Abzeichens waren bzw. eine offizielle Arbeitsstelle nachweisen konnten. Offenbar war auch die Familie Wagener von einem Transport nach Chelmno bedroht. Erhalten ist ein von Max Moses Wagener unterschriebener Antrag, im Getto Lodz bleiben zu dürfen. In dem Antrag weist er darauf hin, dass er von Dezember 1941 bis 18. März 1942 "im Hausschuh-Ressort beschäftigt" gewesen sei. Dem Antrag beigefügt ist ein Nachweis, der ihn als Träger des Eisernen Kreuzes, II. Klasse, und des Hamburgischen Hanseatenkreuzes ausweist.

Der Antrag hatte Erfolg. Max Moses Wagener lebte noch bis Juli 1942 im Getto Lodz. Am 13. Juli 1942 starb er dort im Alter von 57 Jahren an Unterernährung. Der ältere Sohn Erich starb am 7. April 1943 an Lungentuberkulose. Er wurde 15 Jahre alt. Ilse Wagener überlebte ihren Sohn nur um zweieinhalb Monate. Sie starb am 12. Juli 1943 angeblich an Darmentzündung.

Auch Hans Wagener kam um, aber wir wissen nicht wann, wie und wo.

Stand Februar 2014
© Ingo Wille

Quellen: 1; 4; 5; 9; AB; StaH 332-5 Standesämter 9145-1584/1898, 2101-1555/1885, 8807-417/26; StaH 213-8 Staatsanwaltschaft Oberlandesgericht – Verwaltung Abl. 2, 451 a E 1, 1 c (Haftzeit in Fuhlsbüttel); 522-1 Jüdische Gemeinden 992 e2 Deportationslisten; Archiwum Panstwowe, Lodz; USHMM, RG 15.083 302/998-1002; Loose und andere, Kulmhof – Das unbekannte Vernichtungslager am Ner.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link Recherche und Quellen.

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