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Kurt Wald * 1882

Von-Essen-Straße 5 (Wandsbek, Eilbek)


HIER WOHNTE
KURT WALD
JG. 1882
VERHAFTET 1938
1938 -1939 KZ FUHLSBÜTTEL
DEPORTIERT 1941
LODZ
ERMORDET 1942 IN
CHELMNO

Kurt Wald, geb. am 12.1.1882 in Bamberg, mehrfach inhaftiert, am 25.10.1941 nach Lodz deportiert, am 15.5.1942 im Vernichtungslager Chelmno ermordet

Von-Essen-Straße 5 (früher: Von-Essen-Straße 6)

Kurt Wald kam zu einem nicht bekannten Zeitpunkt aus seiner Geburtsstadt Bamberg nach Hamburg. Er war das achte von neun Kindern des Hopfenhändlers Adolf Wald aus Redwitz und seiner Ehefrau Karoline, geborene Öttinger, aus Thalmassing. Kurt Walds Eltern gehörten dem jüdischen Glauben an. Außer Kurt verließen drei Geschwister Bamberg: Max, geboren 1872, ging nach New York, Richard, geboren 1875, zog nach Bochum, und die jüngste Schwester, Sidonie, heiratete nach Nürnberg. Im Alter von 34 Jahren starb der Bruder Karl im Jahr 1911, die Todesdaten der Geschwister Sigmund, geboren 1873, und Ella, geboren 1880, sind nicht bekannt. Bald nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1920 – er starb im Alter von 77 Jahren –, ließ sich Kurt Wald als Kaufmann in Hamburg nieder. Er war damals 40 Jahre alt und ledig, wie auch seine älteren Schwestern Rosa, geboren am 28. Mai 1869, und Lilli, geboren am 13. Juni 1870.

1924 oder 1925 trat Kurt Wald mit einem Kapitalanteil von 23% als Direktor neben Max Eckmann in die Fischer & Eckmann AG ein. Die Firma ging auf die 1898 gegründete "Deutsche Schiffsbettenwerk und Eisenmöbelfabrik" zurück, die 1902 in eine GmbH und 1922 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden war. Es handelte sich um einen Spezialbetrieb für die Herstellung von eisernen Bettstellen und Patentmatratzen in Wandsbek in der Bleicherstraße; das Stadtbüro befand sich Berliner Tor 8. Im August 1925 erhielt Kurt Wald einen Reisepass für das Inland mit einer Gültig­keitsdauer von zwei Jahren, der bis zum August 1930 verlängert wurde. 1931 endete seine Tätigkeit bei der Fischer & Eckmann AG. Er blieb danach erwerbslos.

Bis einschließlich 1931/32 leistete Kurt Wald erhebliche Beiträge an die Deutsch- Israelitische Ge­meinde. Er wohnte zunächst als Untermieter in der Von-Essen-Straße 6 im Eilbeker "Auenviertel", dem feineren Quartier des Stadtteils.

Infolge seiner Erwerbslosigkeit gab Kurt Wald seine Wohnung auf, zog in die Pet­kumstraße 7 in Winterhude, dann in den Uhlenhorster Weg 33 und weiter in die Curschmannstraße 31. Er lebte nun von der Unterstützung durch seine Geschwister. Die Mutter Karoline Wald starb 90-jährig im September 1937.

Während des Novemberpogroms 1938 wurde Kurt Wald zunächst im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel, sodann im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Er wurde am 21. Dezember des Jahres mit der Auflage entlassen, bis zum 23. Juni 1939 zu emigrieren. Beim Passamt, das am 25. Mai 1939 dem Finanzamt Mitteilung von Kurt Walds Auswanderungsabsichten machte, gab er Amerika als Ziel an.

Zuvor wurde er vom 13. bis 22. Mai 1939 erneut im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert, dieses Mal auf Betreiben des 24. Kriminalkommissariats, das für die Ermittlung von "Delikten" Homosexueller zuständig war. Es ist nicht bekannt, dass gegen ihn ein Verfahren der Staatsanwaltschaft nach § 175 RStGB geführt wurde, möglicherweise konnte ihm eine entsprechende Tat nicht nachgewiesen werden.

Im Juni begab er sich nach Bamberg, wo die älteste Schwester, Rosa, geboren 1869, und die ein Jahr jüngere Lilli noch lebten. Den Emigrationstermin konnte er nicht einhalten, weil ihm die erforderlichen Antragspapiere noch nicht zugestellt worden waren. Er erhielt sie schließlich Ende Juli 1939 nach erneuter Vorsprache bei der Devisenstelle. In seiner Vermögenserklärung – sein Vermögen bestand in 200 RM, die er bar in seinem Zimmer verwahrte – gab er an, er wolle die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland um finanzielle Unterstützung für die Auswanderung bitten. Am 23. November 1939 erteilte ihm das Finanzamt die Unbedenklichkeitsbescheinigung, auf Grund derer er einen Reisepass beantragen konnte, der wiederum die Voraussetzung für die Beantragung eines Visums für Chile, sein jetziges Auswanderungsziel, war. Am 20. Januar 1940 legte er dem Oberfinanzpräsidenten Unterlagen vor, u. a. den Antrag auf Mitnahme von Umzugsgut, den er einen Tag nach Erhalt der Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamtes ausgefüllt hatte. Darin erklärte er, keine Forderungen gegen Ausländer zu besitzen, wies jedoch darauf hin, dass die Fischer & Eckmann AG zu seiner Zeit als Vorstandsmitglied Ausfuhrgeschäfte betrieben habe. Die Firma sei 1936 erloschen. Weitere Hinweise, dass er seine Auswanderung betrieb und woran diese scheiterte, finden sich nicht in den Akten.

Im November 1940 zog Kurt Wald zu Bertha und Iwan Seligmann in die Dillstraße 21 und von dort noch einmal weiter in die Hansastraße 73 zu Frens­dorff. Die Gestapo setzte ihn mit der Nummer 193 auf die 200 Personen umfassende Ersatzliste für den ersten Transport von Hamburger Juden "zum Aufbau im Osten", der für den 25. Oktober 1941 mit dem Ziel Lodz angesetzt worden war. Kurt Wald wurde zusammen mit 1033 weiteren Personen ins dortige Getto deportiert. Nach sechs Tagen in einer Sammelunterkunft wies ihm der Juden­rat ein Zimmer mit Küche für 12 Personen in der Wohnung 78 in der Hohensteinstraße 43 zu. 60 Jahre alt, gelang es ihm offenbar nicht, einen Arbeitsplatz zu finden und auszufüllen, der ihm eine ausreichende Ernährung und medizinische Versorgung gesichert hätte. Er wurde am 15. Mai 1942 von seiner Adresse abgemeldet und "ausgesiedelt", was seine Ermordung durch Lkw-Abgase in Chelmno bedeutete.

Ob Kurt Walds Geschwister von seiner Deportation erfuhren, ist nicht bekannt. Sein Bruder Richard war mit Isabella Else, geborene Willstaedt, geboren am 15. Juni 1883 in Lüdenscheid, verheiratet. Weil Richard Wald krank war, wurde seine Ehefrau am 28. April 1942 ohne ihn von Dortmund aus in das Getto von Zamosc, östlich von Lublin gelegen, deportiert. Er wurde 29. Juli 1942 ebenfalls über Dortmund abtransportiert und in das "Altergetto" Theresienstadt verbracht. Er starb dort, bevor die beiden Schwestern Rosa und Lilli im September 1942 eintrafen. Sie wurden bereits am 29. des Monats nach Treblinka weiter deportiert, wo sie unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet wurden.

Stand Februar 2014
© Hildegard Thevs

Quellen: 1; 5; 9; AB; StaH 213-8 Staatsanwaltschaft Oberlandesgericht – Verwaltung, Abl. 2, 451 a E 1, 1 c, Abl. 2, 451 a E 1, 1 d; 314-15 OFP Oberfinanzpräsident FVg 7870; 332-8 Meldewesen A 24 Band 328, Nr. 17009; 552-1 Jüdische Gemeinden 992 e Band 1 Deportationslisten; Stadtarchiv Bamberg, Melde- und Personenstandsregisterauszüge, 19.4.2012; Stadtarchiv Bochum, E-Mail vom 30.4.2012; www.bochum.de/stolpersteine; Archivum Panstwowe w Lodzi; Schneider, Hubert, Die Entjudung des Wohnraums – Judenhäuser in Bochum – Die Geschichte der Gebäude und ihrer Bewohner; Dank an Ulf Bollmann für Unterstützung bei der Recherche.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link Recherche und Quellen.

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