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Bereits verlegte Stolpersteine



Herta Schlaugat * 1906

Bennigsenstraße 34 (Harburg, Harburg)


HIER WOHNTE
HERTA SCHLAUGAT
JG. 1906
EINGEWIESEN
ROTENBURGER ANSTALTEN
"VERLEGT" 1941
HEILANSTALT WEILMÜNSTER
ERMORDET 9.1.1943

Herta Schlaugat, geb. 27.6.1906 in Harburg, von den Rotenburger Anstalten verlegt in die "Landesheilanstalt Weilmünster", dort ermordet am 9.1.1943

Stadtteil Harburg-Altstadt, Bennigsenstraße 34a

Herta Schlaugat litt an Epilepsie und versprach sich von einer medizinischen Behandlung in den Rotenburger Anstalten Heilung. In dieser Einrichtung der Inneren Mission wurden damals viele Patientinnen und Patienten betreut, die in unregelmäßigen Abständen von epileptischen Anfällen geplagt wurden. Die Anfänge der Rotenburger Werke der Inneren Mission gehen auf das Jahr 1880 zurück, als Superintendent Adolf Kottmeier in der benachbarten Kreisstadt an der Wümme ein kleines Asyl für Epileptiker eröffnete und auch anderen Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen eine neue Heimat bot. In dieser christlichen Einrichtung sollten die kranken Bewohnerinnen und Bewohner medizinisch und pädagogisch angemessen betreut und gepflegt werden und dabei erfahren, dass allen Menschen von Gott gleiche Würde und gleiches Lebensrecht geschenkt wurden. Die neue Einrichtung fand schnell Zuspruch. 1930 gehörten die Rotenburger Anstalten mit ihren knapp 1000 Patientinnen und Patienten zu den größten Einrichtungen ihrer Art in Deutschland.

Auch in diesem Haus gab es nach 1933 einschneidende Veränderungen. Auf Grund des "Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" vom 14. Juli 1933 wurden in den folgenden Jahren bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs mindestens 335 Bewohnerinnen und Bewohner der Rotenburger Anstalten sterilisiert.

Als die Vorbereitungen für die massenhafte Ermordung unheilbar kranker Menschen im Herbst 1939 anliefen und sechs deutsche "Heil- und Pflegeeinrichtungen" zu Tötungsanstalten umgebaut wurden, entstanden in der Umgebung dieser Vernichtungsstätten auch mehrere Sammelstellen, an denen die Opfer bis zu ihrer endgültigen Ermordung vorübergehend verwahrt wurden. Eine dieser Zwischenstationen war das Landeskrankenhaus Weilmünster im Umkreis der Tötungsanstalt Hadamar in Hessen. Zu den 70 Rotenburger Patientinnen, die am 5. August 1941 dorthin abtransportiert wurden, zählte auch Herta Schlaugat.

Als die Tötungen durch Gas am 24. August 1941 offiziell gestoppt wurden, bedeutete diese Entscheidung nicht das Ende des "Euthanasie"-Mordprogramms. Das Sterben ging in den deutschen "Heil- und Pflegeanstalten" – darunter auch in Weilmünster – in den folgenden Jah­ren weiter. Die häufigsten Todesursachen waren in dieser zweiten "Euthanasiephase" Essensentzug, Nichtbehandlung von Krankheiten, Verschlechterung der Pflegebedingungen und Überdosierung von Medikamenten. Keine der nach Weilmünster verlegten Rotenburger Patientinnen war im Mai 1945 noch am Leben.

Herta Schlaugat starb am 9. Januar 1943. Sie wurde auf dem Friedhof der "Landesheilanstalt Weilmünster" bestattet.

Seit 1991 erinnert ein Gedenkstein auf diesem Friedhof an die Krankenmorde, die vorher weitgehend in Vergessenheit geraten waren, und seit 2003 dokumentiert die angrenzende Gedenkstätte alle Namen der hier beerdigten NS-Opfer.

© Klaus Möller

Quellen: Gedenkbuch für die in der NS-Zeit getöteten Patientinnen und Patienten der Rotenburger Anstalten; Archiv der Rotenburger Werke der Inneren Mission, Akten Nr. 135, 196; Rotenburger Werke (Hrsg.), Zuflucht.

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