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Bereits verlegte Stolpersteine



Hedwig Strompf (geborene Daltrop) * 1890

Lüneburger Straße 28 (Harburg, Harburg)

1943 Theresienstadt
1944 weiterdeportiert nach Auschwitz

Weitere Stolpersteine in Lüneburger Straße 28:
Ferdinand Strompf

Ferdinand Strompf, geb. am 30.9.1878 in Wachtl, deportiert am 9.6.1943 nach Theresienstadt, dort am 2.6.1944 verstorben
Hedwig Strompf, geb. Daltrop, geb. am 30.12.1890 in Harburg, deportiert am 9.6.1943 nach Theresienstadt, weiterdeportiert am 9.10.1944 nach Auschwitz

Stadtteil Harburg-Altstadt, Lüneburger Straße 28

Hedwig Strompf war die dritte und jüngste Tochter ihrer jüdischen Eltern Philipp und Helene Daltrop, geb. Cotinho, die mit ihren Kindern aus der westfälischen Stadt Oelde an die Elbe gezogen waren. Ihre Schwestern Paula und Grete waren vier bzw. zwei Jahre älter als sie. Das Elternhaus ihres ebenfalls jüdischen Ehemannes stand in Wachtl (heute: Skˇripov) in Mähren, das bis 1918 von den Habsburgern regiert wurde und danach zu den Gebieten gehörte, die die neue tschechoslowakische Republik bildeten. In diesem Ort hatte Ferdinand Strompf mit seiner Schwester Sofia und seinen beiden Brüdern Alois und Moritz seine Kindheit und Jugend verbracht, bevor er die Heimat verließ, um das Glück in der Fremde zu suchen. Wann er in Harburg sesshaft wurde, konnte nicht genau ermittelt werden. Hier handelte er mit Lederwaren, während seine Frau von Beruf Hausangestellte war.

Spätestens 1936 zogen Ferdinand und Hedwig Strompf an das andere Ufer der Elbe, wo sie anfangs offenbar – freiwillig oder unfreiwillig – getrennt voneinander wohnten. Am 1. Au­gust 1936 wurde Hedwig Strompf Mitglied der dortigen Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg. Als Adresse wurde Isekai 18 in Hamburg-Eppendorf bei Hugo Heimann (siehe Stolpersteine in Hamburg-Eppendorf, S. 195) vermerkt.

Anfang 1943 lebten statt der 20749 Jüdinnen und Juden, die 1926 als Mitglieder der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg registriert worden waren, nur noch 1805 Menschen in der Stadt, die aus der Sicht der Verfolger Juden waren. Das waren weniger als 10% der Gemeindemitglieder aus den Jahren der Weimarer Republik. 718 dieser Hamburgerinnen und Hamburger waren – wie es in der Jüdischen Gemeinde hieß –"Sternträger", d. h. Jüdinnen und Juden, die nicht in einer "privilegierten" Mischehe" lebten. Zu ihnen gehörten auch Ferdinand Strompf und seine Frau Hedwig.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt wohnten sie in der Beneckestraße 4, in einem der von den NS-Behörden noch nicht konfiszierten "Judenhäusern" der Stadt. In diesen Häusern, die formal noch dem Jüdischen Religionsverband Hamburg oder der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland gehörten, lebten die Menschen unter äußerst beschränkten Bedingungen in einer Art Zwangsgetto. Zwei Personen mussten sich in der Regel mit einem Zimmer begnügen. Rein rechnerisch war für eine Person sechs qm Wohnfläche vorgesehen. Darüber hinaus waren 230 langfristig erkrankte oder pflegebedürftige Menschen ab Herbst 1942 in vier Heimen des Jüdischen Religionsverbandes untergebracht.

Mit der Jahreswende 1942/43 begann auch in Hamburg wie in anderen Teilen des Reiches eine nächste Phase der so genannten Endlösung. Der weitere Verbleib der Nicht-Deportierten im Reich sollte nur noch von kurzer Dauer sein. Ein Erlass des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) vom 21. Mai 1943 besagte, dass spätestens bis 30. Juni 1943 die Juden aus dem Reichsgebiet nach Theresienstadt abzutransportieren seien. Bereits in den fünf Monaten davor hatten abermals 226 Hamburger Juden die Hansestadt in Deportationszügen mit diesem Ziel verlassen, und noch vor dem 1. Juli folgten zwei weitere Transporte.

Hedwig und Ferdinand Strompf hatten sich am 6. Juni 1943 mit 78 anderen Personen für den befohlenen Abtransport nach Theresienstadt bereitzuhalten. Im Unterschied zu den vorangegangenen Deportationen der Jahre 1941 und 1942, die jeweils bis zu 1000 Personen umfasst hatten, zeichneten sich die von 1943 bis 1945 angesetzten – so auch der Transport von Ferdinand und Hedwig Strompf – durch wesentlich kleinere Personenzahlen aus. Dafür war jeweils nur ein "Verstärkungswagen" erforderlich, der an einen fahrplanmäßigen Zug angehängt wurde.

Der Zug, in dem sich Hedwig und Ferdinand Strompf am 9. Juni 1943 befanden, benötigte für die Fahrt von Hamburg nach Theresienstadt fast zwei Tage. Dafür war der Zusatzwagen der erste, der direkt aus Hamburg in das Getto rollte, nachdem zehn Tage zuvor der Gleisanschluss von Bauschowitz nach Theresienstadt fertiggestellt worden war. Bis dahin hatten alle Deportierten die letzten drei Kilometer ins Lager mit ihrem Gepäck zu Fuß zurücklegen müssen.

Bereits in den ersten Wochen nach ihrer Ankunft meldete sich Hedwig Strompf bei ihren Hamburger Verwandten mit einer Postkarte, der die Empfänger entnehmen konnten, dass die Eheleute das angegebene Ziel erreicht hatten und die Fahrt erträglich gewesen war.

Hedwig Strompf konnte ihren Hamburger Verwandten angesichts der Postzensur die unmenschlichen Lebensbedingungen nicht genauer beschreiben, die in diesem Getto herrschten. Unter ihnen hatten vor allem die alten Menschen zu leiden. In keiner anderen Personengruppe war die Sterblichkeitsrate so hoch wie in dieser. Auch Ferdinand Strompf war mit seinen Kräften nach einem Jahr am Ende. Er starb am 2. Juni 1944 im Alter von 66 Jahren.

Im Herbst 1944 wurden mehr als 20000 Menschen von Theresienstadt nach Auschwitz in den Tod geschickt. Unter ihnen war auch Hedwig Strompf, die am 9. Oktober 1944 die Fahrt in das Vernichtungslager antreten musste. Ihr Transport, 1550 Personen, traf noch am gleichen Tage im KL Auschwitz II ein. Kurz zuvor hatten mehrere Häftlinge des Sonderkommandos 59 B das Krematorium IV in Brand gesetzt und einen Fluchtversuch unternommen. Da die anderen Krematorien jedoch unbeschädigt geblieben waren, lief das Mordprogramm der Lagerführung weitgehend ungestört weiter. Nach der Ankunft des Transports aus Theresienstadt fand noch auf der Rampe die Selektion statt, bei der 191 arbeitsfähige Frauen und mehrere Dutzend Männer in das Lager übernommen und die anderen in die Gaskammern geschickt wurden. Ihre Leichen wurden anschließend im Krematorium II verbrannt.

Nur 76 Menschen des Theresienstädter Transports vom 9. Oktober 1944 waren am Ende des Zweiten Weltkriegs noch am Leben. Hedwig Strompf war nicht unter ihnen.

Zu den Opfern der Shoa zählen auch ihre Schwester Grete Marcus, geb. Daltrop, mit ihrem Ehemann Hugo ebenso wie ihre beiden Schwager Alois und Moritz Strompf mit ihren Ehefrauen und Kindern und ihre Schwägerin Sofia Weiss, geb. Strompf, mit ihrem Ehemann Jacob.

© Klaus Möller

Quellen: 1; 4; 5; 7; 8; StaH, 351-11, AfW, Abl. 2008/1, 291286, Jacob, Paula, 141208 Worthmann, Ingeborg, 150412 Marcus, Fritz; Heyl (Hrsg.), Harburger Opfer; Heyl, Synagoge, S. 225; Czech, Kalendarium, 2. Auflage, S. 897ff.; Gottwaldt/Schulle, "Judendeportationen", S. 337ff.; Mosel, Wegweiser, Heft 3, S. 133ff.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Recherche und Quellen.

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