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Bereits verlegte Stolpersteine



Dr. Hermann Samuel
© StaHH

Dr. Hermann Samuel * 1881

Husumer Straße 10 (Hamburg-Nord, Hoheluft-Ost)

1941 Lodz
ermordet am 29.7.1942

Weitere Stolpersteine in Husumer Straße 10:
Jenny Braunschweiger, Louis Braunschweiger, Dr. Heinz Braunschweiger, Hans-Jürgen von Halle

Dr. Hermann Samuel, geb. 27.1.1881 in Hamburg, am 25.10.1941 nach Lodz deportiert, dort am 29.7.1942 gestorben

Husumer Straße 10

Hermann Samuel wurde als zweites Kind des Kaufmanns Moses Samuel und dessen Frau Fanny am 27. Januar 1881 geboren. Nach dem Abitur nahm er ein Jurastudium auf, das er nach dem Referendariat in Hamburg mit der ersten juristischen Prüfung 1904 in Kiel abschloss. Ende des Jahres promovierte er in Rostock zum Dr. jur. Nach Ablegung der zweiten Prüfung am 21. Dezember 1908 erhielt er am 22. Februar 1909 seine Zulassung als Rechtsanwalt. Hermann Samuel nahm als Frontkämpfer von 1914 bis 1918 am Ersten Weltkrieg teil. Er erhielt das Eiserne Kreuz, II. Klasse und war für das Hanseatenkreuz vorgeschlagen. Als Rechtsanwalt arbeitete er in einer Sozietät mit Robert Prudlo, Neuer Wall 6, zusammen, war von 1933/34 bis November 1938 Mitglied des Vor­stands der Deutsch-Israelitischen Gemeinde und zudem im Vor­stand der im Februar 1934 neu gegründeten Jüdischen Haushaltungsschule.

Am 30. November 1938 wurde ihm die Zulassung als Rechtsanwalt entzogen. Vermutlich im Zusammenhang mit den Verhaftungen nach der Pogromnacht vom 9. November 1938 wurde er für kurze Zeit im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Da er jedoch seine Emigration nach England vorbereitete, wurde er wieder freigelassen. Aus den Akten der Zollfahndung und der hamburgischen Ankaufsstelle für Wertsachen von 1939/40 geht hervor, dass er die dafür geforderten Schritte unternahm und seine Vermögensverhältnisse offenlegte (Wertsachen, Grundstücke). Hermann Samuels finanzielle Situation schien nie besonders gut gewesen zu sein, obwohl er Grundstücke am Steindamm 9 und Flüggestraße 1/Kämmerer Ufer 5 besaß, und wurde nach 1933 immer desolater. 1935 und 1937 hatte er überhaupt kein zu versteuerndes Einkommen mehr. Er scheint Schulden gemacht zu haben, denn die Rechtsanwälte eines Bootsbauers baten den Oberfinanzpräsidenten, seine Auswanderung nach England nicht zu genehmigen, bis seine Schulden (80 RM) bezahlt seien.

Lange Zeit hatte er mit seinen Eltern zusammengewohnt. So schrieb er 1939 anlässlich einer Auflistung seiner Wertgegenstände, dass er mit seinen Eltern bis zu deren Tod "in glücklichster häuslicher Gemeinschaft gelebt habe". Wohnte er zunächst in der Haynstraße 21, zog er später in die Isestraße 69 und dann in die Husumer Straße 10, seine letzte Adresse. Hier lebte er zusammen mit seinem Kollegen Heinz Braunschweiger und dessen Eltern (s. dort). Aus welchen Gründen die Auswanderung von Hermann Samuel nicht zustande kam, ist nicht bekannt, aber er lebte, als das allgemeine Auswanderungsverbot für Juden und Jüdinnen im Oktober 1941 erlassen wurde, noch in Hamburg. Mit der ersten Deportation aus der Stadt am 25. Oktober 1941 wurde er in das Getto von Lodz verschleppt. Dort wurde ihm am 6. Januar 1942 ein Zimmer mit sechs anderen Personen zugewiesen. Er überlebte noch ein Dreivierteljahr und starb nach der Abmeldekarte der "Ältesten der Juden" an Unterernährung. Hermann Samuel verhungerte im Alter von 61 Jahren.

Zwei seiner Geschwister, die Schwestern Ella und Melanie, wurden ebenfalls deportiert und kamen zu unbekannten Zeitpunkten in den Konzentrationslagern um. Sie wurden mit dem 8. Mai 1945 für tot erklärt.

Seine Schwester Olga und sein Bruder Alfred, der in die USA auswanderte und den Nachnamen Rostan annahm, leiteten nach dem Krieg gemeinsam mit seinem Neffen Oscar Simon beim Hamburger Amt für Wiedergutmachung ein Verfahren auf Vermögenserstattung von Hermann Samuel ein.

© Wolfgang Barche

Quellen: 1; 2; 5; 8; StaH 314-15 OFP, Fvg 5698; StaH 351-11 AfW, 270181 Samuel, Hermann; StaH 241-2 P 1754 Personalbogen Hermann Samuel; StaH 314-15 OFP, R 1939/638; Lippmann, "dass ich wie ein guter Deutscher empfinde und handle", 1994; Mosel, Wegweiser, Bd.2, 1989; Morisse, Jüdische Rechtsanwälte, 2003, S. 157; Verzeichnis der Mitglieder der drei Hamburger Logen U.O.B.B. Henry Jones Loge, Steinthal Loge und Nehemia Nobel Loge (1933).
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Recherche und Quellen.

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