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Bereits verlegte Stolpersteine



Fritz Daltrop * 1915

Großer Schippsee 34 (Harburg, Harburg)

Brandenburg
tot 'Heilanstalt' Brandenburg

Weitere Stolpersteine in Großer Schippsee 34:
Else Daltrop, Theodor Daltrop

Else Daltrop, geb. Baruch, geb. am 5.7.1887 in Volkmarsen, am 25.10.1941 deportiert nach Lodz, Todesdatum unbekannt
Fritz Daltrop, geb. am 24.3.1915 in Harburg, Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn, am 23.9.1940 deportiert in die Tötungsanstalt Brandenburg
Theodor Daltrop, geb. am 13.2.1881 in Gütersloh, am 25.10.1941 deportiert nach Lodz, Todesdatum unbekannt

Stadtteil Harburg-Altstadt, Großer Schippsee 34

Fritz Daltrop stammte aus einer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Harburg eingewanderten Familie jüdischen Glaubens. Er wurde am 24. Februar 1915 als der Sohn der Eheleute Theodor und Else Daltrop, geborene Baruch, in Harburg geboren.

Sein Vater, Theodor Daltrop, geboren 13. Februar 1881 in Gütersloh, war eines von sieben Kindern des jüdischen Ehepaares Joseph, geboren am 17. März 1847, und Rosa Daltrop, geborene Galizien, geboren am 15. November 1850. Theodors Vater stammte aus einer Familie, die in der ostwestfälischen Kreisstadt Gütersloh in der Kirchstraße 2 ein Geschäft für Schreibwaren und Bürobedarf betrieb und hohes Ansehen genoss. Eine Straße der Stadt ist nach der Familie benannt. Das Ehepaar Rosa und Joseph Daltrop bekam in Gütersloh außer Theodor noch drei Söhne, Max, geboren 1876, Oskar, geboren 1878, und Hermann, geboren 1879. Oskar starb bereits im Alter von elf Monaten.

Im Juni 1883 verlegten Rosa und Joseph Daltrop mit ihren drei Kindern den Wohnsitz nach Harburg. Dort kamen die Kinder Else, geboren am 13. Dezember 1886, Henny, geboren am 3. Januar 1889, und Felix, geboren am 25. März 1894, zur Welt.

Noch im Jahr des Umzugs nach Harburg gründete Joseph Daltrop in der Straße Großer Schippsee die Firma "J. Daltrop, Buchdruckerei, Papierhandlung, Kontorbedarf, Schreibmaschinen". Zu den Großkunden gehörte bald kein Geringerer als der Harburger Magistrat. Sehr schnell wurde der Neubürger zu einer prägenden Kraft in der Harburger Synagogengemeinde, in der er fast zwanzig Jahre lang als Kultusvorsteher wirkte und sich mit aller Kraft für die Anpassung seiner Glaubensbrüder und -schwestern an die nichtjüdische Umwelt einsetzte. Er starb am 20. September 1934 und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Harburg auf dem Schwarzenberg neben seiner 1931 gestorbenen Frau Rosa begraben.

Theodor Daltrop, Fritz Daltrops Vater, hatte vor dem Ersten Weltkrieg Else Baruch geheiratet, die ebenfalls aus einem jüdischen Elternhaus stammte. Das Ehepaar wohnte in der Straße Großer Schippsee 34. Theodor Daltrop betrieb in der Lüneburger Straße 29a ein Geschäft für Lederwaren und Reiseartikel, das am 1. April 1933 ebenso wie die Firma seines Vaters von dem Boykott betroffen war, zu dem der Harburger Magistrat und die Ortsgruppe der NSDAP aufgerufen hatten. Schneller als gedacht musste auch Theodor Daltrop wie viele andere jüdische Kaufleute dem zunehmenden Verfolgungsdruck Tribut zollen und sich schon bald von seinem Lederwarengeschäft in der Lüneburger Straße trennen. 1935 zog er mit seiner Familie in die Schlüterstraße 12 in Hamburg-Rotherbaum und später in die Zesenstraße 12 in Hamburg-Winterhude. Am 29. Oktober 1935 trat er der Jüdischen Gemeinde in Hamburg bei.

Fritz Daltrop, Theodor und Else Daltrops einziges Kind, wuchs in Harburg auf. Er besuchte mit sechs Jahren die Volksschule und später das Stresemann-Realgymnasium am Alten Postweg in Heimfeld. Fritz Daltrop empfand das Familienleben als harmonisch. In einer längeren Betrachtung über sein Leben aus dem Winter 1932/33 schrieb der damals 17-jährige, "Meine Eltern gaben mir viel! Es war bei uns immer üblich, jedes Thema gemeinsam zu besprechen, gleichviel, ob es sich um politische, religiöse, literarische oder geschäftliche Fragen handelte. Mit zunehmenden Alter wurde meine Beteiligung an diesen Unterhaltungen (Discussionen) naturgemäss stärker. Zunächst in Politik, dann in Literatur und Religion bildete sich bei mir eine eigene Ansicht, und ich erinnere mich noch mit Stolz des Augenblicks als ich zum ersten Mal einen Vortrag in rerum politicarum zu halten wagte und darum meinem hocherfreuten Vater entschieden widersprach. Die Politik war ja in der Tat eine Angelegenheit, die ich aus eigener Erfahrung zu kennen berechtigt war. Abgesehn von den Schimpfworten und Anpöbeleien, die alltäglich deshalb mit der Faust oder garnicht zu erwidern waren, gab es stets aufgeschnappte oder gar eingehämmerte Urteile über Blut, Rasse, Sitten und Religion im Kreise meiner Kameraden zu hören. Wer diese Argumente in ihrer Eindringlichkeit und Wirkung auf die kritiklose Jugend kennt, weiss, wie schwer es oft ist, im Augenblick Gegengründe zu finden. Er weiss auch, wie wichtig sofortiges Antworten ist. Für mich ergab sich daher die Notwendigkeit ‚Abwehrmaterial’ zu studieren und so bewaffnet ‚Reden zu halten’. Das war ‚meine’ Politik: zunächst eine empörte und leidenschaftliche Abwehr; dann die Feststellung, dass Politik eine unglaublich nüchterne Sache ist, in der es um Vorteile geht, wo viel Ziele, aber keine Ideale sind und die Führer alles andere als gute Menschen zu sein pflegen; endlich die Ueberzeugung, dass Politik eine wesentlich wirtschaftliche Angelegenheit ist und sein muss.
Die Zeit meiner politischen war auch die Zeit meiner menschlichen Entwicklung, und ich habe der Politik da manches zu danken. Selbstsicherheit, Selbständigkeit und Selbstbewusstsein bekam ich, als ich mich allein gegen eine Uebermacht durchsetzen musste. Ferner: Ein dickes Fell, wachsende Unempfänglichkeit für Provokationen und das Gefühl: Du kannst mir mal. Kurz: Ich bin der Politik dankbar.
Man sieht: Das Judesein bringt so allerhand mit sich. Der Leser komme nicht zu kurz und erfahre: Wir sind Juden, leben aber nicht im Sinne des jüdischen Rituals. Mir sind Gebräuche und Sitten bekannt, da ich einen guten Religionsunterricht gehabt habe; doch treibt mich nichts dazu, diesen Sitten entsprechend zu leben."

Sein Vater erzählte: "Fritz galt in der Schule als einer der Besten. Das Abitur bestand er 1933 mit ‚gut’ und auch die zweijährige kaufmännische Lehre von Mai 1933 bis Februar 1935 bei der Import- und Exportfirma Hugo Knobloch & Co. in der Hamburger Esplanade 6 beendete er zur großen Zufriedenheit seines Lehrherrn." Seine Eltern schilderten ihn als fügsam, leicht lenkbar, offen, liebenswürdig, gefällig, gesprächig, fleißig, planmäßig arbeitend und lernend, vielseitig interessiert, sprachbegabt und hilfsbereit. Er soll auch ein guter Gesellschafter gewesen sein, In seiner freien Zeit trieb er viel Sport, war ein guter Tennisspieler, Schwimmer, Hockey- und Fußballspieler.

Da die Studienmöglichkeiten für Fritz Daltrop in Deutschland begrenzt waren, ermöglichten seine Eltern ihrem hochbegabten Sohn 1935 ein Studium in den USA. Fritz traf mit dem Passagierdampfer "Washington" am 8. März 1935 in New York ein. Dort hatte er schon bald einen Freund, Wm. Baruch, der wahrscheinlich zu dem Familienzweig seiner Mutter gehörte. Fritz’ Eltern hegten die Hoffnung, dass ihre amerikanischen Verwandten ihn wohlwollend begleiten und tatkräftig unterstützen würden.

Doch der Aufenthalt verlief anders als gedacht. Fritz Daltrop arbeitete etwa zwei Jahre in mehreren Stellungen: in einer Reklameagentur, zwischendurch auch als Fabrikarbeiter, Bote, Packer, Büroangestellter und als Lagerist. Nach einem später in der Staatskrankenanstalt Friedrichsberg verfassten Lebenslauf will er Schüler des Teachers College der Columbia Universität sowie anderer Ausbildungsinstitute insbesondere auf den Gebieten Werbung, Vertrieb, Ökonomie gewesen sein.

Die ersten Anzeichen einer Erkrankung zeigten sich in Briefen, die Fritz Daltrop im Januar 1936 aus Amerika an seine Eltern schrieb. Darin spricht er davon, seine Briefe würden gelesen, seine Gespräche abgehört, man treibe um ihn Spionage. Im März 1936 schrieb er, er geniere sich, ins Geschäft oder in seinen Sportklub zu gehen, weil man ihn für einen Homosexuellen halte und man ihn überall daraufhin ansehe. Im Mai 1936 glaubte er sich von "K-Strahlen" verfolgt und wandte sich hilfesuchend an die Polizei. Darauf folgte ein vierzehntägiger Krankenhausaufenthalt. Ein Erholungsaufenthalt in Port Chester im Staate New York schloss sich an.

Schon bald geriet Fritz Daltrop in finanzielle Schwierigkeiten, die er trotz aller guten Vorsätze nicht aus eigener Kraft meistern konnte. Da er seine Eltern über seine finanzielle Situation und ihre Folgen anscheinend im Unklaren gelassen hatte, waren Theodor und Else Daltrop sehr bestürzt, als sie eines Tages erfuhren, dass ihr Sohn in den USA völlig orientierungslos beim Betteln auf der Straße aufgegriffen worden war. Sie wurden aufgefordert, ihn umgehend abzuholen.

Fritz Daltrop kehrte im Oktober 1936 aus den USA nach Hamburg zurück und arbeitete zwei Wochen bei seiner Lehrfirma Hugo Knobloch & Co. zur Aushilfe. Danach hielt er sich zu Hause bei seinen Eltern in der Schlüterstraße 12 auf, saß still herum, brütete vor sich hin und unternahm nur selten einen Spaziergang. Er hielt seine früheren Freunde für "Feinde", die ihm schaden wollten. Oft las er Bücher oder Zeitungen, ohne nachher etwas über deren Inhalt zu wissen. Angebotenes Essen betrachtete er mit Misstrauen und fürchtete, es sei vergiftet.

Mit Zustimmung der Eltern wies der Nervenarzt Dr. Walter Zendig aus Eimsbüttel, Weidenstieg 7, Fritz Daltrop schließlich mit folgender Begründung in die Psychiatrische und Nervenklinik der Hansischen Universität in Friedrichsberg ein: "... bedarf wegen Geisteskrankheit (Schizophrenie) der Aufnahme in der Staatskrankenanstalt Friedrichsberg. Hat Beziehungsideen, abweisendes Verhalten, mangelnde Krankheitseinsicht und ist schutzbedürftig. Wird zur Insulinkur eingewiesen." Die Sanitätskolonne lieferte ihn am 2. Juni 1937 ein. (Eine Sanitätskolonne war eine freiwillige organisierte Gruppe von Rettungshelfern, die in Kriegs- und Friedenszeiten Ersthelferdienste leisten konnte.) Seine Mutter begleitete Fritz. Doch er wehrte sich. Der aufnehmende Arzt notierte: "Pat.[ient] will nicht krank sein, kommt auch nicht freiwillig, sondern ist hierhergebracht worden, gibt aber zu, dass er sich verfolgt fühle, gibt aber nicht an, wer und weshalb er verfolgt werde."

Bei Fritz Daltrop wurde die Insulinschocktherapie vorgenommen. Diese Therapie, auch Insulinkur genannt, wurde in der Psychiatrie ab den 1930er Jahren eingesetzt, um die Symptome von Krankheitsbildern wie Psychosen, Depressionen oder Drogensucht zu behandeln. Die Insulinschocktherapie ist heute aus dem psychiatrischen Alltag verschwunden. Nachdem kurz der Eindruck bestanden hatte, dass Fritz Daltrop freier und gelockerter wurde, stellte sich heraus, dass die Kur ohne Erfolg geblieben war.

Vier Monate später, am 10. November 1937, attestierte der Leiter der Psychiatrischen und Nervenklinik der Hansischen Universität, Professor Hans Bürger-Prinz, allerdings: "Eingeschlagene Therapiemaßnahmen haben den Gesundheitszustand so gefördert, das D. zu Garten- und Feldarbeit sehr gut verwendbar ist. Aus therapeutischen Gründen ist es dringlich zu empfehlen, D. in einen nach dieser Richtung hin geeigneten Arbeitskreis einzuordnen. D. macht inbezug auf seine soziale und gesellschaftliche Einordnung keine Schwierigkeiten. Er ist völlig geordnet, dabei zugänglich und in der äußeren Haltung diszipliniert." Es ist nicht bekannt, welche Therapiemaßnahmen zu der von Professor Bürger-Prinz festgestellten Besserung führten.

Möglicherweise führte Bürger-Prinz’ Beurteilung zu Fritz Daltrops Entlassung aus Friedrichsberg. Doch bereits am 1. März 1938 kam Fritz freiwillig nach Friedrichsberg zurück und wurde am 10. Mai 1938 in die Staatskrankenanstalt Langenhorn verlegt.

Im Frühjahr/Sommer 1940 plante die "Euthanasie"-Zentrale in Berlin, Tiergartenstraße 4, eine Sonderaktion gegen Juden in öffentlichen und privaten Heil- und Pflegeanstalten. Sie ließ die in den Anstalten lebenden jüdischen Menschen erfassen und in staatlichen sogenannten Sammelanstalten zusammenziehen. Die Heil- und Pflegeanstalt Hamburg-Langenhorn wurde zur norddeutschen Sammelanstalt bestimmt. Alle Einrichtungen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg wurden angewiesen, die dort lebenden Juden bis zum 18. September 1940 nach Langenhorn zu verlegen. Nachdem alle jüdischen Patienten aus den norddeutschen Anstalten eingetroffen waren, wurden sie gemeinsam mit den bereits länger in Langenhorn lebenden jüdischen Patienten am 23. September 1940 in einem Transport von insgesamt 136 Menschen nach Brandenburg an der Havel gebracht. Noch am selben Tag wurden sie in dem zur Gasmordanstalt umgebauten Teil des ehemaligen Zuchthauses mit Kohlenmonoxyd getötet. Nur eine Patientin, Ilse Herta Zachmann, entkam diesem Schicksal zunächst (siehe dort).

Auf dem Geburtsregistereintrag von Fritz Daltrop wurde notiert, dass das Standesamt Chelm II seinen Tod unter der Nummer 373/1941 registriert hat. In allen dokumentierten Mitteilungen wurde behauptet, dass der oder die Betroffene in Chelm (polnisch) oder Cholm (deutsch) verstorben sei. Die in Brandenburg Ermordeten waren jedoch nie in Chelm/Cholm, einer Stadt östlich von Lublin. Die dort früher existierende polnische Heilanstalt bestand nicht mehr, nachdem SS-Einheiten am 12. Januar 1940 fast alle Patienten ermordet hatten. Auch gab es in Chelm kein deutsches Standesamt. Dessen Erfindung und die Verwendung späterer als der tatsächlichen Sterbedaten dienten dazu, die Mordaktion zu verschleiern und zugleich entsprechend länger Verpflegungskosten einfordern zu können.

Im März 1941 – ein halbes Jahr nach dem Tod seines Sohnes – beantragte Theodor Daltrop beim Hamburger Oberfinanzpräsidenten die Erteilung einer Genehmigung zur Überweisung eines Betrags von 446 RM auf das Postscheckkonto Berlin Nr. 17050, um die Kosten in Höhe von 381 RM für die Pflege seines Sohnes vom 26. September 1940– 30. Januar 1941 und in Höhe von 65 RM für seine Einäscherung zu bezahlen. Der Hamburger Oberfinanzpräsident erteilte am 3. April 1941 seine Genehmigung. Dies zeigt, dass auch das Todesdatum von Fritz Daltrop, wie in allen anderen bekannten Fällen, fingiert und weit über sein tatsächliches Ableben hinausgeschoben worden war.

Bereits am 29. Dezember 1938 hatte Theodor Daltrop sein Grundstück in der Lüneburger Straße 29a unter Wert veräußern müssen. Über den Erlös konnte er nicht frei verfügen. Die Summe musste auf ein Sperrkonto eingezahlt werden, auf das er nur mit Genehmigung des Hamburger Oberfinanzpräsidenten Zugriff hatte. Im April 1939 wurde sein gesamtes Vermögen einer "Sicherungsanordnung" unterstellt. Während die zu zahlende "Judenvermögensabgabe" in Höhe von 4650 RM ohne seine Veranlassung abgebucht wurde, musste er den Antrag auf Bewilligung des Betrags für seine monatlichen Lebenshaltungskosten detailliert begründen. Dafür wurde ihm zunächst ein Betrag von 800 RM genehmigt, der fünf Monate später im September 1939 um 250 RM gekürzt wurde. Auch die von Theodor Daltrop zu zahlenden Pflegekosten für seinen Sohn fielen unter die Verfügungsbeschränkung infolge der Sicherungsanordnung. Deshalb konnte er die benötigten Beträge jeweils nur auf besonderen Antrag entnehmen.

Im Oktober 1941 mussten Theodor und Else Daltrop ein detailliertes Vermögensverzeichnis erstellen, da sie inzwischen einen "Evakuierungsbefehl" erhalten hatten, wie die Deportation mit nachfolgender Enteignung umschrieben wurde. Zwei Tage nach dem Auswanderungsverbot für Juden bestiegen sie den Zug, der am 25. Oktober 1941 mit 1032 anderen jüdischen Bürgerinnen und Bürgern Hamburgs vom Hannoverschen Bahnhof in der heutigen Hafen-City nach Lodz fuhr. Für sie – wie für 1014 andere Hamburger Jüdinnen und Juden – war die Fahrt nach "Litzmannstadt", wie die Stadt in der NS-Zeit hieß, eine Reise in den Tod.

Schon vor der Abfahrt hatte Else und Theodor Daltrops Schwägerin Thekla Daltrop ihrem Leben ein Ende gesetzt. An sie erinnert ein Stolperstein auf dem Großneumarkt 56 in der Hamburger Neustadt. Keine vier Wochen später wurde Theodor Daltrops Schwester Henny Hansen am 18. November 1941 im Alter von 52 Jahren von Hamburg nach Minsk deportiert. Auch sie gehört zu den Opfern des Holocaust. Für sie liegt ein Stolperstein in der Lüneburger Straße 35 in Hamburg-Harburg.

Neben dem Stolperstein für Fritz Daltrop liegen Stolpersteine in Hamburg-Harburg, Großer Schippsee 34, für seine Eltern Else und Theodor Daltrop. Für Theodor Daltrop liegt ein weiterer Stolperstein in Gütersloh, in der Kirchstraße 2.

Stand: November 2017
© Klaus Möller/Ingo Wille

Quellen: 1; 2; 4; 5; 8; 9; AB; StaH 133-1 III Staatsarchiv III, 3171-2/4 U.A. 4, Liste psychisch kranker jüdischer Patientinnen und Patienten der psychiatrischen Anstalt Langenhorn, die aufgrund nationalsozialistischer "Euthanasie"-Maßnahmen ermordet wurden, zusammengestellt von Peter von Rönn, Hamburg (Projektgruppe zur Erforschung des Schicksals psychisch Kranker in Langenhorn); 314-15 Oberfinanzpräsident R 3470/1938 Daltrop; 332-5 Standesämter 1139 Sterberegister Nr. 387/1941 Thekla Daltrop, 3533 Heiratsregister Nr. 719/1927 Hermann Daltrop/Thekla Fuchs, 9781 Sterberegister Nr. 931/1920 Max Daltrop, 11774 Sterberegister Nr. 1195/1915 Felix Daltrop, 11831 Sterberegister Nr. 692/1934 Joseph Daltrop, 12877 Geburtsregister Nr. 791/1886 Else Daltrop, 12883 Geburtsregister Nr. 11/1889 Henny Daltrop, 12898 Geburtsregister Nr. 449/1894 Felix Daltrop, 351-10 I Sozialbehörde I StW 30.11 Bd. 2; 352-8/7 Staatskrankenanstalt Langenhorn Abl. 1/1995 Aufnahme-/Abgangsbuch Langenhorn 26.8.1939 bis 27.1.1941; 430-5 Dienststelle Harburg, Ausschaltung jüdischer Geschäfte und Konsumvereine, 1810-08, Bl. 89ff.; UKE/IGEM, Patienten-Karteikarte Fritz Daltrop der Staatskrankenanstalt Friedrichsberg; UKE/IGEM, Patientenakte Fritz Daltrop der Staatskrankenanstalt Friedrichsberg; Stadtarchiv Volkmarsen, Geburtsregister Nr. 72/1887 Else Baruch; Stadtarchiv Gütersloh, Geburtsregister Nr. 15/1881 Theodor Daltrop, Geburtsregister Nr. 22/1879 Hermann Daltrop, Geburtsregister Nr. 93/1876 Max Daltrop, Sterberegister Nr. 9/1879 Oskar Daltrop. Freitag, Werner (Hrsg.), Geschichte der Stadt Gütersloh, Bieldefeld 2003, S. 285. Kändler, Eberhard/Hüttenmeister, Gil, Der jüdische Friedhof Harburg, Hamburg 2004. Kopitzsch, Franklin/Brietzke, Dirk, Hamburgische Biographie. Personenlexikon, Bd. 3, Göttingen 2006, S. 69–71. Villiez von, Anna, Mit aller Kraft verdrängt. Entrechtung und Verfolgung "nicht arischer" Ärzte in Hamburg 1933 bis 1945, Hamburg 2009, S. 426 (Walter Zendig); https://de.wikipedia.org/wiki/ Insulinschocktherapie, Zugriff am 25.1.2016; https://de.wikipedia.org/wiki/Sanit%C3%A4tskolonne, Zugriff am 25.1.2016; https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_G%C3%BCtersloh, Zugriff am 25.1.2016.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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