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Gustav Bruno Endrejat * 1908

Valentinskamp 42 (Hamburg-Mitte, Neustadt)


HIER WOHNTE
GUSTAV BRUNO
ENDREJAT
JG. 1908
IM WIDERSTAND
VERHAFTET 6.1.1944
KZ NEUENGAMME
GEHENKT 23.4.1945

Gustav Bruno Endrejat, geb. am 19.5.1908 in Friedrichswalde/Ostpreußen, verhaftet 1944, ermordet am 23.4.1945 im KZ Neuengamme

Valentinskamp 42

Bruno Endrejat war als Sohn des Gutskämmerers Heinrich Endrejat (gest. 3.9.1927) und seiner Ehefrau Maria Bertha, geb. Lenuweit, in Friedrichswalde Kreis Tilsit-Ragnit in Ostpreußen geboren worden. Etwa um 1929 kam er nach Hamburg und heiratete am 26. Mai 1934 die Schneiderin Grete Erna Liedtke. Sie war am 15. Juli 1910 im ostpreußischen Groß Engelau geboren worden.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 versuchten Gegner des NS-Regimes in etlichen Widerstandsgruppen ihre politische Arbeit im Verborgenen fortzuführen, so auch Bruno Endrejat. Er bildete mit William Dabelstein (s. dort), dem Heizungsmonteur Heinrich "Hein" Matz, dem Chemigrafen Kurt Schill, dessen Frau Hilde und anderen eine sogenannte Fünfergruppe. Ihre Aktivitäten konzentrierten sich auf die Wohngebiete rund um den Großneumarkt. Sie versteckten verfolgte Widerstandskämpfer, sammelten Geld und halfen mit Lebensmittelkarten. Auf einem kleinen Vervielfältigungsapparat stellten sie Flugzettel her. So auch zur bevorstehenden Hinrichtung des populären KPD-Funktionärs Etkar André (s. dort, Etkar André wurde wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" am 4. November 1936 im Untersuchungsgefängnis Hamburg enthauptet). In dem Haus am Valentinskamp, in dem Bruno Endrejat wohnte, waren bis zum Verbot 1933 das Parteibüro der KPD, die Bezirksleitung Wasserkante und die Redaktion der Hamburger KPD-Zeitung "Hamburger Volkszeitung" untergebracht. Bruno Endrejat war seit 1942 in der Werkzeugausgabe der Firma August H. Lehnhoff in Hamburg-Eimsbüttel angestellt. Zuvor hatte er in den Ottensener Eisenwerken gearbeitet und dort den Schiffszimmerer Walter Bohne (geb. 9.1.1903) kennengelernt. Im Juli 1943 nahm er den Widerständler für kurze Zeit bei sich auf, ein gefährliches Unterfangen, da sich mittlerweile ein Hitler-Jugend-Heim im Erdgeschoss des Hauses befand. Walter Bohne, Mitglied der Widerstandsgruppe Bästlein-Jacob-Abshagen, war nach einem Hafturlaub infolge der Bombenangriffsserie der britischen und amerikanischen Luftwaffe auf Hamburg, die auch das Untersuchungsgefängnis schwer beschädigt hatte, nicht in die Haftanstalt zurückgekehrt, sondern untergetaucht. Als Walter Bohne am 5. Januar 1944 bei seiner Verhaftung am Klosterstern von dem Gestapo-Kriminalsekretär Henry Helms (geb. 1.10.1902) erschossen wurde, fand man bei ihm eine "Milchkarte", die zu Kurt Schill führte. Er hatte Walter Bohne mit Lebensmittelkarten versorgt. Einen Tag später wurden Kurt Schill und auch das Ehepaar Endrejat wegen "Beihilfe zur Vorbereitung zum Hochverrat" verhaftet. Ein ehemaliger Mithäftling aus Fuhlsbüttel berichtete nach dem Krieg, dass Bruno Endrejat sich in Einzelhaft befunden habe und freigelassen werden sollte, wenn er sich im Hafen als Spitzel betätigen würde. Da er sich weigerte, blieb er in Haft. Kurt Schill wurde gemeinsam mit den Kommunisten Hans Horneberger (s. Stolpersteine in Hamburg-Eimsbüttel), sowie dem Ehepaar Elisabeth (geb. 26.12.1893) und Gustav Bruhn (s. Stolpersteine in Hamburg-Eimsbüttel) am 14. Februar 1944 ins KZ Neuengamme gebracht und dort, ohne gerichtliches Verfahren, auf Befehl Himmlers im Exekutionsbunker gehenkt.

Als das Polizeigefängnis Fuhlsbüttel angesichts der bevorstehenden Besetzung Hamburgs durch die alliierten Streitkräfte im April 1945 geräumt wurde, gab es Listen für drei Gefangenengruppen. Eine Gruppe wurde entlassen, eine weitere in das Arbeitslager Kiel-Hassee gebracht. Da dieses Lager ungenügend gesichert war, kam die dritte Gruppe, die "schweren Fälle", vorwiegend politische Gefangene verschiedener Widerstandsgruppen, sowjetische Kriegsgefangene und französische Zwangsarbeiter am 20. April ins Lagergefängnis des KZ Neuengamme. Diese Gefangenen standen auf einer sogenannten Liquidationsliste und sollten nicht in die Hände der Alliierten fallen. Bruno Endrejat und Heinrich Matz befanden sich unter den 71 Männern und Frauen, die im sogenannten Arrestbunker auf Befehl des Höheren SS- und Polizeiführers Georg Henning Graf von Bassewitz-Behr (geb. 21.3.1900 in Lützow/Mecklenburg) ohne Gerichtsurteil in den Nächten vom 22. auf den 23. und vom 23. auf den 24. April 1945 ermordet wurden. Die ersten Opfer waren die Frauen (s. Hanne Mertens). Sie wurden in zwei Gruppen an den Deckenbalken im Häftlingsbunker nebeneinander gehängt. Einige der Männer ahnten, was ihnen bevorstand, und verbarrikadierten sich in ihren Zellen. Daraufhin wurden Handgranaten durch die Bunkerfenster geworfen, die einen Teil der Männer töteten. Die übrigen wurden anschließend erschossen oder gehängt (ausführlich s. Glossar).

Grete Endrejat gehörte nach einer 16-monatigen Haftzeit zu den Gefangenen, die am 16. April 1945 in das Arbeitslager Kiel-Hassee gebracht wurden. Dort zog sie sich eine schwere Ohrenentzündung zu, die zum Verlust des rechten Gehörs führte. Aber sie überlebte. Grete Endrejat starb am 5. August 1991 in Hamburg.

Nach dem Krieg wurde Georg Henning Graf von Bassewitz-Behr, verantwortlich für die Ermordung der 71 Gefangenen, im August 1947 im Hamburger Curiohaus-Prozess als mutmaßlicher Kriegsverbrecher freigesprochen. Anschließend den sowjetischen Behörden überstellt, starb er am 31. Januar 1949 in einem ostsibirischen Straflager.

An Kurt Schill erinnert ein Stolperstein in der Bartelsstraße 53 (s. Stolpersteine in Hamburg-Altona).

Für Walter Bohne wurde ein Stolperstein am Klosterstern 5 verlegt (s. Stolpersteine in Hamburg-Eimsbüttel).


© Susanne Rosendahl

Quellen: StaH 351-11 AfW Abl. 2008/1, 05071910 Endrejat, Grete; StaH 332-5 Standesämter 14260 u 471/1934; Auskünfte von Herbert Diercks, Archiv der KZ-Gedenkstätte Neuengamme Bestand VVN; Diercks: Gedenkbuch Kola-Fu; Diercks: Dokumentation, S. 46–48; Buck: Widerstand, S. 170–172; Meyer: Nacht, S. 103–109; Puls: Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe; Sparr: Stolpersteine, S. 163; Dabelstein: Engelsaal, S. 28; Jacobs: Himmlers Mann, S. 123; www.akens.org (Zugriff 16.4.2016); www.ancestry.de. (Sterberegistereintrag von Heinrich Endrejat am 3.9.1927, Althof-Insterburg, Zugriff 23.9.2017).

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