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Kurt Vorpahl
© Hochmuth, Ehrenhain-Buch (VSA)

Kurt Vorpahl * 1905

Snitgerstieg 3 (Hamburg-Mitte, Horn)


HIER WOHNTE
KURT VORPAHL
JG. 1905
VERHAFTET 1942
’VORBEREITUNG HOCHVERRAT’
KZ FUHLSBÜTTEL
HINGERICHTET 26.6.1944
UNTERSUCHUNGSGEFÄNGNIS
HAMBURG

Kurt Vorpahl, geb. am 7.5.1905 in Krempe, hingerichtet am 26.6.1944 im Untersuchungsgefängnis/Holstenglacis 3

Snitgerstieg 3

"Der Angeschuldigte Vorpahl ist ein geistig reger, aber durch und durch kommunistisch verseuchter Mensch. Er lernte den Mitangeschuldigten Reber auf der Arbeitsstelle bei B+V kennen und unterhielt sich häufig mit ihm über Politik im kommunistischen Sinne. Dabei brachten beide ständig zum Ausdruck, dass sie mit der heutigen Staatsführung nicht einverstanden und davon überzeugt seien, dass D. den Krieg verlieren werde. … Weiter gab Vorpahl einmal Fett- und Brotmarken an Reber zur Verwendung für den Lebensmittelmarkenfonds." So charakterisierte der Anklagevertreter den 37 Jahre alten Schweißer Kurt Vorpahl und benannte seine Vergehen: kommunistisch zu denken, was nach dem Verbot der KPD als ebenso staatsfeindlich galt wie die Parteimitgliedschaft selbst oder die materielle Unterstützung von Genossen, die Gegnerschaft zur Staatsführung und Zweifel am "Endsieg". Kurt Vorpahl brachte diese Auffassungen nicht von Haus aus mit. Er stammte aus einer konservativen Familie aus Krempe in Holstein.

Sein Vater, Emil Vorpahl, war Zahnarzt und verheiratet mit Frieda Vorpahl, geb. Brauer. Kurt wurde am 7. Mai 1905 in Krempe geboren und besuchte acht Jahre lang die Realschule. Er begann eine Maschinenbaulehre, brach sie aber wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten seiner Eltern ab, und arbeitete in den folgenden Jahren bei verschiedenen Firmen in Metallberufen wie Fahrradschlosser und Schweißer. 1923 schloss er sich dem nationalistischen "Edelweiß-Club" an und stellte im Juni 1925 einen Antrag auf Aufnahme in die NSDAP. Zwar wurde er am 5. August 1925 unter der Nr. 12 818 zur Aufnahme vorgemerkt, doch erhielt er nie eine Mitgliedskarte und wurde am 30. Juni 1927 in der Reichskartei als "ausgetreten" gestrichen. Dass er Abstand von der NSDAP nahm, dürfte seinen Grund in der Freundschaft mit Gertrud Knickelbein, der Tochter eines Wandsbeker Sozialdemokraten, gehabt haben. Erster Schritt seines Sinneswandels war sein Beitritt zur Gewerkschaft. 1926 heiratete er, 21 Jahre alt, die siebzehnjährige Gertrud Knickelbein die inzwischen in der Wendenstraße in Hamm wohnte, während er in der Spaldingstraße in Hammerbrook zu Hause war. Am 1. April 1927 wurde ihre erste Tochter geboren, der bis 1935 ein Sohn und zwei weitere Töchter folgten. Die Familie zog in eine Genossenschaftswohnung für Kinderreiche am Snitgerstieg 3 in Horn, wo auch Hannelore Glaser, die spätere Kanzlergattin Loki Schmidt, aufwuchs.

Kurt Vorpahl arbeitete ab 1927 mit Unterbrechungen bei Blohm und Voß. Dort lernte er kommunistische Ideen kennen und beteiligte sich 1930 an einem Streik, woraufhin er entlassen wurde. Zusammen mit seiner Frau trat er in die KPD ein und wurde Mitglied der "Roten Hilfe" und der Revolutionären Gewerkschaftsopposition. In­wieweit er Funktionen wahrnahm, ließ sich nicht klären. 1932 gab er die KPD-Mitgliedschaft auf. Nach einem weiteren Jahr der Arbeitslosigkeit erhielt er zum Jahresende erneut eine Anstellung bei Blohm und Voß. Die Werft wurde während des Zweiten Weltkriegs ein Zentrum des Arbeiterwiderstandes. Der Oberreichsanwalt beim Volksgerichtshof in Berlin klagte am 26. Februar 1944 Kurt Vorpahl zusammen mit drei Hamburgern (Walter Weber, Erich Heins und Alwin Baasch) an, "in den Jahren 1941 und 1942 in Hamburg durch Errichtung einer Kommunistischen Betriebszellenorganisation in dem Werk von ‚Blohm und Voß’ den Hochverrat vorbereitet und den Feind begünstigt zu haben".

Kurt Vorpahl gehörte der Widerstandsgruppe "Hornberger" an, dessen Namensgeber, Hans Hornberger, in den Jahren 1941 und 1942 auf der Werft eine kommunistische Betriebszelle aufbaute. Kurt Vorpahl wurde am 24. Oktober 1942 an seinem Arbeitsplatz verhaftet und zunächst fünf Monate lang im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel, dann 15 Monate im Untersuchungsgefängnis am Holstenglacis festgehalten. Nach dem schweren Bombenangriff vom 27./28. Juli 1943, der auch die Haftanstalten in Mit­leidenschaft gezogen hatte, wurde er vom 30. Juli bis 9. September 1943 auf freien Fuß gesetzt. Seine Wohnung in Horn war durch die Luftangriffe unbewohnbar geworden; er fand mit seiner Familie Unterschlupf in Lohbrügge, Moltkestraße 10. Seine Frau zog am 22. März 1944 mit den beiden mittleren Kindern zu John Trettin in die Horner Landstraße 492, während die älteste Tochter nach Kulmbach evakuiert wurde und die jüngste in einer Pflegefamilie lebte. Gertrud Vorpahl erhielt staatlicherseits keinerlei Unterstützung.

Während Mithäftlinge untertauchten, kehrte Kurt Vorpahl zum angegebenen Datum in die Haftanstalt zurück. Sein Verfahren fand in Berlin statt, wo ihn der I. Senat des Volksgerichtshofs am 4. Mai 1944 wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" und "Feindbegünstigung" zum Tode verurteilte. Am 26. Juni 1944 wurde er zusammen mit neun weiteren Widerstandskämpfern, unter ihnen Karl Otto Mende und Ernst Mittelbach, im Untersuchungsgefängnis Hamburg am Holstenglacis enthauptet. Die Hinrichtungen wurden innerhalb einer halben Stunde vollzogen. Kurt Vorpahl starb um 16.22 Uhr im Alter von 39 Jahren.

© Stolperstein-Initiative Hamburg-Horn

Quellen: VAN-Totenliste 1968; StaH, 332-5 Standesämter, (StA 23) 3542+562/1926, (3a/Neustadt) 1203+632/1944; 351-11 AfW, 070507; Hochmuth, Niemand und nichts ...

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