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Kurt Schill
© Gedenkbuch Kola-Fu

Kurt Erich Cäsar Schill * 1911

Bartelsstraße 53 (Altona, Sternschanze)

KZ Neuengamme
hingerichtet 14.2.1944

Siehe auch:

Kurt Erich Cäsar Schill, geb. 7.7.1911 in Schiffbek bei Hamburg, verhaftet am 6.1.1944, gehenkt am 14.2.1944 im KZ Neuengamme

Bartelsstraße 53

Kurt Schill kam am 7. Juli 1911 als Sohn des sozialdemokratischen Arbeiters Cäsar Friedrich Schill und seiner Ehefrau Magdalena Johanna Schill, geb. Brusch, in Schiffbek zur Welt. 1913 zog die Familie in die Neustadt, wo der Vater einen Grünwarenladen betrieb. Nach Abschluss der Volksschule absolvierte Kurt Schill eine Lehre bei der Klischeeanstalt Friedrich Heitgres in der Neustadt und legte die Prüfung als Chemigraph ab.

Schon früh interessierte Kurt Schill sich für gesellschaftspolitische Fragen und besuchte häufig die Hamburger Staatsbibliothek und das Weltwirtschaftsarchiv. Gemeinsam mit seiner späteren Ehefrau Hilde Pfeiffer belegte er Abendkurse über Marxismus an der Hamburger Universität und nahm an Veranstaltungen der KPD teil. Der KPD traten Schill und seine Freundin 1928 bei. Zur Verbreitung der kommunistischen Ideen und Zielsetzungen beteiligten sie sich an der Verteilung von Broschüren und anderen Parteimaterialien. Als belesener und redegewandter Genosse soll Kurt Schill auch Reden für Funktionäre geschrieben haben.

1933 heirateten Kurt Schill und Hilde Pfeiffer, zwei Jahre später wurde ihr Sohn Barnabas geboren.

Schon bald nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden die ersten Kommunisten verhaftet, allein in der Zeit von März 1933 bis Oktober 1934 wurden in Hamburg rund 2400 KPD-Mitglieder zumindest vorübergehend in "Schutzhaft" genommen. Nicht wenige von ihnen wurden schwer misshandelt, in den Tod getrieben oder ermordet. Kurt und Hilde Schill blieben zunächst unbehelligt. Auch als die umfangreiche Parteibibliothek des Bezirksbüros Kohlhöfen, die in ihrer Wohnung in Sicherheit gebracht worden war, von der Gestapo beschlagnahmt wurde, erfolgten keine Maßnahmen gegen die Eheleute. Ihren Lebensunterhalt bestritten sie aus Stickereitätigkeiten, die zunächst noch über den Betrieb von Kurts Schwiegermutter liefen.

Der Stickereibetrieb Pfeiffer wurde jedoch infolge eines für den jüdischen Unternehmer Hermann Tietz ausgeführten Auftrages boykottiert und konnte sich auch, nachdem Kurt Schill als neuer Inhaber firmierte, nicht mehr lange halten. Denn Schill hatte sich geweigert, der NSDAP beizutreten, um größere Aufträge zu bekommen. So mussten sich Kurt und Hilde Schill in den folgenden Jahren mit kleinen Stickereiaufträgen von Bekannten und Nachbarn über Wasser halten.

Nach dem Verbot der KPD arbeitete Kurt Schill gemeinsam mit seinem besten Freund Bruno Endrejat und anderen Genossen in einer sogenannten Fünfergruppe, wie sie im gesamten Reichsgebiet bestanden, illegal weiter. Ab 1935 fuhr seine Ehefrau Hilde gelegentlich mit ihrem Sohn zu angeblichen Verwandtenbesuchen ins Erzgebirge und brachte von dort Flugblätter und Broschüren mit, die sie im Kinderwagen, der mit einem doppelten Boden ausgestattet war, sicher über die Grenze transportierte. Mittels eines Vervielfältigungsapparates, der in der Wohnung der Familie Schill versteckt war, wurden zahlreiche Flugblätter hergestellt, die in der Regel Kurt Schill verfasste.

Sie berichteten von den Zuständen in den Konzentrationslagern und verwiesen immer wieder auf die Kriegsvorbereitungen. Während des Vervielfältigungsprozesses lief zeitgleich die Stickmaschine, deren Rattern die Geräusche des Abzugsapparates überdecken musste. Die Gruppe um Kurt und Hilde Schill beteiligte sich auch an Plakataktionen zur bevorstehenden Hinrichtung des Kommunisten Etkar André im November 1936.

1939 wurde Kurt Schill bei der Reichsbahn dienstverpflichtet. Die Familie zog im selben Jahr aus der Neustadt, wo sie unter verschiedenen Adressen gewohnt hatte, ins Schanzenviertel in die Bartelsstraße 53. Auch in dieser Wohnung wurden Flugblätter hergestellt, wenngleich in geringerem Umfang.

Anfang 1943 wurde Kurt Schill eingezogen und im besetzten Gebiet der Sowjetunion eingesetzt. Während eines "Bombenurlaubs" im Juli 1943 bekam er über Bruno Endrejat Kontakt zur Bästlein-Jacobs-Abshagen-Organisation. Einige Mitglieder und Unterstützer dieser Gruppe befanden sich zu dieser Zeit auf Hafturlaub infolge der schweren Angriffe auf Hamburg, die auch das Untersuchungsgefängnis getroffen hatten. Viele von ihnen kehrten nicht ins Gefängnis zurück, sondern beschlossen, ihre Widerstandsaktivitäten aus dem Untergrund fortzusetzen. Zu ihnen gehörte auch Walter Bohne, der ehemalige Industriegruppenleiter der Bästlein-Organisation auf der Peute-Werft, der zunächst bei Bruno Endrejat illegal untergekommen war.

Ab Ende 1943 bot Kurt Schill ihm und seiner Frau Änne Unterschlupf in seiner Wohnung und versorgte sie mit Lebensmitteln, da "Illegale" keine Lebensmittelkarten besaßen. Als Walter Bohne am 5. Januar 1944 am Klosterstern erschossen wurde, weil er sich der Verhaftung widersetzte, fand man bei ihm eine Milch-Lebensmittelkarte von Kurt Schill. Am folgenden Tag wurde Kurt Schill in seiner Wohnung in der Bartelsstraße festgenommen und ohne gerichtliches Verfahren am 14. Februar 1944 ins KZ Neuengamme gebracht. Dort wurde er gemeinsam mit den Kommunisten Hans Hornberger sowie Elisabeth und Gustav Bruhn noch am gleichen Tag im Exekutionsbunker gehenkt. Die Liquidierung war von Heinrich Himmler persönlich per Schnellbrief angeordnet worden. Der Ehefrau Hilde Schill wurde von der Gestapo mitgeteilt, dass ihr Mann während der Verhandlung im Berliner Volksgerichtshof durch einen Bombeneinschlag tödlich verletzt worden sei.

Hilde Schill blieb zunächst unbehelligt, wurde aber beschattet und bei einem Treffen mit Walter Bohnes Witwe Änne im März 1944 festgenommen. Sie blieb fast ein Jahr im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel, bis sie im März 1945 gemeinsam mit Änne Bohne in das Untersuchungsgefängnis am Holstenglacis überführt wurde. Dort wartete sie auf ihre Verurteilung durch den Volksgerichtshof, die aufgrund des Kriegsendes nicht mehr zustande kam. Ihr Sohn Barnabas wurde während ihrer Haftzeit von Verwandten im Erzgebirge versorgt.

Hilde Schill ließ die Urne ihres Ehemannes im Februar 1944 auf dem Niendorfer Friedhof beisetzen, in den 1960er Jahren wurde sie in den "Ehrenhain der Hamburger Widerstandskämpfer" auf dem Ohlsdorfer Friedhof überführt. Seit 1981 erinnert auch eine Straße an den kommunistischen Widerstandskämpfer Kurt Schill. Sein Enkel Ronald Barnabas Schill war Mitbegründer der "Partei rechtsstaatliche Offensive" und von 2001 bis 2003 Hamburger Innensenator.

© Gunhild Ohl-Hinz

Quellen: StaH 351-11 AfW, Abl. 2008/1, 210112 Schill, Hilde; Bästlein, "Hitlers Niederlage", 1988; Diercks, Gedenkbuch, 1987; Schüler des Gymnasiums Ohmoor informieren, Gedenken heisst: Nicht Schweigen. 11 neue Straßen in Niendorf zu Ehren von Frauen und Männern des Widerstands, Hamburg 1984.

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