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Norbert Beit
Norbert Beit
© Privatbesitz

Norbert Beit * 1903

Hoheluftchaussee 64 (Eimsbüttel, Hoheluft-West)


HIER WOHNTE
NORBERT BEIT
JG. 1903
DEPORTIERT 1945
THERESIENSTADT
BEFREIT
FLUCHT IN DEN TOD

Norbert Beit, geboren am 2.9.1903, Zwangsarbeit in mehreren Firmen, deportiert am 14.2.1945 nach Theresienstadt, befreit am 8.5.1945, Flucht in den Tod am 18.7.1949

Hoheluftchaussee 64

Norbert Beit wurde als ältestes Kind des jüdischen Ehepaares David Beit und Betty Beit, geborene Jonas, in Hamburg geboren. Das Ehepaar bekam noch weitere Kinder: Fanny, geboren am 6. August 1905, Irma, geboren am 21. Juli 1907, und Werner, geboren am 28. Juni 1917. David Beit arbeitete als Musiklehrer und hatte am 13. März 1908 in Hamburg das Bürgerrecht erworben. Über Norbert Beits Kindheit und Jugendzeit wissen wir nichts.

Als Erwachsener wohnte er in der Moltkestraße 55/Hoheluft-West und war im Adressbuch als Zeitungshändler eingetragen. Er heiratete in Hamburg am 5. April 1930 die nichtjüdische Gertrud Anna Elise, geborene Erdmann, geboren am 22. März 1897 in Neubrandenburg. 1931 zog das Ehepaar in die Bismarckstraße 76/Eimsbüttel.

Am 30. März 1931 meldete Norbert Beit ein Gewerbe für den Handel mit Lebensmitteln (Eier, Obst und Gemüse) an. Bereits einige Monate später zog das Ehepaar Beit in die Gärtnerstraße 20/Hoheluft-West. Vermutlich nahm das Familieneinkommen infolge des Boykotts jüdischer Geschäfte stark ab. Am 5. Mai 1934 wurde Norbert Beit nach eigener Aussage zudem verhaftet und für drei Monate im Gefängnis Fuhlsbüttel inhaftiert. Er war dort schweren Misshandlungen ausgesetzt. Anlass für die Verhaftung war der frühere Handel mit Zeitschriften, dem ein politischer Hintergrund zugeschrieben wurde. Unterlagen, die die Inhaftierung bestätigen, konnten wir nicht finden.

1936 zog das Ehepaar Beit in die Mövenstraße 7/Winterhude und wohnte zur Untermiete bei Dagobert Landauer. Norbert Beit verfügte über kein Einkommen mehr. Die Jüdische Gemeinde erließ ihm deswegen die Kultussteuer bis zum Ende des Jahres 1936.

Das Ehepaar wechselte 1937 in die Hoheluftchaussee 64/Hoheluft-Ost.
Unter dieser Adresse wurde ihre Tochter Renate Beit am 26. November 1937 geboren.

Norbert Beit hatte sich am 21. Mai 1937 mit dem Gewerbe "Handelsvertretungen" in das Hamburger Adressbuch und im Gewerberegister eintragen lassen. Er bezeichnete später dieses Geschäft als "einträglich", musste es jedoch bereits 1938 wegen der NS-Restriktionen wieder aufgeben.

1938 erhielten die ersten deutschen Juden Einberufungen zur Zwangsarbeit. So wurde auch Norbert Beit gezwungen, bei mehreren Hamburger Tiefbaufirmen Zwangsarbeit zu leisten: Bei Dammann, Müller & Sohn, Vogt und Bischoff. Zuletzt wurde er der Firma Heldmann zugewiesen, die Mäuse- und Rattengift herstellte. Dort arbeitete er als Desinfektor und Verpacker.

1939 zog die Familie Beit in die Rutschbahn 22/Rotherbaum. Im Juli 1943 wurden sie während des Hamburger Feuersturms ausgebombt und bezogen nun in Fischbek ein Zimmer bei Verwandten, deren Namen uns nicht bekannt sind.
Die Ehe der Beits mit der nichtjüdisch erzogenen Tochter galt als "privilegierte Mischehe". Der jüdische Teil einer solchen Mischehe war vor der Deportation geschützt, solange die Ehe bestand. Kurz vor Kriegsende jedoch hoben die NS-Machthaber diesen Schutz auf und deportierten auch die Jüdinnen und Juden, die in noch existierenden Mischehen lebten. Aus Hamburg gingen im Januar und Februar 1945 zwei Transporte nach Theresienstadt, die als "auswärtiger Arbeitseinsatz" deklariert worden waren. Auch Norbert Beit hatte einen Deportationsbefehl erhalten.

Am 14. Februar 1945 wurde er nach Theresienstadt deportiert. Er gab bei seiner Aufnahme an, in Hamburg Zwangsarbeit für die Firma Heldmann als Chemiker geleistet zu haben. Am 26. Februar 1945 wurde er einer Arbeitskolonne zugewiesen. Wegen seiner anfangs gemachten Angaben zur Arbeit als Chemiker wurde er nur drei Tage später als Desinfektor für die Entwesung eingesetzt. D.h. er und seine Mithäftlinge sollten die verheerende Flecktyphusepidemie bekämpfen, die aufgrund der katastrophalen Lebensbedingungen im Getto in den letzten Kriegsmonaten ausgebrochen war. Flecktyphus wird von Kleiderläusen übertragen, die Symptome sind akut auftretendes hohes Fieber mit Benommenheit, Verwirrtheit und trockenem Husten; unbehandelt verläuft die Krankheit oft tödlich.

Erst am 10. April 1945 bekam Norbert Beit eine Impfung gegen Flecktyphus. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sich bei seiner Arbeit bereits mit Flecktyphus infiziert.

Am 8. Mai 1945 wurde Theresienstadt durch die Rote Armee befreit.

Norbert Beit kam nach Hamburg zurück und wurde todkrank in das Israelitische Krankenhaus eingewiesen, aus dem er im August 1946 als "nicht geheilt" entlassen wurde. Welche langfristigen Schäden das Fleckfieber bei ihm hinterließ, lässt sich nicht eindeutig feststellen; belegt sind jedoch anhaltende Dysenterie (Ruhr) und eine Herzerkrankung.

Als ehemaliger Häftling erhielt er eine Anstellung in der Hamburger Verwaltung und arbeitete bis zum Frühjahr 1947 als Aufseher in der Untersuchungshaftanstalt Holstenglacis. Doch er versuchte einen wirtschaftlichen Neuanfang als Selbstständiger: Im Frühjahr 1947 gründete er einen Großhandel für Galanterie-, Parfümerie- und Spielwaren in der Spitaler Straße 12/Neustadt. Die Eintragung der Firma "Norbert Beit & Co." erfolgte am 1. September 1947. Doch das Unternehmen scheiterte bald darauf, da Lieferanten ihm aufgrund seiner jüdischen Zugehörigkeit die Zusammenarbeit verweigerten. Am 4. Februar 1949 musste Norbert Beit Konkurs anmelden.

Wie bei vielen Mischehepaaren, die während der NS-Zeit trotz zerrütteter Ehe zusammengeblieben waren, um den jüdischen Partner vor einer Deportation zu schützen, hielt auch die Ehe der Beits nach dem Krieg nicht mehr. Inzwischen, im Dezember 1948, war Norbert Beit aus der gemeinsamen Wohnung mit Gertrud Beit ausgezogen und wohnte bei Martha Hagen im Tulpenstieg 6/Alsterdorf.

Im Mai 1949 versuchte Norbert Beit mit der Eröffnung eines vier Meter langen Verkaufspavillons am Mittelweg einen letzten Neuanfang. Obwohl ihm ein Darlehen über 250 DM des Wiedergutmachungsamtes bewilligt worden war, verzögerte sich dessen Auszahlung erheblich. In einem Schreiben vom 5. Juni 1949 beklagte er sich gegenüber dem Sonderhilfeausschuss über die ausbleibende Unterstützung.
Gezeichnet von einer Flecktyphusencephalitis (d.h. das Fleckfieber hatte das Gehirn angegriffen), einer Spätfolge der Flecktyphuserkrankung, verlor er zunehmend seinen Lebensmut.

Am 18. Juli 1949 wurde er am Elbstrand von Blankenese tot aufgefunden.

Nach dem Tod ihres Mannes Norbert Beit sah sich Gertrud Beit mit dessen hoher Verschuldung konfrontiert und schlug die Erbschaft aus. Diese Entscheidung hatte weitreichende Konsequenzen, da sie dadurch von Entschädigungszahlungen ausgeschlossen war. Zusammen mit ihrer Tochter Renate lebte sie fortan unter schwierigen finanziellen Bedingungen. Trotz wiederholter Anträge auf Entschädigung erhielt sie am 29. Mai 1957 vom Sonderhilfeausschuss einen Ablehnungsbescheid nach § 15 des Bundesentschädigungsgesetzes, in dem sowohl die Flecktyphusencephalitis als auch die nationalsozialistische Verfolgung als Ursachen für den Suizid ihres Mannes angezweifelt wurden. Anerkannt wurde die Zwangsarbeit mit dem Freiheitsentzug und der daraus folgende Berufsschaden von Norbert Beit. Gertrud Beit erhielt eine Entschädigungssumme im Rahmen eines Vergleichs.

Gertrud Beit starb am 29. Dezember 1987 in Hamburg.

Zum Schicksal der Geschwister von Norbert Beit:
Fanny Beit flüchtete 1933 mit Robert Lippmann, einem Geschäftsfreund ihres Vaters, nach England.

Irma Sophie emigrierte in die USA und heiratete 1939 dort Alfons Michael Frankenthal, geboren am 21. November 1895. Das Ehepaar änderte seinen Nachnamen in Frank. Alfons Michael Frank starb am 20. Mai 1958. Irma Frank heiratete anschließend Jonas Jacobson.

Werner Beit heiratete am 10. November 1939 in Hamburg Bertha Abrahams, geboren am 6. Mai 1913. Sie bekamen am 7. Juli 1941 ihren Sohn Berl Beit (Biografie siehe www.stolpersteine-hamburg.de). Die Familie wurde am 24. März 1943 nach Theresienstadt deportiert, am 15. Mai 1944 nach Auschwitz weiterdeportiert und dort ermordet.
An Werner, Bertha und deren Sohn Berl Beit erinnern Stolpersteine im Grindelberg 90. Die Schäferkampsallee 25/27, das Jüdische Krankenhaus in Hamburg, in dem in der Endkriegsphase auch nichtjüdische und jüdische Ausgebombte aufgenommen wurden, war Berl Beits letzter Wohnort. Auch dort erinnert ein Stolperstein an ihn.

© Bärbel Klein

Quellen: 1; 2; 8; 9; StaH, 351-11 AfW 17482 (Irma Frank), 19977 (Gertrud Beit), 26760 (Norbert Beit), 26761 (Gertrud Beit), 29569 (Fanny Wilson), 32469 (Irma Jacobson); 351-14 Sozialwesen 965 (David Beit); 522-01_992d Steuerakte David Beit und Norbert Beit; 741-4 Fotoarchiv K 4622 (Beit), K 2448 (Rutschbahn) K2370 (Tulpenstieg 6); 332-5 Geburten 13939 Nr. 1692/1903 Norbert Beit, 14528 Nr. 1855/1905 Katharina Beit, 14812 Nr. 2613/1907 Irma Sophie Beit, Heirat 13296 Nr. 112/1930 Beit/Erdmann, Sterbeeintrag 7069 Nr. 308/1926 Betty Beit, 8180 Nr. 298/1942 (David Beit), Sterbefälle 64591 Standesamt Hamburg Blankenese Nr. 582/9; 332-7 Staatsangehörigenaufsicht A I e 40 Band 16 Nr. 1090; VVN-BDA Komitee Akte von Norbert Beit, 07.01.2026; Alfred Gottwald und Diana Schulle, Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich, Wiesbaden 2005.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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