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Ida Zettel * 1884

Moorstraße / Seeveplatz (Harburg, Harburg)


HIER WOHNTE
IDA ZETTEL
JG. 1884
EINGEWIESEN 1921
HEILANSTALT LÜNEBURG
HERBORN
´VERLEGT’ 16.6.1941
HADAMAR
ERMORDET 16.6.1941
´AKTION T4‘

Ida Zettel, geb. am 5.10.1884 in Osten-Hemmoor, Einweisung in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg am 28.9.1921, `verlegt´ am 30.4.1941 in die Heil- und Pflegeanstalt Herborn, am 16.6.1941 `verlegt´ in die Tötungsanstalt Hadamar, dort ermordet am 16.6.1941

Moorstraße/Ecke Seeveplatz (früher Moorstraße 12), Stadtteil Harburg

Die Familie Zettel, die aus Eltern und sieben Kindern bestand, zog 1904 nach Harburg. Sie war Eigentümer und Betreiber des Bahnhofhotels in der Moorstraße. Ida, das älteste Kind der Familie, absolvierte nach dem Schulabschluss eine Ausbildung zur Volksschullehrerin.

1911 erkrankte Ida Zettel an Depressionen. Sie wurde ins Krankenhaus Harburg gebracht und behandelt. Als sie versuchte, sich durch einen Sprung aus dem Fenster das Leben zu nehmen, wurde sie am 29. Juli 1911 in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg eingewiesen, die Diagnose der Ärzte lautete "Hysterie". Nach fünf Jahren wurde sie als "gebessert" von dort entlassen.

Am 29. November 1918 wurde sie erneut in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg eingewiesen. Als Aufnahmegrund wurde angegeben "bedurfte ständiger Aufsicht" und "ist in großer Unruhe". Die Diagnose der Ärzte lautete jetzt "Schizophrenie".

Auf Wunsch der Familie wurde Ida Zettel am 5. Juni 1920 in die Privatklinik Dr. Frontheim in Liebenburg verbracht. Die Familie hoffte, dass der Patientin in dieser Einrichtung besser geholfen werden könne. Es trat jedoch keine Besserung ein und am 28. September 1921 kehrte Ida Zettel in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg zurück.

Über den weiteren Krankheitsverlauf, die gesundheitliche Situation der Patientin in den folgenden Jahren, ist in der Akte nichts dokumentiert.

In der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg wurden bereits in den 1930er-Jahren Zwangssterilisationen an über 100 Patientinnen und Patienten vorgenommen. Ob Ida Zettel betroffen war, ist nicht bekannt.

Ab Herbst 1939 waren alle Heil- und Pflegeanstalten verpflichtet, Patientinnen und Patienten mit körperlichen, geistigen und seelischen Erkrankungen an die Zentraldienststelle in Berlin, Tiergartenstraße 4, zu melden (Aktion T4). Dort entschieden Gutachter über deren weiteres Schicksal. Über 70 000 Menschen fielen diesem Programm zum Opfer.
(In der 1941 eingerichteten "Kinderfachabteilung" wurden zudem über 300 Kinder mit Luminal oder Morphium getötet.)

Aus Lüneburg wurden zwischen 1940 und 1941 im Zuge der "Aktion T4" fast 500 Patienten (sog. Ballastexistenzen) in die verschiedenen Zwischen- und Tötungsanstalten überführt.

Am 30. April 1941 wurde Ida Zettel und mit ihr sechs weitere Patientinnen aus Harburg in die Heil- und Pflegeanstalt Herborn `verlegt´. Am 16. Juni 1941 wurden sie von dort in die Tötungsanstalt Hadamar verbracht und noch am Tag der Ankunft in der Gaskammer ermordet.

Zwischen dem 13. Januar und dem 1. September 1941 wurden in Hadamar 10.122 Menschen mit Gas ermordet, "desinfiziert" wie es im Amtsdeutsch genannt wurde. Nach Abbau der Gaskammern wurden Patienten, die nicht schnell genug verhungerten, durch Injektionen mit Veronal, Luminal, Morphium oder Luft vom Pflegepersonal getötet.

Ida Zettel starb am 16. Juni 1941, der Familie wurde mitgeteilt, die Patientin sei an Typhus verstorben.

© Margrit Rüth

Quellen: Niedersächsisches Landesarchiv Hann. 155 Lüneburg Acc. 2004/066 Nr. 09679; Adreßbuch der Stadt Harburg für 1905; MUTIG ERINNERN: Interview Michael Mayberg; Auskunft Gedenkstätte Lüneburg 7.5.2024; https://gedenkort-t4.eu/historische-orte/landesheil-und-pflegeanstalt-herborn-vitos-herborn (Zugriff 21.9.2026); https://www.gedenkstaette-hadamar.de/ (Zugriff 21.9.2026).

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