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Alma Kleine * 1896

Bennigsenstraße 29 (Harburg, Harburg)


HIER WOHNTE
ALMA KLEINE
JG. 1896
EINGEWIESEN 1927
HEILANSTALT LÜNEBURG
HERBORN
´VERLEGT‘ 12.5.1941
HADAMAR
ERMORDET 12.5.1941
´AKTION T4‘

Alma Kleine, geboren am 24.4.1896 in Gartow/ Kreis Lüchow, am 28.3.1927 eingewiesen in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg, am 9.4.1941 in die Heil- und Pflegeanstalt Herborn und am 12.5.1941 in die Tötungsanstalt Hadamar `verlegt`, dort ermordet am 12.5.1941

Bennigsenstraße 29 (früher 3. Bergstraße 29), Stadtteil Harburg

Alma Kleine lebte mit ihren Eltern und ihrer Schwester in Heimfeld, in der Heimfelder Straße 19. Sie absolvierte eine Ausbildung als Lehrerin und arbeitete "früher in einer hiesigen Volksschule, seit einigen Jahren an der hiesigen Sammelschule (weltliche Schule)" in ihrem Beruf.

Im Alter von 26 Jahren änderte sich ihr Verhalten, sie wechselte die Wohnung und lebte dort sehr zurückgezogen. Aus Sicht ihrer Verwandten wurde ihr Verhalten immer auffälliger. Sie wollte nicht mehr an der Schule unterrichten und "hat ohne Wissen der Angehörigen Entlassungsgesuch beim Schulrat eingereicht".

Auf Wunsch der Angehörigen wurde sie im Dezember 1926 ins Krankenhaus Eppendorf gebracht. Dort stellte man eine Erkrankung der Schilddrüse fest. Wegen des auffälligen Verhaltens wurde sie am 17.12.1926 in die Provinzial Heil- und Pflegeanstalt zu Lüneburg eingewiesen und von dort in die Psychiatrische und Nervenklinik Friedrichsberg verlegt.

Anfang März 1927 kehrte sie nach Harburg zurück. Als sie Angehörigen gegenüber Suizidgedanken äußerte, wurde sie erneut ins Krankenhaus gebracht, diesmal ins Krankenhaus Harburg. Von dort aus wurde sie am 28.3.1927 wieder in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg eingewiesen.

Im Juni 1928 erkrankte sie an Diphtherie.

Ihr Verhalten und ihre gesundheitliche Situation werden in der Patientenakte sehr unterschiedlich beschrieben. Einige Tage galt sie als "ruhig und geordnet", dann wieder als schwierig, weil sie sich weigerte zu essen oder aus dem Bett aufzustehen. Positiv vermerkt ist: "Mutter besucht Pat(ientin) häufig, teilweise täglich".

In der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg wurden in den 1930er-Jahren Zwangssterilisationen an über 100 Patientinnen und Patienten vorgenommen. Vermutlich gehörte Alma Kleine zu ihnen.

Ab Herbst 1939 waren alle Heil- und Pflegeanstalten verpflichtet, Patienten mit körperlichen, geistigen und seelischen Erkrankungen an die Zentraldienststelle in Berlin, Tiergartenstraße 4, zu melden (Aktion T4). Dort entschieden ärztliche Gutachter über das weitere Schicksal der Patientinnen und Patienten. Über 70 000 Patienten fielen diesem Programm zum Opfer.

Aus Lüneburg wurden zwischen 1940 und 1941 im Zuge der Aktion T4 fast 500 Personen (sogenannte Ballastexistenzen) in die verschiedenen Tötungsanstalten überführt.
(Zudem wurden in der 1941 eingerichteten "Kinderfachabteilung" über 300 Kinder mit Luminal oder Morphium getötet.)

Am 9.4.1941 wurden Alma Kleine und vier weitere Patientinnen und Patienten aus Harburg in die Heil- und Pflegeanstalt Herborn "verlegt". Nach einem guten Monat wurden sie mit Bussen der "T4"-eigenen Transportgesellschaft in die Tötungsanstalt Hadamar gebracht. Die heutige Gedenkstätte berichtet: "Die Menschen wurden in der hierfür errichteten hölzernen Busgarage ausgeladen. Danach wurden sie in das Gebäude geführt und mussten sich in einem großen Saal ausziehen. Anschließend überprüften Angehörige des Verwaltungspersonals die Personalien und einer der Tötungsärzte legte die Todesursache, die in den gefälschten Unterlagen erscheinen sollte, fest."

Am 12.5.1941 wurden Alma Kleine und ihre Leidensgenossen nach Hadamar gebracht und noch an diesem Tag in der Gaskammer ermordet.

Ob ihre Angehörigen benachrichtigt wurden und was mit ihren sterblichen Überresten geschah, ist nicht bekannt.

Zwischen dem 13. Januar und dem 1. September 1941 wurden in Hadamar mehr als 10.000 Menschen ermordet, "desinfiziert", wie es im Amtsdeutsch genannt wurde. Nach dem offiziellen Stopp der "Euthanasie"-Morde wurde in den bisherigen Zwischen- und den Tötungsanstalten weiter gemordet: Durch Essensentzug, Injektionen mit Veronal, Luminal, Morphium oder Luft.

Stand: September 2026
© Margrit Rüth

Quellen: Niedersächsisches Landesarchiv Hann. 155 Lüneburg Acc. 2004/066/Nr. 09030; Bundesarchiv R179/3591; Adressbuch für Harburg-Wilhelmsburg 1928; Lüneplaner (Anna Christina Koch u. Eliza Hantsch), https://lueneplaner.de/ (Zugriff 21.9.2026); Auskunft Gedenkstätte Lüneburg 7.5.2024; https://www.gedenkstaette-hadamar.de/ (Zugriff 21.9.2026); Bundesarchiv R 179/3591.

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