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Paula Heipertz (geborene Levy) * 1889
Grindelhof 40 (Eimsbüttel, Rotherbaum)
HIER WOHNTE
PAULA HEIPERTZ
GEB. LEVY
JG. 1889
DEPORTIERT 1942
AUSCHWITZ
ERMORDET
Paula Heipertz, geb. Levy, geb. am 26.9.1889 in Hamburg, am 11.7.1942 nach Auschwitz deportiert, dort ermordet
Grindelhof 40
Paula, die eigentlich Pauline hieß, kam als Tochter des Ehepaars Eduard Levy und Sara, geborene Bauer, in Hamburg zur Welt. Der Vater war, wie schon der Großvater Ephraim Levy (gest. 16.8.1876) "Wagenfabrikant". Unter der Firmenbezeichnung "Levy Gebr." betrieb Eduard Levy als Mitinhaber in der Straße Große Drehbahn 6 in der Hamburger Innenstadt eine "Luxus-Wagenfabrik". Das Haus befand sich seit 1877 im Familienbesitz. Paula hatte mindestens acht Geschwister: Minna, später verheiratete Pettersson, geb. 16.9.1871, Henriette, später verheiratete Meyer, geb. 20.7.1876, Emilie (Mile), später verheiratete Block, geb. 13.7.1878, Mariane/Mary, später verheiratete Boas, geb. 17.6.1881, James Levy, geb. 3.8.1884, Julie Levy, geb. 25.1.1885, Jeannette Levy, geb. 27.7.1882 und Alice Levy, geb. 26.2.1888, die beiden letztgenannten starben bereits als Kleinkinder.
Der Vater Eduard Levy verstarb am 2. September 1898 im Alter von 58 Jahren in der Wohnung Drehbahn 6. Seine Witwe Sara Levy zog einige Jahre später zu ihren verheirateten Töchtern nach Königsberg in Preußen (heute Kaliningrad). Sie starb dort am 17. Februar 1920.
Paula heiratete 1926 in Duisburg den nichtjüdischen Makler Hugo Heipertz, dessen Religion mit protestantisch angegeben wurde. Das kinderlose Ehepaar lebte 1929 in der Duisburger Hohenstaufenstraße 15. Paula Heipertz zog nach Düsseldorf zu der Familie ihrer Schwester Mariane/Mary Boas in die Roßstraße 20. 1930 eröffnete sie Am Wehrhahn 18 eine "Spezial-Offenbacher" Lederwarenhandlung. Drei Jahre später 1933 verzeichnet das Düsseldorfer Adressbuch sie in der Düsselthaler Straße 3 ohne Angabe eines Geschäftes. Für Hugo Heipertz findet sich ein erster Eintrag erst 1936 in der Düsseldorfer Litzmannstraße 29. Wann die Ehe zerbrach und geschieden wurde ist nicht bekannt.
Offensichtlich ohne Vermögen zog Paula Heipertz 1936 nach Hamburg zurück. Zunächst lebte sie in der Hartungstraße 7a, zur Untermiete, 1937 wechselte sie in den Grindelhof 40e zu Meyer. Nach einem Eintrag der Jüdischen Gemeinde, bei der sie nun wieder registriert war, lebte sie "im Haushalt des verarmten Schwagers völlig mittellos" und ohne Einkommen. Ihre Schwester Henriette Meyer, die mit dem ehemaligen Redakteur Friedrich Karl Meyer (geb. 24.7.1871 Osnabrück) verheiratet war, verstarb am 25. Mai 1935 in Königsberg in Preußen.
Wie alle Jüdinnen musste Paula Heipertz 1938 den Zwangsnamen "Sara" annehmen. Wie es vorgeschrieben war, musste sie diesen selbst beantragen. Am 11. November 1938 trug der Standesbeamte ihn dann als Beischrift zu ihrer Geburtsurkunde ein.
Paula Heipertz hatte durch die Scheidung den (fragilen) Schutz einer "privilegierten Mischehe" verloren, der sie zumindest bis kurz vor Kriegsende vor der Deportation bewahrt hätte. So aber erhielt sie den Deportationsbefehl für den Transport von Hamburg nach Auschwitz am 11. Juli 1942. 300 Jüdinnen und Juden bestiegen den Zug, der sie nach Auschwitz-Birkenau brachte. Die Gestapo hatte als Ziel "unbekannt" auf der Deportationsliste vermerkt, und auch in Auschwitz wurden die Namen der Eingetroffenen nicht registriert. Sie wurden wahrscheinlich unmittelbar nach der Ankunft mit Gas ermordet.
Die Bürokratie in Hamburg hingegen arbeitete weiter: Durch einen Gerichtsvollzieher wurden am 1. September 1942 für 125,50 Reichsmark (RM) wenige Kleider, Bettwäsche und Schuhe von Paula Heipertz versteigert. Abzüglich der Gebühren und Versicherungskosten wurden 117,65 RM auf das Konto der Hamburger Oberfinanzkasse überwiesen.
Nach dem Krieg wurde die Hamburger Bürokratie noch einmal tätig: Am 17. Februar 1947 erklärte sie den Zwangsnamen "Sara" auf der Beischrift zur Geburtsurkunde für ungültig. Da war Paula Heipertz bereits viereinhalb Jahre tot.
Auch Paula Heipertz’ Geschwister wurden deportiert: Emilie (Mile), verheiratete Wolley wohnte in Königsberg in Preußen. Ihr Ehemann, der Viehhändler Gustav Wolley verstarb am 9. August 1911 im Alter von 45 Jahren. Am 2. November 1912 heiratete sie den Kaufmann Adolf Warnecke (geb. 24.4.1889). Sie ging nach dessen Tod noch eine weitere Ehe mit dem ebenfalls nichtjüdischen Gustav Carl Block ein. Diese Ehe hielt nicht und nach der Scheidung kehrte auch sie nach Hamburg zurück. Nach ihrer 1940 hier angelegten Kultussteuerkarte war Emilie Block auf Wohlfahrtunterstützung angewiesen und wohnte in der Curschmannstraße 37 IV, bis sie in die Bundesstraße 43 in ein sogenanntes Judenhaus umziehen musste. Am 6. Dezember 1941 wurde sie nach Riga-Jungfernhof deportiert. Auf der Deportationsliste steht sie mit dem Vornamen Emmy, als Beruf wurde Buchhalterin angegeben.
Mariane/Mary Levy hatte am 18. Oktober 1910 den Kaufmann Philipp Felix Boas (geb. 1.5.1867 in Exin) in Berlin geheiratet. Dort wurde auch Tochter Ruth Senta am 2. Mai 1911 geboren. Die Familie wohnte in Berlin-Wilhelmsdorf, zuletzt 1919 in der Uhlandstraße 114. Dann zogen sie nach Düsseldorf, wo Philipp Felix Boas 1930 verstarb. Nach dem Düsseldorfer Adressbuch betrieb Mariane/Mary Boas noch 1939 ein Geschäft für "Pelze und Kleiderverkauf" in der Stockkampstraße 34. Mariane/Mary Boas zog im Mai 1939 mit ihrer Tochter Ruth Senta und Schwiegersohn Rudi (Rudolf) Goldstein, (geb. 5.9.1904 Ruda/Schlesien) über Karlsruhe nach Hamburg. Ruth und Rudi hatten am 21. August 1938 in Düsseldorf geheiratet. In Hamburg wohnten sie zur Untermiete in der Klosterallee 7. Am 8. Oktober 1941 wurde sie gemeinsam nach Minsk deportiert. (Rudi Goldstein’ verwitwete Mutter Anna Goldstein, geb. Kamm, geb. 5.1.1878 in Königshütte/Schlesien wurde mit ihrem jüngeren Sohn Harry Goldstein, geb. 1.11.1909, am 22. Oktober 1940 von Karlsruhe in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich deportiert, wo Anna Goldstein am 14. November 1941 verstarb. Harry Goldstein wurde am 2. September 1942 in Auschwitz ermordet.)
Auch James Levy soll nach Informationen Verwandter in Minsk ermordet worden sein (sein Name taucht in den Deportationslisten und im Gedenkbuch des Bundesarchivs nicht auf).
Die Schwester Julie Levy, Kontoristin in Hamburg, war bereits am 23. September 1915 verstorben.
Paula Heipertzs älteste Schwester Minna war nach Schweden emigriert, nach Aussage ihres Nachfahren Hans-Göran Dahl überlebte sie als einzige der Familie. Er hinterlegte 2015 ein Testimony in Yad Vashem und schätzt die Zahl der ermordeten Familienmitglieder auf 25 Personen.
Stand: April 2026
© Jil-Aminata Gasirabo, Julia Schoeler/Änderungen u. Ergänzungen Beate Meyer
Quellen: 1; 5; 8; 9; StaH 214-1 Gerichtsvollzieherwesen 330. https://www.statistik-des-holocaust.de/OT420711-5.jpg (Zugriff 2.4.2026); https://collections.yadvashem.org/en/names/13921941 (Zugriff 2.4.2026);
https://gedenkbuch-duesseldorf.de/memory-book/goldstein-max-moses/ (Zugriff 14.4.2026);
https://gedenkbuch-duesseldorf.de/memory-book/goldstein-rudi-rudolf/; (Zugriff 14.4.2026);
https://stadtgeschichte.karlsruhe.de/fileadmin/user_upload/07_Mandantenseiten/Stadtarchiv/05_Stadtgeschichte/04_Publikationen/Vergriffene/Hakenkreuz_und_Judenstern.pdf#page=469 (Zugriff 10.4.2026); https://gedenkbuch.karlsruhe.de/namen/1269 (Zugriff 10.4.2026); ancestry.com (Zugriff 2.4.2026); Angela Genger (Hg.), Verfolgung und Widerstand in Düsseldorf 1933-1956, Essen 1981, S. 61, https://www.wikitree.com/wiki/Levy-4442; diverse Adressbücher Duisburg und Düsseldorf.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".


