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Therese Kümpke * 1883
Hohe Straße 31 (Harburg, Harburg)
HIER WOHNTE
THERESE KÜMPKE
JG. 1883
EINGEWIESEN 1937
HEILANSTALT LÜNEBURG
HERBORN
´VERLEGT‘ 16.6.1941
HADAMAR
ERMORDET 16.6.1941
´AKTION T4‘
Therese Kümpke, geb. Marlinecke, geb. am 22.8.1883 in Harburg, Einweisung in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg am 7.8.1933, `verlegt´ in die Heil- und Pflegeanstalt Herborn am 30.4.1941, `verlegt´ in die Tötungsanstalt Hadamar am 16.6.1941, dort ermordet am 16.6.1941
Hohe Straße 31, Stadtteil Harburg
Therese Kümpke (in den Dokumenten auch: Kümpt) wurde am 22.8.1883 in Harburg geboren und katholisch getauft. Wir wissen nichts über ihre Kindheit und Jugend. 1919 heiratete sie Wilhelm Kümpke. Die Ehe blieb kinderlos.
Wilhelm Kümpke berichtete dem Hausarzt im August 1933 von zunehmenden Sinnestäuschungen seiner Frau seit Anfang desselben Jahres. Sie sei zunehmend erregt und unruhig. Nachbarn in der Hohen Straße bestätigten, dass Therese Kümpke Hausbewohner mit Wasser begossen und einen Nachbarn auch geschlagen habe. Sie poltere viel herum, es sei eine ständige Ruhestörung.
Schließlich kam es auch dazu, dass sie ihren Mann mit einem Messer bedrohte, er sich daraufhin in einem Zimmer einschloss. In der Zeit um Pfingsten, vermutlich 1933, versuchte sie sich aus dem Fenster zu stürzen. Vermutlich war dies der Zeitpunkt, an dem Therese Kümpke für zweieinhalb Wochen in das damalige Krankenhaus Harburg-Wilhelmsburg kam. Dieser Aufenthalt brachte keine Besserung.
Am 7.8.1933 wurde Therese Kümpke mit einem hausärztlichen Attest vom 2.8.1933 schließlich in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg aufgenommen und von dort am 14.3.1934 als "ungeheilt" in "Dr. Kurt Fontheim’s Privat-Heil-und Pflegeanstalt" in Liebenburg im Harz entlassen. Der dortigen Krankenakte ist zu entnehmen, dass Therese Kümpke teilnahmslos schien und eine Verständigung kaum möglich gewesen sei. Sie halluziniere viel. Im Oktober 1936 ist vermerkt, dass Therese Kümpke krank gewesen und ins Lazarett eingeliefert worden war. Im Januar 1937 kehrte sie auf ihre Station zurück, musste aber bereits im Februar wieder ins Lazarett wechseln. Therese Kümpke, so notierte das Personal, sei zunehmend aggressiv geworden. Sie schimpfe, wenn man sie anspreche, und drohe damit, tätlich zu werden.
Am 14.7.1937 wurde sie schließlich zurück in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg gebracht. Die Diagnose lautete jetzt "Schizophrenie und paranoide Demenz". Aus dem Protokoll einer körperlichen Untersuchung am 15.7.1937 geht hervor, dass sie 169 cm groß war und 44,5 kg wog. Weiter sind ihre Hautfarbe und ihre Augen beschrieben und die Einstufung "nordischer Typ mit maritimem Einschlag" vorgenommen.
Neurologisch lag bei dieser Untersuchung nichts Besonderes vor, aber am 16.7.1937 wurde sie dem Amtsarzt wegen andauernder Lungenprobleme gemeldet. Dieser stellte einen schlechten Ernährungs- und Kräftezustand und stark kariöse Zähne fest.
In den drei Jahren, die nun folgten, wurde immer mal wieder die Blutsenkung gemessen und insgesamt festgehalten, dass Therese Kümpke ein wenig zu Kräften gekommen sei und wieder an Gewicht gewonnen habe. War sie nach dem Aufenthalt in Liebenburg mit 44,5 kg in Lüneburg wieder aufgenommen worden, so habe sie im Mai 1940 immerhin 51 kg und im Oktober sogar 55 kg gewogen.
Das bewahrte sie nicht vor dem Schicksal, das am 30.4.1941 Patientinnen und Patienten nicht nur in der Lüneburger Anstalt traf:
Im Herbst 1939 ermächtigte Hitler seinen Leibarzt Karl Brandt und Philipp Bouhler (Leiter der Kanzlei des Führers, KdF) an "unheilbar Kranken" den "Gnadentod" ausführen zu lassen. Die KdF beherbergte die Zentrale des euphemistisch "Euthanasie" genannten Massenmords in der Berliner Tiergartenstraße 4. Daher erhielt die Mordaktion später den Namen "T4". Die deutschen Heil- und Pflegeanstalten wurden nun angewiesen, arbeitsunfähige, pflegeaufwendige und »störende« Patientinnen und Patienten dorthin zu melden. Ärztliche Gutachter selektierten dann anhand dieser Meldebögen, wer in den Krankenmord einbezogen werden sollte. Um die klare Absicht des Tötens zu verschleiern, wurden die Patienten zunächst in Zwischenanstalten geschickt. Dazu wurden reichsweit 25 Anstalten bestimmt, unter anderem in Herborn. In einem zweiten Schritt wurden die Betroffenen dann von dort in eine der sechs Tötungsanstalten transportiert. Eine davon war Hadamar in Hessen. Hier wurden sie in der Regel noch am selben Tag mit Gas erstickt. Diese Phase der Krankenmorde dauerte von 1939 bis August 1941.
Therese Kümpke wurde am 30.4.1941 in die Zwischenanstalt Herborn und sechs Wochen später, am 16.6.1941, in die Tötungsanstalt Hadamar verlegt – wo sie noch am selben Tag ermordet wurde.
Ob ihr Ehemann oder Angehörige benachrichtigt wurden und was mit ihren sterblichen Überresten geschah, ist nicht bekannt.
Stand: September 2026
© Christiane Schnell
Quellen: Niedersächsisches Landesarchiv Han. 155 Lüneburg Acc. 2004/066 Nr. 09093; Adressbuch für Harburg-Wilhelmsburg 1934; https://gedenkort-t4.eu/historische-orte/landesheil-und-pflegeanstalt-herborn-vitos-herborn (Zugriff 21.9.2026); https://www.gedenkstaette-hadamar.de/ (Zugriff 21.9.2026); Bundesarchiv R179/27425.

