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Paul Wilhelm Schwarz
Paul Wilhelm Schwarz
© Privatbesitz

Paul Wilhelm Schwarz * 1888

Estedeich 30 (Harburg, Cranz)


HIER WOHNTE
PAUL WILHELM
SCHWARZ
JG. 1888
VERHAFTET 22.11.1941
´REGIMEKRITISCHE
ÄUSSERUNGEN`
GEFÄNGNIS FUHLSBÜTTEL
25.11.1941 STADTHAUS
ERMORDET 23.12.1941

Paul Wilhelm Schwarz, geboren am 27.3.1888 in Cranz, am 22.11.1941 verhaftet und eingewiesen in das KZ/Polizeigefängnis Fuhlsbüttel, dort verstorben am 23.12.1941

Estedeich 30 (früher Dorfstraße 19), Stadtteil Cranz

Paul Wilhelm Schwarz kam am 27.3.1888 als erstes Kind von Otto Schwarz (1863-1918) und Katharina Schwarz, geb. Quast (1865-1949) in Cranz zur Welt. Bis 1907 wurden noch drei Schwestern und drei Brüder geboren.

Seine Eltern lebten in Cranz und betrieben hier neben einer Schlachterei ab 1892 die Gaststätte "Zur schönen Aussicht". Dabei wurden sie zunehmend von ihren Kindern unterstützt. Über die Kindheit und Jugend von Paul Wilhelm Schwarz ist uns nichts bekannt.

Er arbeitete als Schlachtergeselle in Harburg, Bremerhaven und Hameln und trug sich mit dem Gedanken, zu einem Onkel in die USA auszuwandern, der eine Schlachterei in New York führte. Sein Vater überredete ihn, sich stattdessen selbstständig zu machen. Am 10.1.1909 eröffnete Schwarz seine eigene Schlachterei in Cranz (Dorfstraße 19) und wurde zunächst von seiner Schwester Minna unterstützt. In seinem Betrieb stellte er mit Fleischwolf, Wiegeblock und Füllmaschine erstmals die berühmte "Altländer Mettwurst" her.

Paul Wilhelm Schwarz heiratete am 1.2.1910 Emma Fahje (1888-1977). Sohn Otto (1911-1942) wurde am 18.11.1911 geboren, der zweite Sohn Paul (1914-2007) folgte am 3.6.1914.

In ein eigenes Kühlhaus investierte Paul Wilhelm Schwarz 10.000 Goldmark. Nun konnten auch im Sommer frische Fleischwaren verkauft werden – ein Meilenstein auf dem Weg zum Industriebetrieb. Doch 1914 musste der Betrieb vorübergehend stillgelegt werden, weil Schwarz als Soldat in den 1. Weltkrieg eingezogen wurde. 1916 geriet er in der Schlacht an der Somme in französische Kriegsgefangenschaft und kehrte erst 1920 aus der Kriegsgefangenschaft nach Cranz zurück. Schnell widmete er sich wieder dem Ausbau seiner Schlachterei. Am 7.11.1922 legte er die Prüfung zum Schlachtermeister erfolgreich ab.

Die Schlachterei überstand – auch dank des unternehmerischen Geschicks von Paul Wilhelm Schwarz und des großen Einsatzes der Belegschaft – die wirtschaftlichen Krisen der 1920er- und frühen 1930er-Jahre.

In der Zeit des Nationalsozialismus kam es zunächst zu einer Vergrößerung und Modernisierung des Betriebs. 1936 kaufte Schwarz das Nachbargrundstück der Schlachterei mit der damaligen Cranzer Mühle, um Erweiterungsmöglichkeiten zu haben. Aufgrund des Groß-Hamburger-Gesetzes vom 1.4.1937 wurde Cranz nach Hamburg eingemeindet, nachdem es zuvor zum Regierungsbezirk Stade in der preußischen Provinz Hannover gehört hatte. 

Am 1.5.1937 trat Paul Wilhelm Schwarz in die NSDAP ein. Es ist denkbar, dass die neuen staatlichen Rahmenbedingungen und mutmaßlich neue Kontaktpersonen aus Hamburg eine Rolle für den NSDAP-Beitritt zu diesem Zeitpunkt gespielt haben. Der örtliche Polizeimeister bemerkte hierzu später: "Schwarz war in der Partei (…), er ist aber politisch überhaupt nicht in Erscheinung getreten, und hat sich niemals gegenüber seinen Mitmenschen schlecht oder zum Nachteil verhalten." (Ewald Liebelt 1954)

Mit Beginn des 2. Weltkriegs 1939 wurden seine beiden Söhne eingezogen. Da es nur noch Fleisch "auf Zuteilung" gab, war eine weitere Vergrößerung des Betriebs unmöglich. Gegenüber dem Cranzer Polizeimeister berichtete Schwarz kurz vor seinem Tod 1941 von einer Auflage, Konzentrationslager mit minderwertigen Fleischwaren zu Unterpreisen beliefern zu müssen.

Er scheint mehrfach öffentlich (u.a. auf einer Fährfahrt von Cranz nach Blankenese) seine Kritik am Nationalsozialismus zum Ausdruck gebracht zu haben. Seine "regimekritischen" Äußerungen betrafen insbesondere den Krieg und Kriegsverlauf, wie sich Emma Schwarz erinnerte: "Mein Mann hat, aufrichtig wie er stets war, schon frühzeitig gelegentlich sein Mißfallen über die Kriegspolitik der damaligen Machthaber geäußert." (Emma Schwarz 1953)

Sein damaliger Geschäftspartner Karl Jensen berichtete über Schwarz' Haltung zum NS-Staat: "Dass er mit seiner ehrlichen Einstellung keine Sympathie für den Nationalsozialismus hatte, war mir und vielen anderen sehr verständlich. Herr Schwarz war auch derjenige, der mit seiner Ansicht über die Männer des Dritten Reiches nicht hinter dem Berg hielt. Leider musste er seine aufrichtige Gesinnung mit dem Tode bezahlen." (Karl Jensen 1953)

Paul Wilhelm Schwarz wurde am 22.11.1941 auf dem Schlachthof in Hamburg-St. Pauli durch die Gestapo verhaftet und zunächst im KZ/Polizeigefängnis Fuhlsbüttel inhaftiert. Am 25.11.1941 wurde er ins Stadthaus (Gestapo-Hauptquartier) überstellt. Nach ungefähr 14 Tagen wurde er aus der Haft entlassen. Zu Hause sprach er mit seiner Frau, seinem Bruder Wilhelm (1897-1968), einigen Bekannten und dem örtlichen Polizisten über die erlittenen Misshandlungen während der Haftzeit, obwohl ihm dies von der Gestapo untersagt worden war.

Seinem Bruder Wilhelm berichtete er kurz nach seiner Rückkehr: "Ich wurde als Staatsfeind behandelt, mußte Stunden mit dem Gesicht zur Wand auf Zehenspitzen stehen. Wenn die Kräfte nachließen, die Fersen sich senkten, wurde ich so lange mit Stockschlägen bedacht, bis ich den Zehenstand wieder einnahm. Der Glaube an eine bessere Zukunft, an meine im Felde stehenden Söhne gaben mir die Kraft, das Unmenschliche zu überstehen. Ich habe unterschreiben müssen, nichts über die Art der Behandlungen zu sagen, halte es jedoch für meine Pflicht, meine Verwandten und Freunde in diese Machenschaften der dortigen Schweinehunde einzuweihen. Ich werde diese Quälereien, sollte ich noch wieder verhaftet werden, nicht gesund überstehen." (zit. n. Wilhelm Schwarz 1947)

Emma Schwarz erinnerte sich wie folgt an die Inhaftierung ihres Mannes: "Er wurde dort auf das Schwerste mißhandelt. Nach etwa 14 Tagen war er ein gebrochener Mann, als man ihn mit der Verpflichtung entließ, über die ihm angetanen Mißhandlungen zu schweigen. Er äußerte zu mir und einigen Freunden, er werde eine erneute Verhaftung nicht überleben. Es gehe unmenschlich dort zu." (Emma Schwarz 1953)

Auch der Cranzer Polizist Ewald Liebelt sagte später aus, Schwarz habe ihm berichtet, "dass er in Fuhlsbüttel sehr unmenschlich behandelt worden war, er habe dort Schläge erhalten und sei auf die unmenschlichste Art gequält worden". (Liebelt 1954)

Kurz vor Weihnachten 1941 kam es zu einer erneuten Verhaftung durch die Gestapo und zu einer Inhaftierung im KZ/Polizeigefängnis Fuhlsbüttel. Dies geschah "wieder ohne Angabe von Gründen" (Emma Schwarz). Wilhelm Schwarz war der Meinung, dass sein Bruder "von politischen Gegnern verraten" wurde (Wilhelm Schwarz 1947).

Am 23.12.1941 um 5.00 Uhr starb Schwarz im KZ/Polizeigefängnis Fuhlsbüttel. Als Todesursache vermerkte der zuständige Distriktsarzt auf der Todesbescheinigung "Strangulation (Selbstmord)".

Seiner Frau Emma wurde einige Tage nach Weihnachten mitgeteilt, ihr Mann sei an "Herzschlag" gestorben. Eine Leichenschau oder Leichenöffnung wurden streng untersagt. Emma äußerte Zweifel an einem natürlichen Tod ihres Mannes: "Ich bemerke, dass mein Mann ein Hüne von Gestalt und sein Leben lang von strahlender Gesundheit war. (…) Mein Mann ist wie viele andere regelrecht zu Tode gemartert worden. Das ist bei Gott meine feste Überzeugung." (Emma Schwarz 1953)

Nach Rücksprache mit dem örtlichen Polizisten Ewald Liebelt gab die Gestapo am 29.12.1941 den Leichnam an die Familie frei. Liebelt wurde angewiesen, "die Sache so darzustellen, als ob Schwarz eines natürlichen Todes gestorben sei."
Der Leichnam kam in einer Kiste nach Hause. Bruder Wilhelm Schwarz nahm die Leiche in Empfang und erkannte Strangulationsspuren am Hals. Damit stand für ihn fest, dass Paul Wilhelm in der Haft erhängt wurde.

Am 2.1.1942 wurde Schwarz auf dem Friedhof in Estebrügge in aller Stille beigesetzt. Laut Wilhelm Schwarz war "Partei, Verbänden, Feuerwehr, Polizei (…) die Teilnahme untersagt." Zur Beobachtung der Trauerfeier war die Gestapo anwesend.

1954 wurde ein Wiedergutmachungsantrag der Witwe Emma Schwarz von der Hamburger Sozialbehörde nach eingehender juristischer Prüfung abgelehnt. Formaler Grund der Ablehnung war die NSDAP-Mitgliedschaft ihres Mannes. Als ursächlich für dessen Verhaftung durch die Gestapo wurde ein "Wirtschaftsvergehen" gesehen, weil Schwarz an Konzentrationslager Wurstwaren geliefert habe, die "nicht einwandfrei" gewesen seien. – Ohne näher auf diese (aus heutiger Sicht zumindest fragwürdige) Einschätzung der Nachkriegsjustiz einzugehen, bleibt eine Tatsache unstrittig: Der Cranzer Schlachtermeister Paul Wilhelm Schwarz geriet Ende 1941 in die Fänge des Terrorregimes, wurde in Gestapo-Haft gefoltert und ermordet.

Sohn Otto Schwarz starb wenige Wochen nach dem Tod seines Vaters als Soldat in Russland an den Folgen einer Verwundung. Der jüngere Sohn Paul baute die väterliche Schlachterei nach 1945 wieder auf.

Stand: September 2026
© Dr. Hendrik Hauschild (Urenkel Paul Wilhelm Schwarz’)

Quellen: StaHH 332-5 64155; StaHH 351_11 10776; StaHH 331-1 II-7252, Seite 3878; Harburger Opfer des Nationalsozialismus S.15 (Bezirksamt Harburg Hrsg.); Hoffmann, Jürgen: Gaststätte "Zur schönen Aussicht" in Cranz. Hamburg 2008; Schwarz, Paul: Firmenchronik der Schwarz-Cranz GmbH & Co. Hamburg 1987; https://web.archive.org/web/20161011172958/http://deutsche-unternehmer-familien.de/familienunternehmen-schwarz-cranz-in-ueber-160-jahren-zum-erfolg/.


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