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Rudolf Bartelt * 1911

Marckmannstraße 100 (Hamburg-Mitte, Rothenburgsort)


HIER WOHNTE
RUDOLF BARTELT
JG. 1911
VERHAFTET 1936
KZ FUHLSBÜTTEL
STRAFBATAILLON 999
TOT 28.8.1944

Rudolf Bartelt, geb. 28.5.1911 in Hamburg, am 28.8.1944 gestorben bei Riga

Marckmannstraße 100 (Marckmannstraße 102)

"In subjektiver Hinsicht hat der Angeklagte Bartelt eingeräumt, sich dessen bewusst gewesen zu sein, dass durch die Verbreitung der Zeitungen die alten Genossen zusammengefasst und durch die eingehenden Gelder die Bestrebungen der illegalen SPD gefördert werden sollten", so der Anklagevertreter des Hanseatischen Oberlandesgerichts am 15. August 1935 in seiner Urteilsbegründung gegen Rudolf Bartelt.

Dieser wurde als Sohn des Kranführers Rudolf Bartelt und seiner Ehefrau Martha, geb. Roggow, in Hamburg-Rothenburgsort geboren. Er besuchte die achtjährige Volksschule mit Erfolg und nahm eine Buchbinderlehre auf, während der er sich der "Gewerkschaft Graphisches Gewerbe" anschloss. 1929 trat er der SPD bei, 1931 auch dem Reichsbanner, und fungierte von 1932 bis zum Verbot der SPD als Bezirksleiter. Als er seine Stellung verlor, beteiligte er sich an der Gründung der "Erwerbslosen-Selbsthilfe" und bekleidete ehrenamtlich den Posten des Küchenmeisters. 1933 übernahm die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) die Selbsthilfeeinrichtung und stellte ihn fest ein.

In Rothenburgsort strebte der Bezirkskassierer der SPD, Franz Wendt, einen Wiederaufbau der Partei an. Er sammelte die Genossen, versorgte sie mit Schriften und organisierte die Unterstützung für die Angehörigen von inhaftierten Funktionären und Mitgliedern zur "Aufrechterhaltung des ‚alten Geistes der SPD’ und des ‚Geistes der Solidarität’". Rudolf Bartelt wirkte mit bei der Verbreitung der "Sozialistischen Aktion" und der "Roten Blätter". Auch besaß er ein Exemplar der Flugschrift mit dem Tarntitel "Die Kunst des Selbstrasierens". Die Hefte wurden verkauft oder im Dienste der Propaganda weitergegeben, die Erlöse flossen wie die Spenden der Unterstützungskasse in der Verantwortung Franz Wendts zu.

Ende August 1934 wurde Rudolf Bartelt bei der Volkswohlfahrt entlassen. Die Gründe dafür sind nicht bekannt. Am 15. Februar 1935 wurde er wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" und "Verstoßes gegen das Gesetz zur Neubildung von Parteien" in Untersuchungshaft in Fuhlsbüttel eingeliefert. Der Vorwurf lautete, der Inhalt der illegal verbreiteten Schriften diene der "Zerschmetterung" der neuen Staatsform und die Unterstützung inhaftierter Genossen habe denselben Zweck. Die sechsmonatige Untersuchungshaft endete mit der Hauptverhandlung am 15. August 1935, dem achten Teilverfahren "Wendt und Genossen" des Prozesses "Menke und Genossen", in dem sich Rudolf Bartelt zusammen mit 13 Anderen zu verantworten hatte. Der Hochverratsvorwurf ließ sich nicht aufrechterhalten, so dass allein der Verstoß gegen § 2 des Ge¬setzes vom 14. Juli 1935 gegen die Neubildung von Parteien geahndet wurde. Das dafür vorgesehene Strafmaß bewegte sich zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Rudolf Bartelt wurde zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis verurteilt. Unter Anrechnung der Untersuchungshaft endete seine Haftzeit am 8. August 1936. Am 9. April 1937 heirateten Rudolf Bartelt und Frida Eschenburg und zogen in die Marckmannstraße 102; aus ihrer Ehe ging ein Kind hervor.

Aufgrund eines Erlassen vom Februar 1942 wurden ab 2. Oktober 1942 Wehrunwürdige bedingt in die Wehrmacht aufgenommen. Statt zum normalen Wehrdienst setzte man sie zur "Frontbewährung" ein, oft in Bewährungsbataillonen. Rudolf Bartelt, 33 Jahre alt, erhielt am 3. Juni 1944 die Einberufung zum Landesschützen-Bataillon 653 in Lübeck und kam als Gefreiter in Lettland zum Einsatz, und zwar im Vorfeld der Riga-Offensive im 2. Sicherungs-Bataillon 1901. Dieses gehörte zur Heeresgruppe Nord, die durch die "Operation Doppelkopf" wieder mit der Heeresgruppe Mitte verbunden werden sollte, was am 27. August erfolgreich abgeschlossen wurde. Rudolf Bartelt erlitt eine Granatsplitterverwundung am Kopf, an der er am 28. August 1944 im Feldlazarett starb. Die Riga-Offensive begann am 14. September 1944 und endete mit dem Sieg der Roten Armee am 24. Oktober 1944.

Rudolf Bartelt erhielt ein Einzelgrab auf dem Waldfriedhof Riga-Ost, heute Ehrenfriedhof Beberbeki. Die Gräber wurden später mit Ziviltoten belegt.

Frida Bartelt ging davon aus, dass ihr Mann als Angehöriger eines Bewährungsbataillons 999 gestorben war. Nach ihrem Tod übernahm 1952 der Großvater Rudolf Wilhelm Bartelt die Vormundschaft für seinen Enkel. Am 19. September 1952 wurde Rudolf Bartels Tod bei Riga aufgrund einer Auskunft der "Wehrmachtsauskunftsstelle für Angehörige" beim Standesamt Veddel eingetragen.

Stand Dezember 2014

© Hildegard Thevs

Quellen: VAN-Totenliste 1968; StaH 332-5 Standesämter, 1320-139/1952; 351-11 AfW, 26502; Archiv der VVN Hamburg B 6; FZH Archiv, 833-8, SPD 1933-1945 Prozesse, Band 3, Nr. 8; Für Freiheit und Demokratie, Hamburg 2003; http://www.harte--zeiten.de/dokument_396.html; ttps://en.wikipedia.org/wiki/Riga_Offensive_(1944)Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Gräbersuche online; Deutsche Dienststelle Berlin, II B 415 106-14 1308 14 188, am 19.11.2014.

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