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Passfoto Kaatje Benninga, ca. 1942
Kaatje Benninga, ca. 1942
© Unbekannt; https://jck.nl/

Dr. Kaatje Benninga * 1898

Grindelberg 7 (Eimsbüttel, Harvestehude)

aus NL nach Sobibor

Weitere Stolpersteine in Grindelberg 7:
Marion Marcus

Kaatje Benninga, geb. 8.7.1898 in Hamburg, deportiert am 2.3.1943 aus dem Lager Westerbork nach Sobibor, ermordet am 5.3.1943

Billhorner Röhrendamm 117

Der niederländische Zigarren-Agent Simon Benninga und seine Frau Johanna, geb. Weinberg, geb. 6.5.1870 in Rabber, Landkreis Osnabrück, ließen sich 1897 in Hamburg nieder. Sie traten vermutlich gleich der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburgs (DIGH) bei, denn als 1913 die neue Steuerkartei eingeführt wurde, gehörte das Ehepaar Benninga zu den Verzeichneten. Johanna Benninga erwarb durch ihre Heirat die niederländische Staatsangehörigkeit.

An ihrem langjährigen Wohnsitz in der Rappstraße 22 kam am 8.7.1898 ihre einzige Tochter, Kaatje, zur Welt. Über ihre Kindheit, Jugend, Ausbildung und Kontakte zu den Verwandten ist nichts Konkretes bekannt. Sie erwarb Kenntnisse in Krankenpflege während eines Aufenthalts in Paris, absolvierte aber ihr Medizinstudium in Deutschland, wo sie ihre medizinische Ausbildung am 28. Mai 1923 mit der ärztlichen Prüfung in Hamburg beendete. Am 11. Juli 1924 erhielt sie ihre Approbationsurkunde. Statt eines Doktordiploms legte sie dem Medizinalkollegium eine Bescheinigung über die bestandene Doktorprüfung vor und wurde m 7. August 1924 unter der Nummer 286 in die Matrikel, das Register der Hamburger Ärzte, aufgenommen.

Kaatje Benninga schloss sich dem orthodoxen Synagogen-Verband an, einer der Kultusvereinigungen, die unter dem Dach der jüdischen Gemeinde arbeiteten. Sie wohnte und praktizierte in Rothenburgsort, Billhorner Röhrendamm 117, als Allgemeinärztin mit Kassenzulassung und als Vertragsärztin der Wohlfahrtspflege. Ihr Vermieter war die Rudolph-Karstadt-AG, die im Erdgeschoss eine Epa-Filiale betrieb. Die Epa, das Einheitspreisgeschäft, passte sich mit ihren Niedrigpreisen der Armut der Bevölkerung an (wie es der heute an der gleichen Stelle stehende KiK-Textil-Discounter tut).

Kaatje Benningas Praxis- und Wohnräume lagen im Hochparterre neben denen des Nervenarztes Matzdorff. Man darf annehmen, dass sie sich bewusst dafür entschied, sich in dem Arbeiterviertel mit seiner hohen Mütter- und Kindersterblichkeit niederzulassen. In den Anfangsjahren ihrer Tätigkeit blieb ihr steuerpflichtiges Einkommen sehr gering, steigerte sich aber in den darauf Jahren bis 1935, obwohl sie bereits 1933 ihre Kassenzulassung verlor. Zugleich wurde sie "aus der Wohlfahrtspraxis ausgeschieden", was angesichts der Bedürftigkeit vieler ihrer Patienten und Patientinnen sehr schmerzlich war. Gründe für den Einbruch 1935/36 lassen sich nur mutmaßen, ebenso wie für die wirtschaftliche Erholung nach ihrem Umzug zum Grindelberg 7. Es scheint, dass sie noch einmal eine Privatpraxis etablieren konnte.

Der Vater Simon Benninga starb 1926 in Amsterdam. Die Mutter gab im Juni 1926 ihre Wohnung auf und lebte danach möbliert in der Banksstraße in Hammerbrook, unweit ihrer Tochter, und von 1935 bis zu ihrer Auswanderung in die Niederlande am 12. August 1938 am Grindel. Johanna Benninga zog zu Verwandten nach Amsterdam. Kaatje veranlasste die Nachsendung des Umzugsguts, das lediglich aus wenigen gebrauchten Kleidungsstücken und Haushaltsgegenständen bestand.

Am 1.10.1938 beendete Kaatje Benninga zwangsweise ihre Tätigkeit als Ärztin. Offenbar hatte sie an ihrer neuen Adresse Grindelberg 7 eine Privatpraxis geführt, die ihr wieder ein Auskommen gesichert hatte. Noch vor Jahresende 1938 leitete sie ihre eigene Auswanderung unter Mitnahme ihrer Praxiseinrichtung nach Holland ein. Ihre Ersparnisse, die sie dem Oberfinanzpräsidenten darlegen musste, waren gering, der Wert ihres Haushalts und ihres Schmucks, den sie beflissen im Stahlfach ihrer Bank hinterlegt hatte, ebenfalls. Sie hoffte, in den Niederlanden als Pflegerin arbeiten zu können, wozu sie die nötigen Vorkenntnisse in Paris erworben hatte.

Am 21. Januar 1939 folgte Kaatje Benninga ihrer Mutter nach Amsterdam. Für ihren Umzug beauftragte sie die gleiche Firma, Julius Schumacher, Billstr. 139/167, wie für das Umzugsgut ihrer Mutter, offenbar eine letzte Verbundenheit mit Rothenburgsort.

Johanna Benninga-Weinberg starb am 23. Juli 1941 in Apeldoorn. Ihre Tochter Kaatje setzte eine Todesanzeige in die Jüdische Wochenzeitung (Het Joodsche Weekblad), aus der hervorgeht, dass sie im jüdischen Mädchenwaisenhaus als Angestellte des Jüdischen Gemeinderats tätig war. Auf ihrer Karteikarte wurde vermerkt, sie sei sehr tüchtig in ihrer Arbeit.

Kaatje Benninga wurde am 11. Februar 1943 im Durchgangslager Westerbork inhaftiert, am 2. März 1943 nach Sobibor deportiert und dort ermordet. Als Todesdatum gilt der 5.3.1943.


Stand: Oktober 2018
© Hildegard Thevs

Quellen: 1; 2 FVg 2953, FVg 3564; 4; 5; StaH 552-1 Jüdische Gemeinden, 391; Joodsmonumen NL; Anton Kras, Joods Cultureel Kwariert, elektronische und telefonische Korrespondenz 27.9. bis 3.10.2018; Villiez, Anna von, Die Verdrängung der jüdischen Ärzte Hamburgs aus dem Berufsleben 1933-1945, Hamburg 2002; dies. Mit aller Kraft verdrängt. Göttingen 2009.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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