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Dr. Samuel van Biema * 1865

Sophienterrasse 17 (Eimsbüttel, Harvestehude)

Freitod 29.9.1938 Hamburg

Dr. Samuel van Biema, geb. 20.10.1865 in Leer/Ostfriesland, Suizid 29.9.1938 in Hamburg

Sophienterrasse 17 (Harvestehude)

Samuel van Biema wurde als Sohn des Großhändlers Hermann Samuel van Biema (geb. 9.4.1828 in Leer) und Esther van Biema, geb. Israels (geb. 19.6.1840 in Weener) im Westen des Königreichs Hannover in Leer/Ostfriesland geboren. Den Geburtsschein stellte die Israelitische Gemeinde in Leer aus. Ein religiöser Bezug des Familiennamens ist denkbar, wird doch das Pultpodest für die Tora-Lesung als Bima bezeichnet. Samuel hatte fünf Geschwister: Benjamin, genannt Bernhard van Biema (geb. 18.11.1860 in Leer), Breine, genannt Bertha van Biema (geb. 4.5.1862 in Leer), Lewi, genannt Louis (später Ludwig) van Biema (geb. 23.6.1864 in Leer), Victor van Biema (geb. 17.12.1866 in Leer) und Isidor Hermann van Biema (geb. 15.7.1876 in Leer). Der Vater hatte 1855 das Bürgerrecht in Leer erhalten und war als Großhändler mit eigenem Manufakturhandel tätig. Er zog 1891 zusammen mit seiner Ehefrau und seinem jüngsten Sohn nach Hannover. Hermann van Biema Senior starb dort 1903.

Nach dem Abitur studierte Samuel van Biema Medizin an der "Königlich Bayerischen Friedrich-Alexanders Universität Erlangen" (1886–1888), er wohnte ab April 1887 in Erlangen bei Schneider Heumann (Herfeestraße 5) zur Untermiete. Anschließend studierte er in Berlin und Straßburg/ Elsaß. Er wurde in Straßburg im Mai 1890 zum Thema Kinderlähmung promoviert und im Januar 1891 approbiert. Seine erste Anstellung als Arzt führte ihn nach Hamburg, wo Verwandte von ihm lebten. Von 1891 bis 1892 arbeitete er als Assistenzarzt am Israelitischen Krankenhaus. Während der Cholera-Epidemie in Hamburg war er von August bis Dezember 1892 als ärztlicher Hilfsarbeiter am Medizialbureau (Neuer Wall 90) tätig, das zur Verwaltungsabteilung für polizeiliche und innere Angelegenheiten gehörte. 1893 bis 1894 war er Hilfsarzt an der Hamburger Staatsimpfanstalt. Er machte sich 1895 als praktischer Arzt selbständig, seine Praxis befand sich in der Neustädter Fuhlentwiete 85/86 (1895), Neustädter Fuhlentwiete 57 (1896–1898), Neustädter Fuhlentwiete 78/79 (1898–1900), Fuhlentwiete 42 (1901–1903) sowie Gänsemarkt 33 (1904–1912), Gänsemarkt 51/52 (u.a. 1912–1920) und Gänsemarkt 53 (April 1932–Mai 1938). Zudem war er von 1922 bis 1931 auch als Polizeiarzt und Distriktarzt in den Hamburger Stadtteilen Rotherbaum und Harvestehude zugelassen. Seit mindestens 1913 gehörte er der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg an.

Samuel van Biema heiratete im November 1897 in Lippstadt Adeline Brasch (geb. 27.3.1875 in Wuppertal-Elberfeld). Trauzeugen waren sein Bruder, der Kaufmann Bernhard van Biema aus Krefeld (1860–1939), sowie der Cousin der Braut, der Fabrikant für "Herrentuche englischer Art" und Stadtverordnete, Max Grünebaum aus Cottbus (geb. 6.11.1851 in Lippstadt/Westfalen). Die Eheleute hatten eine gemeinsame Tochter, Rose Charlotte, genannt "Lotte" (geb. 14.9.1898). Die Familie lebte in Hamburg-Harvestehude in einer geräumigen Mietwohnung im Jungfrauenthal 5 II.Stock (1913–1931), wo im Erdgeschoss und 1. Stock des Hauses das Postamt 37 Räume angemietet hatte.

Anfang 1931 lösten die Eheleute van Biema diese Wohnung auf und zogen ganz zum Gänsemarkt. Bereits im November 1930 hatte der nun 65jährige Samuel van Biema ein Gesuch um Verlegung seiner Praxisräume als Distriktarzt eingereicht, er fragte an, "ob es mir erlaubt ist, meine Tätigkeit als Distriktarzt von meiner Wohnung am Gänsemarkt 51 II mit wahrzunehmen, wo sich meine Praxis schon seit Jahren befindet. Infolge der Notverordnung sind meine Einnahmen aus der Praxis sehr zurückgegangen, sodaß es für mich eine wesentliche materielle Erleichterung bedeutet, wenn ich meine Wohnung am Jungfrauenthal aufgeben kann."

Acht Jahre später, zum Jahresbeginn 1938, schloss die Kasserärztliche Vereinigung jüdische Ärzte von den privaten Ersatzkrankenkassen aus. So wurde deren wirtschaftliche Existenzvernichtung weiter beschleunigt. Ende Juni 1938 zog Ehepaar van Biema in die Sophienterrasse 17 II.Stock/ Harvestehude. Die Ärztekammer Hamburg notierte am 31. Mai 1938, dass Samuel van Biema seine ärztliche Tätigkeit "wegen hohen Alters" aufgeben werde. Ende Juli 1938 wurde mit der "Vierten Verordnung zum Reichsbürgergesetz" allen jüdischen Ärzten die Approbation zum 30. September 1938 aberkannt.

Nur vier Monate später, am 29. September 1938, erhängte sich der 72-jährige Samuel van Biema auf dem Dachboden seiner Wohnung. Die Ehefrau benachrichtigte den Arzt Hermann Bohm (geb. 9.1.1869 in Graudenz) in der Grindelallee 126 und das Polizeirevier 24/ehemals Polizizeiwache 19 in der Oberstraße 128. Polizei-Hauptwachtmeister A. Schleede notierte als Grund für den Selbstmord "Schwermut".

Samuel van Biema hatte aus Kenntnis der Abläufe bei Suizidfällen auf einem Rezept-Zettel handschriftlich notiert: "An die Polizeibehörde. Hierdurch erkläre ich, daß ich freiwillig aus dem Leben scheide. Ich bitte von einer Obduktion Abstand zu nehmen. Ich habe bestimmt, daß ich eingeäschert werde. Samuel van Biema." Distrikt- und Polizeiarzt Wilhelm Zipperling (Winterhuder Marktplatz 15), sein Nachfolger auf diesem Posten, wurde von der Polizei benachrichtigt, um den Tod offiziell festzustellen und die Todesbescheinigung zu unterschreiben.

Das Schicksal weiterer Familienmitglieder:
Samuels Bruder Benjamin, genannt Bernhard van Biema (geb. 18.11.1860 in Leer) war 1885 als Kaufmann von Leer nach Krefeld gezogen, wo er 1894 Helene Rüdenberg (geb. 16.8.1871 in Krefeld) geheiratet hatte und seit circa 1890 eine Seidenwarenfabrik betrieb. Das Ehepaar hatte u.a. zwei Töchter: Hilde (geb. 13.11.1894 in Hamburg) und Ilse (geb. 19.6.1897 in Krefeld). Bis 1897 war der Wohnort Hamburg gewesen, danach acht Jahre Krefeld. 1905 zog die Familie nach Bochum, wo Bernhard van Biema bereits 1879 als Lehrling tätig gewesen war. Im Oktober 1916 traten Bernhard van Biema und seine Ehefrau vom jüdischen zum christlichen Glauben über. Am 25. März 1939 starb Bernhard van Biema. Seine Witwe Helene van Biema, geb. Rüdenberg zog im September 1939 nach Basel und wurde im Mai 1940 in Deutschland ausgebürgert, erst 1952 wurde dieser Schritt durch ihre Wiedereinbürgerung rückgängig gemacht.

Sein Bruder Ludwig van Biema (geb. 23.6.1864 in Leer) studierte Jura in Hannover, Leipzig und Berlin und wohnte seit 1891 in Hannover. Er änderte im Dezember 1919 seinen Vornamen von "Levi genannt Louis" in Ludwig und war zuletzt in Hannover in der Eichendorffstr. 7 wohnhaft, er verstarb am 3. Juni 1939 in Hannover.

Sein Bruder Victor van Biema (geb. 16.12.1866 in Leer), verheiratet mit Elisabeth Amalia, geb. Kann (geb. 7.5.1876 in Hannover) war erst als Landwirt und später als Inhaber der Exportfirma Bernhard van Biema (Große Reichenstraße 17) in Hamburg tätig. Er lebte in Hamburg in der Isestraße 125 I. Stock (1908–1920) und verstarb am 17. November 1920 in Hamburg. Die Firma wurde von Friedrich Ockert übernommen und unter dessen Namen fortgeführt (1920–1955). Seine Ehefrau verstarb 1927 im Israelitischen Krankenhaus in Hamburg. Die Tochter Lissy Levy, geb. van Biema (geb. 6.12.1898 in Hamburg) wohnte u.a. 1927 in der Gryphiusstraße 5 und im März 1939 in der Sophienterrasse 17.

Sein Cousin Walter Samuel van Biema (geb. 1.8.1860 in Leer), Sohn des Lohgerbers/ Lederfabrikanten Benjamin van Biema (geb. 1821) und Julia geb. Wolfers (geb. 17.9.1838 in Minden), war Exportagent und seit mindestens 1898 Inhaber der Firma Wilhelm Wolfers (1864–1922, Textilexport). Er erwarb 1904 das Hamburger Bürgerrecht. 1892 heiratete er die Hamburgerin Elise, geb. Philippson (1868–1924) mit der er die Söhne Walter Julius (1894–1915) und Edgar Julius (geb. 23.10.1901 in Hamburg) hatte. Im Dezember 1918 nahm er offiziell den Vornamen Walter statt Samuel an, der nun auch nachträglich in seiner Heiratsurkunde vermerkt wurde. Walter van Biema senior heiratete 1925 in zweiter Ehe Marie, geb. Wassertrüdinger. Er wohnte in Hamburg in der Klosterallee 25 (u.a. 1898–1904) und zuletzt in einer 7-Zimmer-Wohnung in dem Haus Hochallee 53 (1905–1941), das er gekauft hatte. Er starb am 26. August 1941 in seiner Wohnung und wurde laut Kultussteuerkartei auf dem "Zentralfriedhof" beerdigt, wie er es in dem gemeinsamen Testament vom 18. August 1941 gewünscht hatte. Er war u.a. 1904 Mitglied im elitären Norddeutschen Regatta-Verein. Sein Sohn Walter van Biema (geb. 3.3.1894 in Hamburg) hatte 1912 das Abitur am Realgymnasium Johanneum in Hamburg abgelegt, war zur christlichen Konfession übergetreten und arbeitete als Kaufmann. Als Unteroffizier des Hamburgischen Feldartillerie-Regiments 45 erlag er am 6. Juni 1915 bei Moulin in französischer Kriegsgefangenschaft seinen Verletzungen. Seine Mutter und sein Onkel Wilhelm Philippson gründeten im April 1916 die "Kriegsblindenstiftung zum Andenken an den Einjährig-Kriegsfreiwilligen Unteroffizier Walter van Biema". Die Zinsen des Stiftungskapitals von 20.000 Mark waren für die Unterstützung erblindeter Soldaten bestimmt.

Im April 1934 emigrierte die Tochter Charlotte van Biema mit ihrem Ehemann und den beiden Töchtern vom belgischen Hafen Antwerpen aus in die USA. Sie hatte nach dem Abschluss der Oberrealschule in Hamburg in Göttingen (1918–1919), Freiburg/Breisgau (1919–1920) und München (1921) Medizin studiert, 1924 ihre Dissertation zu "Glaukom ohne Hochdruck" vorgelegt und 1925 die Approbation als praktische Ärztin erhalten. Charlotte van Biema hatte 1924 den in Hamburg geborenen Pathologen Paul Kimmelstiel (1900–1970) geheiratet, Sohn des Hutgeschäftsinhabers (Neuer Wall 39) Adolph Kimmelstiel (1854–1918) und Ernestine "Erna" Kimmelstiel, geb. August. Trauzeugen waren Samuel van Biema und der Onkel des Bräutigams, Moritz Kimmelstiel. Vor ihrer Emigration hatten Charlotte und Paul Kimmelstiel vermutlich in einer Praxisgemeinschaft in der Haynstraße 33 (Eppendorf) gearbeitet, das Amtliche Fernsprechbuch von 1931 führte Paul Kimmelstiel dort als Dr. med. und Privatdozent, aber ohne Angabe von Sprechstunden. Ihre letzte Hamburger Wohnadresse war die Innocentiastraße 50 (Harvestehude) bei dem Reeder und Hauseigentümer Arnold Bernstein (geb. 23.1.1888 in Breslau) und dessen Ehefrau Lilli (geb. 20.6.1896 in Hamburg). Für den Geldtransfer in die USA hatte der NS-Staat einen 96%igen Abzug festgelegt, so dass statt der 17.500 Reichsmark nur noch 705,93 Reichsmark in US-Dollar ankamen. Charlotte Kimmelstiel, geb. van Biema starb 1975 im US-Bundesstaat Pennsylvania.

Samuel van Biemas verwitwete Ehefrau Adeline van Biema, geb. Brasch, versuchte im Juli 1939 erfolglo,s in die USA zu emigrieren. Sie musste noch im Juni 1940 in die Alte Rabenstraße 9 (Rotherbaum) umziehen und konnte erst am 17. Juli 1940 von Hamburg über Russland und Japan in die USA auswandern. Vorher hatte der NS-Staat bereits ihr Vermögen mit scheinlegalen Vorschriften geplündert, dazu zählten bei ihr die Judenvermögensabgabe (62.000 RM), Auswandererabgabe an den mittlerweile staatlich kontrollierten Jüdischen Religionsverband (12.000 RM), Reichsfluchtsteuer (40.000 RM) sowie die Zwangsablieferung von Schmuck und Edelmetallen gegen einen minimalen Gegenwert (7.000 RM). Die in die USA überwiesenen 10.000 Reichsmark belegte der NS-Staat mit einem Abschlag von 96%, so dass nur 400 Mark nach Nordamerika transferiert wurden. Adeline van Biema erwarb 1947 die US-Staatsbürgerschaft und starb 1963 im Bundesstaat North Carolina.

Samuels Bruder Hermann van Biema (geb. 15.7.1870 in Leer), dessen Ehefrau Erna van Biema, geb. Jariskowsky (geb. 27.12.1892 in Aachen) und der gemeinsame Sohn Gerhard (geb. 28.2.1920 in Hannover) emigrierten aus Deutschland, ihnen wurde am 27. August 1940 die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt und noch vorhandenes Vermögen beschlagnahmt. Erna van Biema erhielt 1949 die Staatsbürgerschaft der USA.

Bruno Wassertrüdinger (geb. 13.09.1877 in Fürth), Sohn von Siegmund und Cäcilie Wassertrüdinger, war als kaufmännischer Angestellter und Buchhalter in Berlin-Wilmersdorf tätig und war 1925 Trauzeuge bei der Hochzeit von Marie Fontheim, geb. Wassertrüdinger und Walter van Biema. Seit 1926 wurde er als Mitglied der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg geführt; zwischenzeitlich war er von 1931 bis 1934 Mitglied der Hochdeutschen Israelitischen Gemeinde Altona mit der Wohnadresse Präsident-Krahn-Straße 8 bei Reimer. Ende November 1936 zog er nach Hamburg-Eimsbüttel in das Einzelhaus Kippingstraße 25 zur Untermiete. Der Ausgrenzung und beruflichen Existenzvernichtung in NS-Deutschland folgte seine Inhaftierung im KZ Sachsenhausen bis zum 23. November 1938. Die Volkszählung vom Mai 1939, mit separater Erfassung der jüdischen Einwohner/innen, wies ihn weiterhin mit der Wohnadresse Kippingstraße 25 aus, zur Untermiete bei Hauseigentümer und Malermeister Ivan Levy. Bruno Wassertrüdinger wurde am 8. November 1941 von Hamburg ins Getto Minsk deportiert; sein Todesdatum ist nicht bekannt. Das Amtsgericht Hamburg erklärte ihn 1954 für tot auf Ende des Jahres 1945. Für ihn wurde in der Kippingstraße 25 ein Stolperstein verlegt.

Für Marie van Biema, geb. Wassertrüdinger, verwitwete Fontheim (geb. 13.1.1870 in Fürth) wurde ein Stolperstein in der Hochallee 53 (Harvestehude) verlegt. In erster Ehe war sie mit dem Kaufmann Louis Fontheim verheiratet und hatte mit ihm in der Hansastraße 62 gelebt. Nach seinem Tod heiratete sie 1925 in zweiter Ehe Walter van Biema und zog zu ihm in die Hochallee 53. Sie wurde am 11. Februar 1942 zwangsweise in einem "Judenhaus" in der Innocentiastr. 37 einquartiert. Am 16. Februar 1942 wurde sie im Konzentrationslager Hamburg-Fuhlsbüttel inhaftiert und am 27. Juni 1942 weiter in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert, wo sie am 7. September 1942 ums Leben kam. Bereits im Mai 1942 war das Haus Hochallee 53 aus dem Eigentum der Eheleute van Biema durch die Zwangstreuhänderin "Hamburgische Grundstücks-Verwaltungsgesellschaft von 1938 mbH" verkauft worden.

Maries verheiratete Tochter aus der ersten Ehe, Margarethe Eichholz, geb. Fontheim (geb. 25.2.1894 in Hamburg) hatte 1917 in Hamburg den Kaufmann Jacques Theodor Friedrich Eichholz (geb. 24.3.1884 in Hamburg) geheiratet und war 1939 nach Indien emigriert.

Im Vernichtungslager Auschwitz wurden Alfred van Biema und Carry Karoline van Biema ermordet. Sie waren Cousin und Cousine von Samuel van Biema. Reichsbahnoberrat Ing. Alfred August van Biema (geb. 8.12.1882 in Hannover) hatte 1903 die evangelische Konfession angenommen und 1908 in Berlin-Treptow geheiratet. Entsprechend seiner Leitungsposition bei der Reichsbahn musste er seine Dienstorte häufig wechseln, so lebte er mit Ehefrau, Sohn Adolf (geb. 1.4.1910 in Berlin) und Tochter Mathilde (geb. 18.10.1923 in Lüneburg) u.a. in Berlin (u.a. 1910–1911), Stettin (bis 1922), Lüneburg (1922–1924) und Halle/Saale (1924–1928), zuletzt in Essen, wo 1936 seine Ehefrau (…) geb. Schmidt (geb. 8.1.1887 in Kottwitz/Kreis Breslau) starb. Alfred van Biema wurde am 21. Juli 1942 über den Sammelstützpunkt Düsseldorf ins Getto Theresienstadt und am 28. Oktober 1944 weiter ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet.

Carry Karoline van Biema (geb. 17.10.1881 in Hannover), die Tochter des Rechtsanwalts Adolf van Biema (geb. 9.3.1847 in Leer) und Hedwig van Biema, geb. Burg (geb. 1.8.1860 in Berlin, 1939 wohnhaft Hildesheim) war Malerin. Laut Melderegister Hannover verzog sie am 1. Mai 1933 von Hannover (Alleestr. 21) nach Barcelona; im April 1938 emigrierte sie in die Niederlande. Sie wurde am 26. August 1942 von Utrecht (Mengelberglaan 62) aus im Durchgangslager Westerbork eingeliefert und am 28. August 1942 ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau weiterdeportiert, wo sie direkt nach ihrer Ankunft am 31. August 1942 ermordet wurde. Ihre Schwester Margarete van Biema (1888–1953), ebenfalls in Hannover geboren, war von 1911 bis 1933 Musiklehrerin in Hildesheim, lebte im Mai 1939 zum Zeitpunkt der Volkszählung noch dort (Zingelstr. 9) und überlebte den Holocaust durch Flucht nach Brüssel.

Moritz Kimmelstiel (geb. 18.12.1861 in Fürth/Bayern), ein Kaufmann und der Onkel von Samuel van Biems Schwiegersohn Paul Kimmelstiel, wohnte 1924 in Berlin-Schöneberg; auch zum Zeitpunkt der Volkszählung im Mai 1939 waren er, seine Ehefrau Minna Kimmelstiel geb. Wolff (geb. 28.5.1875 in Köln) und sein Sohn Ernst Kimmelstiel (geb. 24.5.1898 in Berlin) in diesem Stadtteil in der Innsbrucker Straße 8 gemeldet. Familie Kimmelstiel wurde am 19. August 1942 von Berlin ins Getto Theresienstadt deportiert, wo Moritz Kimmelstiel am 11. Oktober 1942 starb.


© Björn Eggert

Quellen: Staatsarchiv Hamburg (StaH) 213-13 (Wiedergutmachungsamt beim Landgericht Hamburg), 7637 (Marie van Biema); StaH 231-7 (Handels- u. Genossenschaftsregister), A 1 Band 22 (HR A 5737 Wilhelm Wolfers), StaH 331-5 (Polizeibehörde – unnatürliche Sterbefälle), 3 Akte 1938 Nr. 1492 (Samuel van Biema); StaH 332-5 (Standesämter), 2798 u. 1054/1892 (Heiratsregister 1892, Walter van Biema u. Elise Philippson); StaH 332-5 (Standesämter), 2334 u. 599/1894 (Geburtsregister 1894, Walter Julius van Biema); StaH 332-5 (Standesämter), 6342 u. 3014/1894 (Geburtsregister 1894, Hilde van Biema); StaH 332-5 (Standesämter), 9096 u. 428/1894 (Geburtsregister 1894, Margarethe Fontheim); StaH 332-5 (Standesämter), 2461 u. 3013/1898 (Geburtsregister 1898, Charlotte van Biema); StaH 332-5 (Standesämter), 9147 u. 2619/1898 (Geburtsregister 1898, Lissy van Biema); StaH 332-5 (Standesämter), 13273 u. 669/1900 (Geburtsregister 1900, Paul Kimmelstiel); StaH 332-5 (Standesämter), 8790 u. 56/1924 (Heiratsregister 1924, Charlotte van Biema u. Paul Kimmelstiel); StaH 332-5 (Standesämter), 8791 u. 286/1924 (Heiratsregister 1924, Edgar van Biema u. Alice Menge); StaH 332-5 (Standesämter), 8077 u. 375/1924 (Sterberegister 1924, Elise van Biema geb. Philippson); StaH 332-5 (Standesämter), 8798 u. 117/1925 (Heiratsregister 1925, Walter van Biema); StaH 332-5 (Standesämter), 926 u. 435/1927 (Sterberegister 1927, Elisabeth Amalia van Biema geb. Kenn); StaH 332-5 (Standesämter), 8155 u. 90/1938 (Sterberegister 1938, Samuel van Biema); StaH 332-7 (Staatsangehörigkeitsaufsicht), A I e 40 Band 13 (Bürgerregister 1899-1905, 3.6.1904 Samuel genannt Walter van Biema K1 Nr. 718); StaH 332-8 (Alte Einwohnermeldekartei), K 4241 (Bernhard van Biema, Charlotte van Biema, Victor van Biema); StaH 332-8 (Meldewesen), K 2445 (Hausmeldekartei Kippingstr. 25, Bruno Wassertrüdinger); StaH 351-11 (Amt für Wiedergutmachung), 2912 (Adeline van Biema); StaH 351-11 (Amt für Wiedergutmachung), 20938 (Dr. Lotte Kimmelstiel geb. van Biema); StaH 351-11 (Amt für Wiedergutmachung), 1389 (Marie van Biema); StaH 351-11 (AfW), 3445 (Bruno Wassertrüdinger); StaH 352-5 (Gesundheitsbehörde – Todesbescheinigungen), 1938, Standesamt 3b, Nr. 90; StaH 352-10 (Gesundheitsverwaltung – Personalakten), 104 (Dr. Siegfried Samuel van Biema, 1892-1938); StaH 522-1 (Jüdische Gemeinden), 992b (Kultussteuerkartei der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg), Arnold Bernstein, Marie van Biema, Samuel van Biema, Walter van Biema, Louis Fontheim (unvollständig), Paul Kimmelstiel, Bruno Wassertrüdinger; StaH 611-19 (Walter van Biema – Kriegsblindenstiftung 1916–1943), 1-3 (Satzung, Schriftwechsel Vorstand, Abrechnungen); Herinneringscentrum Kamp Westerbork (NL), Personenkarte aus Westerbork, Sterbeurkunde (Carry Karoline van Biema); Stadtarchiv Leer; Universitätsarchiv Erlangen, UAE A3/21 Nr. 68 (Sittenzeugnis für Samuel van Biema, 30.7.1888); Stadtarchiv Erlangen, Studentenverzeichnis (Samuel van Biema); Stadtarchiv Lippstadt, Heiratsregister Nr. 72/1897 (Samuel van Biema u. Adeline Brasch); Stadtarchiv Cottbus, Cottbuser Anzeiger 5.11.1921 (Max Grünebaum); Stadtarchiv Lüneburg, Meldekartei (Alfred van Biema); Stadtarchiv Krefeld, Bestand 26 II (Meldekarte Bernhard van Biema); Universitätsarchiv Göttingen, Matrikel 190 (Charlotte van Biema); Haus der Essener Geschichte (Stadtarchiv), Meldekarte (Alfred van Biema); Stadtarchiv Halle/ Saale, Adressbuch 1925, 1928 (Regierungsbaurat Alfred van Biema, Kaiserstraße 12); Landeshauptstadt Hannover, Fachbereich Öffentliche Ordnung, Meldekartei; Gedenkstätte u. Museum Sachsenhausen, Archiv, D 1A/1015, Bl. 59 und D 1A/1020 Bl.435 (Bruno Wassertrüdinger); Bundesarchiv Koblenz, Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter nationalsozialistischer Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945 (Marie van Biema); Gedenkbuch Hamburg, 1995, S. 37 (Samuel van Biema, Marie van Biema); Adressbuch Hamburg (Biema van) 1894–1896, 1898–1906, 1909, 1912–1914; Adressbuch Hamburg (Straßenverzeichnis, Hochallee 53 u. Jungfrauenthal 5) 1929; Adressbuch Hamburg (Straßenverzeichnis, Kippingstr. 25) 1938; Adressbuch Hamburg (Bohm) 1938; Adressbuch Berlin (Alfred van Biema) 1911; Telefonbuch Hamburg 1914, 1920, 1931; Handelskammer Hamburg, Handelsregisterinformationen (Firma Bernhard van Biema, HR A 10338; Firma Wilhelm Wolfers, HR A 5737); Hamburger Börsenfirmen, Hamburg 1910, S. 721 (W. Wolfers); Norddeutscher Regatta-Verein, Jahresbericht für 1904, Hamburg März 1905, S. 75 (W. van Biema); Johannes Schröder, Verzeichnis der Abiturienten des Realgymnasiums des Johanneums zu Hamburg von Ostern 1875 bis Ostern 1934, Hamburg 1934, S. 44 (Nr. 676 Walter van Biema); Anna von Villiez, Mit aller Kraft verdrängt. Entrechtung und Verfolgung "nicht arischer" Ärzte in Hamburg 1933 bis 1945, München/Hamburg 2009, S. 228 (Samuel van Biema), S. 320 (Charlotte Kimmelstiel geb. van Biema); Manfred Wagner, Die jüdischen Familien in Leer und ihre Herkunft, Aurich 2015; www.ancestry.de (Einbürgerungsregister North Carolina, Sterbeurkunden North Carolina, USA Find a Grave-Index, jeweils Adeline van Biema, eingesehen 4.4.2016); www.tracingthepast.org/minority census Gemany (Hermann Böhm, Hamburg, Grindelallee 126/8 I); www. deutschenationalbibliothek.de (Alfred van Biema, Carry van Biema, Lotte van Biema, Margarethe van Biema); www.ancestry.de (Passagierliste der S.S. Gerolstein von Antwerpen nach New York, Familie Kimmelstiel; Jahrbuch des Randolph Macon Woman’s College, Lynchburg/Virginia, Ruth Kimmelstiel; Heirat 18.7.1917 in Hamburg von Jacques Eichholz u. Margarethe Fontheim, eingesehen 17.10.2016); www.ancestry.de (US-Einbürgerungsregister 1949 Erna van Biema; Sterbeurkunde Hamburg 155/1916 Walter van Biema; eingesehen 31.10.2016).

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