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Jacob Blankenstein
© Yad Vashem

Jacob Blankenstein * 1884

Rutschbahn 15 (Eimsbüttel, Rotherbaum)

1941 Minsk

further stumbling stones in Rutschbahn 15:
Sophie Blankenstein, Heinz Heymann, Elisabeth Silbiger, Hermann Silbiger, Frieda Warneck, Ruth Warneck

Jacob Blankenstein, geb. 31.7.1884 in Krefeld, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk
Sophie Blankenstein, geb. Polak, geb. 9.12.1890 in Papenburg/Ostfriesland, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk

Rutschbahn 15

Moritz Blankenstein, geb. 16.9.1852 in Krefeld, gest. 9.11.1935, war Sohn des Seidenwebers Isaac Blankenstein und seiner Ehefrau Hanchen g. Meyer. Er selbst wurde Zigarrenfabrikant und hatte am 22. Januar 1878 Sibilla Blankenstein, geb. Levy, geb. 29.4.1856 (Melderegister) (oder 30.5.1854 - Heiratsurkunde) in Krefeld geheiratet. Sie war Tochter des Seidenwebers Joseph und seiner Ehefrau Eva g. Hertz. Das Ehepaar bekam die Kinder:
- Sophie, geb. 22.12.1878 in Krefeld, Krawattennäherin;
- Bertha Betty, geb. 6.3.1880 in Krefeld, Kostümnäherin, Haustochter, wohnhaft Krefeld, Marktstraße 89, Trauzeugin bei der Heirat ihres Bruders Jacob am 18. Dezember 1922 in Papenburg, deportiert ab Düsseldorf am 11.12.1941 nach Riga;
- Alexander, geboren 7.7.1882 in Krefeld, deportiert ab Hamburg am 25. Oktober 1941 ins Getto "Litzmannstadt" (Lodz; Todesdatum: 30. Juni 1944, Todesort: Litzmannstadt (Lodz) siehe www.stolpersteine-hamburg.de;
- Jacob, geb. 31.7.1884 in Krefeld, verheiratet mit Sophie, geb. Polak, Rutschbahn 15;
Johanna, geb. 22.12.1886 in Krefeld, Ladengehilfin, deportiert ab Düsseldorf am 11. 12. 1941 nach Riga;
- Isidor Blankenstein, geb.8.3.1888 in Krefeld (Rheinprovinz), siehe www.stolpersteine-hamburg.de
- Friedrich (Fritz), geb. 8.12.1889, verh. mit Frieda Kruse, ev., emigrierte nach Shanghai
- Otto, geb. 18.8.1893 in Krefeld – keine Spuren

Jacob und Sophie Blankenstein, geb. Polak, beide jüdischer Herkunft, stammten nicht aus Hamburg. Jacob war aus Krefeld zugezogen, Sophie aus Papenburg. Sophies Eltern hatten am 30. September 1880 in der Hamburger Neustadt geheiratet. Ihr Vater, Wolf Wilhelm Polak, geb. 22.6.1844 in Jemgum an der Ems, lebte in Papenburg in Ostfriesland, ihre Mutter Dore, geb. Bernstein, geb. 22.4.1855 in Putzig im damaligen Landkreis Bromberg der Preußischen Provinz Posen, war zu einem uns nicht bekannten Zeitpunkt nach Hamburg gekommen. Ihre Eltern waren zum Zeitpunkt ihrer Heirat bereits verstorben, ebenso Wolf Polaks Vater. Er kam väterlicher- wie mütterlicherseits aus Familien von Viehhändlern und Schlachtern und war selbst Schlachter geworden. Nach ihrer Heirat zog Dore Polak nach Papenburg und brachte dort die fünf Töchter und einen Sohn zur Welt, von denen wir wissen: Sophie, geb. 9.12.1890, war das vierte ihrer Kinder: Rebekka (1881), Eva Emma (1882), Isaak (1887), Martha (1892) und Hedwig (1896).

Sophie Polak wurde später Verkäuferin und ging im April 1915 von Papenburg nach Hamburg. Sie nahm zunächst Logis in Löwenthals Mädchenheim Grindelberg 42 b. Wo sie arbeitete, ist nicht bekannt. Sie wechselte mehrfach die Unterkunft, blieb aber im Grindelviertel, mit einer einmonatigen Unterbrechung 1916 für einen Besuch in Papenburg. Zum 1. September 1920 zog sie nach Neuss am Rhein, wo sie offenbar eine Stelle als Haustochter antrat. Fünf Monate später kehrte sie nach Hamburg zurück und wohnte ab 1. Februar 1921 zur Untermiete in der Rutschbahn 21. Am 18. Dezember 1922 schloss sie in Papenburg die Ehe mit Jacob Blankenstein.

Jacob Blankenstein stammte aus Krefeld, eine stark durch Textilhandel geprägte preußische Stadt am Niederrhein. Seine Großväter waren Seidenweber gewesen, sein Vater hatte die Branche gewechselt und war Zigarrenfabrikant geworden, Jacob wurde Kaufmann ohne eine bestimmte Spezialisierung. Im Juni 1919 kam er nach Hamburg, kehrte im Oktober 1921 vorübergehend nach Krefeld zurück, und ließ sich dann zu einem uns unbekannten Zeitpunkt endgültig in Hamburg nieder. Als er im Dezember 1922 heiratete, wohnte er Steindamm 146. Als Trauzeugin für seine Familie fungierte seine Schwester Bertha Betti, noch im Elternhaus lebte. Offenbar versorgte sie dort den Haushalt. Sophie Blankensteins Familie wurde durch ihren Bruder Isaak vertreten. Auch er war Schlachter geworden.

Nach ihrer Eheschließung lebten Sophie und Jacob Blankenstein in Altona in der Palmaille 1 und gehörten zur dortigen jüdischen Gemeinde. Wie viele andere Juden war Jacob geschäftlich in Hamburg tätig, in der Neustadt der Wexstraße 32. Außer ihm ließen sich die Brüder Alexander, Isidor und Friedrich sowie weitere Verwandte in Hamburg nieder.

1923, am Ende der Inflationszeit, wechselte Jacob von der Altonaer zur Hamburger jüdischen Gemeinde, 1924 trat Sophie ihr als Steuern zahlendes Mitglied bei. Sie wählten die Neue Dammtorsynagoge als ihre Kultusgemeinde. Am 24.3.1924 kam ihr einziges Kind, Werner, zur Welt. Sophie unterhielt die Familie mit ihrem Lohn als Putzverkäuferin und Filialleiterin bei der Firma "Hammerschlag am Schulterblatt", Schulterblatt 145/147. Ihr Gehalt betrug 150 RM brutto.

Mit dem Umzug nach Hamburg war keine wesentliche Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Eheleute verbunden. Sie wohnten zunächst in der Beneckestraße 28, danach als Untermieter in der Heinrich-Barthstraße 13. Jacob Blankenstein beantragte einen Gewerbeschein als Reisender (Vertreter) in der Textilbranche. In dieser Tätigkeit war er nicht sehr erfolgreich, erreichte aber 1925 und 1926 immerhin ein steuerpflichtiges Einkommen. Sophie Blankensteins Gemeindebeiträge lagen in der Höhe des "Kopfgeldes" (Mindestbeitrag) von 1 Reichsmark pro Monat. Selbst dieser Betrag wurde ihr 1930 und dann noch einmal 1934 erlassen.

Die Familie zog 1929 in die Roonstraße 6 (Hoheluft-West). Als Werner 1930 schulpflichtig wurde, schickten ihn die Eltern in die Talmud Tora Schule am Grindelhof. Am 5. September 1930 meldete sich Jacob Blankenstein beim Arbeitsamt als erwerbslos, erhielt aber keine Arbeitslosenunterstützung, weil seine Frau erwerbstätig war. Als auch Sophie im September 1932 erwerbslos wurde, beantragte er Wohlfahrtsunterstützung. Bevor dem Antrag statt gegeben wurde, fand Sophie jedoch eine neue Anstellung. Von Oktober bis Dezember 1932 wurde sie als Aushilfsverkäuferin bei den Firmen Stern und Karstadt beschäftigt und bekam am 1. Februar 1933 sogar wieder eine Festanstellung als Putzverkäuferin, nun im "Haus der Hüte" in Altona. Ihr Monatsgehalt belief sich nun auf 160 RM netto.

Mit der "Arisierung" des Betriebs endete jedoch diese Tätigkeit knapp fünf Jahre später am 30. Juni 1938. Erneut beantragte Jacob Blankenstein Wohlfahrtsunterstützung und wurde am 23. August 1938 zu Unterstützungsarbeiten (Pflichtarbeit für Wohlfahrtsempfänger) herangezogen. Sein Einsatzort war die Firma F. Schmidt in Harsefeld. Aus gesundheitlichen Gründen gab er diese Tätigkeit schon nach zwei Wochen wieder auf. Sophie Blankenstein wurde zu einem geringen Lohn als Küchenhilfe in Hellmanns Gaststätten im Jüdischen Gemeinschaftshaus in der Hartungstraße eingestellt.

Am 16. September 1938 zogen Jacob und Sophie Blankenstein mit ihrem inzwischen vierzehnjährigen Sohn als Untermieter in die Rutschbahn 15. Werner wollte Ingenieur werden. Als den Eltern klar wurde, dass er auf der Talmud Tora Realschule keinen entsprechenden Abschluss würde ablegen können, begann er im April 1939 eine Schlosserlehre in der jüdischen Lehrwerkstatt in der Weidenallee in Eimsbüttel. Im Juni 1939 erhielten sie Besuch für einige Tage: vor ihrer Auswanderung nach Schanghai kam Jacob Blankensteins Bruder Friedrich mit seiner nichtjüdischen Ehefrau Frieda für einige Tage bei ihm unter.

Jacob Blankenstein wurde im Mai oder Juni 1939 nach Südtondern zu einem Bauunternehmer vermittelt, Sophie Blankenstein in die Wollkämmerei in Wilhelmsburg. Im September 1939 brach Werner die Lehre ab und ging nach Rissen zur Vorbereitung auf die Auswanderung nach Palästina. Diese Vorbereitung endete schon am 4. Oktober 1939, als er zur weiteren Ausbildung nach Dänemark geschickt wurde, als Zwischenstation auf dem Weg nach Palästina. Mit 15 Jahren wurde er von seinen Eltern getrennt, ohne sie je wiederzusehen. Als Anfang Oktober 1943 Tausende von Juden nach Schweden gerettet wurden, gelangte auch er dorthin.

Jacob Blankenstein wurde am 8. März 1940 erneut erwerbslos, während Sophie eine Stelle als "Morgenfrau" (Haushaltshilfe) bei einem Wochenlohn von 11 RM hatte. Im August gelang es Jacob Blankenstein, wieder einen Arbeitsplatz mit einem zu versteuernden Einkommen zu finden, im November des Jahres wurden die Eheleute erstmals gemeinsam zur Gemeindesteuer veranlagt.

Nachdem Jacobs Vater Moritz Blankenstein bereits am 9. November 1935 gestorben war, starb am 7. November 1940 seine Mutter Sibille. Über die Kontakte der Geschwister Blankenstein und ihrer Familien untereinander sind nur wenige Einzelheiten bekannt. Zwei Jahre, nachdem Friedrich auf dem Weg nach Schanghai in Hamburg gewesen war, kam am 24. Juli 1941 Isidor zu ihnen. Seine Ehefrau Helene und der Sohn Ralph befanden sich schon in den Niederlanden. Isidor blieb nicht lange. Er wurde mit dem ersten Transport Hamburger Juden zum Aufbau im Osten am 25. Oktober 1941 nach Litzmannstadt/Lodz deportiert, wo er am 5. April 1942 umkam.

Diesem ersten Transport aus Hamburg folgten zwei in das Getto von Minsk. Dem, der Hamburg am 8. November 1941, verließ, wurden Jacob und Sophie Blankenstein zugewiesen, ebenso wie ihre Nachbarn Silbiger, die im Parterre des Hauses Rutschbahn 15 wohnten. Zwei Tage später verließ ein weiterer Transport nach Minsk die Stadt Düsseldorf. Mit ihm wurden Sophies Schwestern Eva Emma und Hedwig Polak dorthin deportiert. Es ist nicht auszuschließen, dass sich die Schwestern dort wieder trafen.
Jacob und Sophie Blankenstein überlebten die Deportation nicht.

Bertha und Johanna Blankenstein, Jacobs ledige Schwestern, wurden von Krefeld aus mit einem Transport, der am 11. Dezember 1941 von Düsseldorf abging, nach Riga deportiert. Sophie Blankensteins Bruder Isaak Polak, der als einziger der Geschwister in Papenburg geblieben war, wurde zusammen mit seiner zweiten Frau Lina, geb. Meyer, und ihrem Sohn Wilhelm am 13. Dezember 1941 ebenfalls nach Riga verschleppt, von dort gelangte er ins nahe gelegene KZ Kaiserwald in Riga, von wo er am 9. August 1944 ins KZ Stutthof überführt und von dort in das KZ Buchenwald verbracht wurde, wo er am 3. Januar 1945 starb.
Der Sohn Wilhelm überlebte und kehrte als einziger nach Kriegsende nach Papenburg zurück, wo er 2015 starb.

© Hildegard Thevs

Quellen: 1; 4; 5; 8; 9; AB; StaH 332-5, 2615-1074/1880; 332-8 Melderegister; 351-11, 46753; 552-1, 992 e 2 Band 2; Landkreisarchiv Emsland, Meppen, Personenstandsunterlagen Polak; Stadtarchiv Krefeld, Personenstands- und Meldeunterlagen Blankenstein; http://www.noz.de/lokales/papenburg/artikel/622368/zum-tod-von-wilhelm-polak-er-hat-papenburg-die-hand-gereicht; Zugriff am 16.11.2016.
Der Archivbestand des Oberfinanzpräsidenten konnte leider nicht eingesehen werden.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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