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Valesca Lewin (geborene Simon) * 1879

Grindelallee 126 (Eimsbüttel, Rotherbaum)


HIER WOHNTE
VALESCA LEWIN
GEB. SIMON
JG. 1879
DEPORTIERT 1941
ERMORDET IN
RIGA

Weitere Stolpersteine in Grindelallee 126:
Josef Lasdun, Aurelia Lasdun, Sophie Gertrud Lasdun, Charles Lasdun, Fanny Lasdun, Sulamith Lasdun

Valesc(k)a Lewin, geb. Simon, geb. am 22.12.1879 in Hamm a. d. Sieg, deportiert 6.12.1941 nach Riga, ermordet

Grindelallee 126

Valeska Lewin war am 22. Dezember 1879 in Hamm an der Sieg geboren worden. Wir wissen nichts über ihre jüdische Herkunftsfamilie und über ihre Kindheit und Jugendzeit. Vermutlich hatte sie eine kaufmännische Ausbildung absolviert, denn als sie im April 1912 heiratete, bezeichnete der Standesbeamte sie als Prokuristin. Ihr Ehemann, Siegfried Lewin, geboren am 27. November 1877 in Posen, war Sohn des jüdischen Kürschners Manuel Lewin und seiner Ehefrau Minna geb. Gerechter.

Siegfried Lewin betätigte sich selbst als Kaufmann. Bis zum 9. Mai 1938 zeichnete er als Inhaber der Firma Franz Hübner, Schaufenstereinrichtungen, zunächst in der Kaiser-Wilhelm-Straße 81, dann in der Klosterallee 13. D.h. er verlegte seine Firma in die Privaträume der Familie.

Wir wissen nicht, ob Valeska Lewin in der Firma ihres Mannes arbeitete. Jedenfalls führte der gemeinsame Sohn Gerd Herbert, geboren am 27. April 1913, das Geschäft des Vaters als Juniorpartner von 1931 bis 1936 weiter.

Dann wanderte Gerd Herbert Lewin über die Schweiz und Frankreich nach Uruguay aus. Er kehrte allerdings 1937 nach Hamburg zurück, um seine Eltern zur Auswanderung zu bewegen. Da jedoch der Gesundheitszustand des herzleidenden Vaters eine solche nicht mehr zuließ, emigrierte er erneut allein, und zwar am 12. März 1938 nach Argentinien.

Siegfried Lewin starb vier Monate später, am 26. Juli 1938, an einem Herzklappenfehler in der Wohnung des Ehepaares in der Klosterallee. Valeska Lewin blieb allein zurück. Am 27. Mai 1940 ließ sie – wie gefordert – den Zwangsvornamen für jüdische Frauen, "Sara" beim Standesamt Mannheim eintragen (dies wurde lt. Anordnung der US Militärregierung am 14.3.1949 wieder gelöscht, aber dies erlebte Valeska Lewin nicht mehr).

Nach der Verschärfung des Devisengesetzes vom 12. Dezember 1938 genügte den Devisenstellen der Finanzämter bereits der Verdacht einer illegalen Auswanderung, um eine "Sicherungsanordnung" zu treffen. Das bedeutete im Falle Valeska Lewin, dass sie – nach Offenlegung ihres Vermögens – mit Anordnung vom 2. Februar 1940 nur noch über einen Freibetrag von monatlich 330 Reichsmark (RM) verfügen konnte. Ihr übriges Aktiv-Vermögen dagegen, das sie mit 27569 RM bezifferte, wurde gesperrt. Bereits kurz vor der Deportation wurde ihr Vermögen "zu Gunsten des Reiches" eingezogen.

Inzwischen hatte sie auch die Wohnung in der Klosterallee verlassen müssen und lebte zur Untermiete in der Grindelallee 126.

Am 6. Dezember 1941 wurde Valeska Lewin, 62-jährig, nach Riga-Jungfernhof deportiert. Dort ist sie wahrscheinlich an den elenden Lebensbedingungen zugrunde gegangen. Ein Todesdatum ist nicht bekannt. Sie wurde auf den 8. Mai 1945 für tot erklärt.

Stand: August 2020
© Dieter Wolf/Änderungen Beate Meyer

Quellen: 1; 2; 5; 8; StaH 314-15 Oberfinanzpräsident R 1940/101; StaH 351-11 Amt für Wiedergutmachung 39141; digitales Archiv IST Bad Arolsen, Teilbestand 1.2.1.1. Dok. ID 11197766 Transportlisten Gestapo; Heiratsurkunde des Ehepaares Lewin, Todesurkunde Siegfried Lewin (über Herrn Wittstamm/Frau Thevs).
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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