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Hermann Burzlaff * 1900

Harburger Ring 30 (Harburg, Harburg)


HIER WOHNTE
HERMANN BURZLAFF
JG. 1900
EINGEWIESEN 1929
HEILANSTALT LÜNEBURG
´VERLEGT´ 7.3.1941
PIRNA-SONNENSTEIN
ERMORDET 7.3.1941
´AKTION T4‘

Hermann Burzlaff, geb. 31.5.1900 in Harburg, Einweisung in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg am 16.12.1929, `verlegt` am 7.3.1941 in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein, dort ermordet am 7.3.1941

Harburger Ring 30 (früher Hermannstraße 20), Stadtteil Harburg

Hermann Burzlaff war Seemann. Er hatte in Harburg keine eigene Wohnung, er lebte, wenn er an Land war, bei seinen Eltern in der Hermannstraße.

Nach der Schulentlassung hatte er 2 ½ Jahre in der Landwirtschaft gearbeitet, bis er ab 1916 dann, mit kurzen Unterbrechungen, als Matrose auf Seglern und auch auf Dampfschiffen anheuerte. Von November 1924 bis März 1928 fuhr er in Amerika als Matrose auf Küstenschiffen. Nach seiner Rückkehr nach Harburg arbeitete er wieder auf deutschen Dampfern. Ende September 1929 erlitt er einen Arbeitsunfall, er stürzte aus großer Höhe von einem Mast.

Ab dem 1. Oktober 1929 war er arbeitslos. Die Familie stellte in dieser Zeit eine auffällige Veränderung im Verhalten des Sohnes fest. Am 4. Dezember 1929 wurde Hermann Burzlaff zur Beobachtung im Städtischen Krankenhaus Harburg-Wilhelmsburg aufgenommen. Die Ärzte im Krankenhaus stellten eine "ausgesprochene Psychose" fest. Der Patient äußere "Wahnideen und hatte Sinnestäuschungen im Gehör, meinte die Polizei sei dauernd hinter ihm her".

Auf Antrag des städtischen Wohlfahrtamtes wurde Hermann Burzlaff am 16. Dezember 1929 in die Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg eingewiesen. In dem ärztlichen Gutachten heißt es, er sei in der ersten Zeit "ruhig, willig, anstellig und machte keine besonderen Schwierigkeiten; er drängte nur öfters auf seine Entlassung"… Er sei "über Ort und Zeit, sowie über seine Person orientiert"... "Gedächtnis und Auffassungsgabe sind gut".

Das Verhalten änderte sich aber allmählich, Hermann Burzlaff weigerte sich, an der Beschäftigung teilzunehmen. Die sei "Zuchthausarbeit, aber keine Krankenbehandlung". Die Ärzte diagnostizierten eine Geisteskrankheit, die zur Gruppe der "Dementia praecox" gehöre.

Am 15. August 1930 wurde Hermann Burzlaff vom Gericht entmündigt, da er nicht imstande sei, seine Angelegenheiten selbständig zu besorgen.

Der weitere Krankheitsverlauf ist in den Akten nicht dokumentiert.

In der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg wurden bereits in den 1930er-Jahren Zwangssterilisationen an über 100 Patienten vorgenommen. Vermutlich gehörte Hermann Burzlaff zu den Betroffenen.

Ab Herbst 1939 waren alle Heil- und Pflegeanstalten verpflichtet, Patienten mit körperlichen, geistigen und seelischen Erkrankungen an die Zentraldienststelle in Berlin, Tiergartenstraße 4, zu melden (daher der spätere Name Aktion T4). Dort entschieden ärztliche Gutachter über das Schicksal der Patienten. Über 70 000 Patientinnen und Patienten fielen diesem Krankenmord zum Opfer. Aus der Anstalt in Lüneburg wurden zwischen 1940 und 1941 im Zuge der Aktion T4, fast 500 Patienten (sogenannte Ballastexistenzen) in die verschiedenen Tötungsanstalten überführt. (Zudem wurden in der 1941 eingerichteten "Kinderfachabteilung" über 300 Kinder mit Luminal oder Morphium getötet.)

Am 7. März 1941 wurde Hermann Burzlaff – zusammen mit weiteren 12 Harburger Patienten – in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein `verlegt´. Dort war im Keller der Heil- und Pflegeanstalt eine Gaskammer eingerichtet worden, in der alle Harburger Patienten noch am Tag der Ankunft ermordet wurden. Im daneben liegenden Krematorium wurden ihre Leichen verbrannt, die Asche der Opfer auf der Anstaltsdeponie abgelagert oder nachts einfach hinter dem Haus den Elbhang hinuntergeschüttet. Ein Sonderstandesamt Sonnenstein schickte den Hinterbliebenen eine Sterbeurkunde mit gefälschter Todesursache und einen standardisierten "Trostbrief". Ob Hermann Burzlaffs Angehörige beides erhielten, ist nicht bekannt.

In der Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein wurden in den Jahren 1940 und 1941 rund 13.720 psychisch kranke und geistig behinderte Menschen ermordet.

Stand: September 2026
© Margrit Rüth

Quellen: Niedersächsisches Landesarchiv Hannover, 155 Lüneburg Acc. 2004/066 Nr. 07663; Adressbuch für Harburg-Wilhelmsburg 1930; Auskunft Gedenkstätte Lüneburg am 7.5.2026; div. Anfragen an Stiftung Sächsische Gedenkstätten; https://www.stsg.de/cms/pirna/histort/krankenmord_auf_dem_sonnenstein (Zugriff 21.9.2026).

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