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Wilhelm Cohn * 1873

Haynstraße 10 (Hamburg-Nord, Eppendorf)


HIER WOHNTE
WILHELM COHN
JG. 1873
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
15.7.1942

further stumbling stones in Haynstraße 10:
Olga Delbanco, Hermann Falkenstein, Josefine Holländer, Fanny Kallmes, Elfriede Ruben

Wilhelm Cohn, genannt Korn, geboren am 27.12.1873, gedemütigt/entrechtet, Flucht in den Tod am 15.7.1942

Haynstraße 10 (Eppendorf)

Wilhelm Cohn (genannt Korn) war am 27.12.1873 in Griebenau bei Fulda als Sohn der jüdischen Eheleute Julius Cohn und Frieda Cohn, geb. Simon, geboren worden. Wir wissen nichts über seine Kindheit. Er absolvierte eine Ausbildung im Einzelhandel zum Kaufmann.

1913 zog Wilhelm Cohn nach Hamburg in den Harvestehuder Weg 71 und wohnte dort bis 1921 zur Untermiete bei James Kallmes (geb. 5.10.1861). Am 18. März 1919 verstarb sein Vermieter

Wilhelm Cohn und Fanny Kallmes (geb. 26.10.1871) blieben zusammen. Wilhelm Cohn zog 1922 mit ihr in die Oberstraße 140, ebenfalls in Harvestehude. Bis 1928 wohnte er dort, offiziell zur Untermiete bei Fanny Kallmes. 1929 wechselten beide in die Sierichstraße 90 in Winterhude in eine Parterrewohnung, 1933 zogen sie in die Haynstraße 33 in Eppendorf und am 3. April 1934 um in die Haynstraße 10 in den dritten Stock. (Hier wurden die Stolpersteine für beide verlegt.) 1935 ging es in die Lenhartzstraße 13. In allen Wohnungen meldete sich Wilhelm Cohn als Untermieter an.

Wilhelm Cohn arbeitete bei der Firma Gebrüder Robinsohn "Damenmoden" in Hamburg am Neuen Wall 25-31 in der Neustadt und stieg dort bis zum Ableitungsleiter auf. (Das Modegeschäft war 1892 von Max und Leo Robinsohn gegründet worden und wurde bis zur "Arisierung" von Hans Robinsohn geleitet, der 1938 nach Dänemark flüchtete).

1936 verlor Wilhelm Cohn seine Arbeitsstelle dort und war fortan auf finanzielle Hilfen aus seiner Umgebung angewiesen. Für die Jahre von 1936 bis 1939 vermerkte die Jüdische Gemeinde auf seiner Kultussteuerkartei die Arbeitslosigkeit. Vermutlich lebte er von seinen Ersparnissen.

Am 22. April 1942 ordnete die Gestapo an, dass Fanny Kallmes und Wilhelm Cohn in das "Judenhaus" Agathenstraße 3 umziehen mussten. Auch Fanny Kallmes vormals abgesicherte finanzielle Situation war inzwischen prekär geworden und Verwandte, die sie unterstützt hatten, waren bereits deportiert. Zudem standen im Juli 1942 die ersten großen "Alterstransporte" nach Theresienstadt an, Wilhelm Cohn und Fanny Kallmes mussten damit rechnen, den Deportationsbefehl dazu zu erhalten. Angesichts dessen entschlossen sie sich, ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen.

Fanny Kallmes und Wilhelm Cohn nahmen am 14. Juli 1942 Barbiturate. Jüdische Mitbewohner aus dem Haus Agathenstraße 3 informierten die Polizeirevierwache, die beide ins Jüdische Krankenhaus in der Johnsallee transportieren ließ. Dort verstarben sie am 15. Juli 1942.

Fanny Kallmes und Wilhelm Cohn wurden auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel beigesetzt.

© Bärbel Klein

Quellen: StaH, 1; 2; 4; 8; 331-5_3 Akte 1188/1942 (Kallmes, Fanny); 331-5_3 Akte 1269/1942 (Cohn, Wilhelm); 351-11_34620; 351-11_55753; 741-4_K2353; 332-5_372;331-5_3 Akte_1269/1942; 522-1_390; www.wikipedea.de, Hans Robinsohn (Einsicht 19.12.2020).
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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