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Herbert Asser
Herbert Asser
© Privatbesitz

Herbert Asser * 1905

Stammannstraße 12 (Hamburg-Nord, Winterhude)


HIER WOHNTE
HERBERT ASSER
JG. 1905
VOR DEPORTATION
UNTERGETAUCHT
VERSTECKT GELEBT
BEFREIT / ÜBERLEBT

further stumbling stones in Stammannstraße 12:
Bertha Eckelmann

Herbert Asser, geboren am 20.8.1905 in Hamburg, Zwangsarbeit ab 1938, am 1.8.1947 durch Suizid verstorben

Stammannstraße 12

Herbert Asser war der erste zweier Söhne des jüdischen Ehepaares Julius und Emma Asser (geb. Rudolph). Er und sein jüngerer Bruder Kurt besuchten - wie schon der Vater Julius Asser (siehe www.stolpersteine-hamburg.de) - die Talmud Tora Realschule am Bornplatz.

Nach der Schule begann er eine Lehre und schloss seine Gesellenprüfung als Maler und Anstreicher mit einer sehr guten Note ab.
Er konvertierte zum evangelisch-lutherischen Glauben und heiratete am 7. November 1931 die Protestantin Gertrud Wilk.

Das Ehepaar wohnte zunächst in Berlin, Torfstraße 28a. Am 9. Oktober 1932 wurde die Tochter Silvia geboren. Die Familie zog im Juli 1934 nach Hamburg. In der neu erbauten Jarrestadt fand sie eine Wohnung in der Stammannstraße 12. Ihre Flurnachbarin war Berta Eckelmann (siehe www.stolpersteine-hamburg.de).

Herbert Asser plante eigentlich, in Hamburg seine Meisterprüfung abzulegen und sich mit einem Startkapital von 3500 Reichsmark als Maler und Anstreicher selbstständig zu machen. Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde er jedoch nicht zur Meisterprüfung zugelassen. Ab 1938 erhielt er allgemeines Berufsverbot.

Das Ehepaar galt nun (ungeachtet des Übertritts zum Christentum) als Mischehe, und weil eine minderjährige, nichtjüdisch erzogene Tochter existierte, als "privilegierte Mischehe".

Herbert Asser wurde wegen einer Depression ärztlich behandelt. Dann wurde er zu "Pflichtarbeiten" auf dem Friedhof Ohlsdorf herangezogen, die Fürsorgeempfänger zu leisten hatten. Dort musste er Bäume fällen, Holz hacken und Gräber graben. 1939 wurde er vorübergehend als Bote und Lagerhelfer in einer Lack- und Farbenhandlung eingesetzt.

Herbert Asser behielt sein SIEMENS-Radio, das er hätte abliefern müssen, und hörte mit Kopfhörern verbotenerweise regelmäßig die BBC-Nachrichten. Wie andere in "privilegierten Mischehen" lebende Juden blieb er von der Deportation verschont, was sich beim geringsten Anlass hätte ändern können.

Vom 15.1.1940 bis 24.11.1944 war Herbert Asser bei der Firma Gäbler als Lagerverwalter, danach bei der Firma Paul C. Ziemcke als Zwangsarbeiter dienstverpflichtet. Er musste in "Judenkolonnen" (wie auch sein halbjüdischer Nachbar August Eckelmann) harte körperliche und oft gefährliche Arbeit leisten. Während der Bombardierung Hamburgs wurde er gemeinsam mit russischen Kriegsgefangenen zum Schutträumen eingesetzt.

Am 12. November 1942 wurde die Tochter Roswitha Asser geboren.

Nach der Befreiung 1945 konnte Herbert Asser bei der Britischen Militärregierung als Dolmetscher arbeiten.
In den Nachkriegsjahren verschlimmerte sich seine Depression.
Er starb in seiner Wohnung in der Stammannstraße 12 durch Suizid am 1.8.1947.

Private Nachbemerkung:
Herberts Witwe, meine Großmutter Gertrud Asser, hat mehrfach berichtet, dass ihr Mann durch einen in die Eckelmann-Wohnung eingezogenen "Nazi" namens Palatz – wie August Eckelmann später bestätigte - vor Razzien gewarnt und sogar in dessen Wohnung versteckt worden sei.
Nach meinen Recherchen in den Hamburger Adressbüchern der Kriegsjahre gab es den Namen Palatz nur dreimal: Es könnte sich am ehesten um den Just.-Insp. W. Palatz gehandelt haben. Er war am Schwalbenplatz 17 wohnhaft und wurde dort im Juli 1942 ausgebombt.

In den Zwangsarbeiterkolonnen lernte Herbert Asser den späteren Oberregierungsrat der Hamburger Sozialbehörde Willi Elsner kennen. 1949 attestierte Elsner meinem Großvater neben der "rassischen" Verfolgung posthum die politische Verfolgung als Antifaschist.

Das SIEMENS-Radio, das Herbert Asser noch in Berlin angeschafft hatte, gehört zu den wenigen Erbstücken, die ich von ihm besitze.

© Wolfgang Ram (Enkel)

Quellen: StaH 351-11_30282, div. Schriftstücke, Hamburger Adressbücher.

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