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Richard Bafoll * 1944

Kurt-A.-Körber-Chaussee 9 (Bergedorf, Bergedorf)


ZWANGSARBEITSLAGER KAMPCHAUSSEE
DEUTSCHE KAP-ASBEST-WERKE
1943 – 1945
56 KINDER VON POLNISCHEN ZWANGSARBEITERINNEN
VERNACHLÄSSIGT – UNTERERNÄHRT - ERMORDET

RICHARD BAFOLL
GEB. 28.5.1944
TOT 5.10.1944

Weitere Stolpersteine in Kurt-A.-Körber-Chaussee 9:
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Richard Bafoll, geb. am 28.5.1944 in Hamburg, verstorben am 5.10.1944 in Hamburg

Kurt-A.-Körber-Chaussee 9 (Bergedorf)
ehemals Lager Kampchaussee 9/11, Deutsche Kap-Asbest-Werke AG


Richard Bafoll kam am 28. Mai 1944 in Hamburg zur Welt. Seine Mutter Irene Bafoll, geb. am 20.9.1925 in Radom, war römisch-katholischen Glaubens und ledig. Aus ihrer Heimat Polen verschleppt, musste sie zunächst in Hamburg-Harburg für die Flakkaserne Sinstorf, einen Betrieb der Luftwaffe der Wehrmacht, Zwangsarbeit leisten. Vermutlich war sie in der Baracke im Sinstorfer Kirchenweg gegenüber der Kaserne untergebracht und wurde mit etwa 28 polnischen Frauen zur Küchenarbeit eingesetzt. In dieser Zeit war sie schwanger.

Am Tag der Geburt ihres Kindes kam Irene Bafoll in die Frauenklinik Finkenau, Hamburg- Uhlenhorst. Acht Tage nach der Entbindung wurde sie mit ihrem Sohn Richard am 5. Juni 1944 nach Hamburg-Bergedorf in das Lager Kampchaussee 9 (heute Kurt-A.-Körber-Chaussee) entlassen, zur Zwangsarbeit als "Flechterin" für die Deutsche Kap-Asbest-Werke AG. Dort musste Richard die kurze Zeit seines Lebens verbringen. Die Ernährungs- und Lebensbedingungen waren für ihn völlig unzureichend.

Am 24. Juni 1944 wurde er mit der Diagnose "Furunkolose" in das Allgemeine Krankenhaus Langenhorn eingeliefert. Nach sieben Tagen kam er am 1. Juli 1944 wieder zurück in das Lager Kampchaussee. Ein zweites Mal wurde er am 28. August 1944 im Langenhorner Krankenhaus aufgenommen, die Diagnose lautete "Ernährungsstörungen".

Nach fünfeinhalb Wochen verstarb er dort am 5. Oktober 1944 um 15:30 Uhr. In der Todesanzeige des Krankenhauses ist als Todesursache "Pädatrophie" (Auszehrung – schwerster Grad der Ernährungsstörung) und als unterzeichnender Arzt Blumenthal angegeben.

Richard wurde 4 Monate und 7 Tage alt.

Sieben Tage nach seinem Tod fand seine Beisetzung am 12. Oktober 1944 auf dem Friedhof Ohlsdorf statt, Grablage: 39, Reihe 7, Nr. 39. Sein Grab ist nicht mehr erhalten. Ende des Jahres 1959 wurde es zusammen mit mindestens 146 Gräbern der Kinder von Zwangsarbeiterinnen auf Areal Q 39 eingeebnet.

Irene Bafoll wurde am 1. November 1944 wegen einer Mittelohrentzündung im Allgemeinen Krankenhaus Langenhorn behandelt und sieben Tage später wieder in das Zwangsarbeitslager Kampchaussee entlassen. Am 13. April 1945 erfolgte ihre Verlegung nach Hamburg-Harburg, Meckelfelderstraße 26 (heute Radickestraße), zum Arbeitseinsatz für den Gartenbaubetrieb S. Radicke.

Stand: April 2026
© Margot Löhr

Quellen: Standesamt Hamburg 6, Geburtsregister 973/1944 Richard Bafoll; StaH 131-1 II, 518 Listen der während des Zweiten Weltkrieges in Hamburg verstorbenen und beigesetzten ausländischen Zivilarbeiter, S. 89, S. 257; StaH 131-1 II, 519 Listen der 1940 in Hamburger Krankenhäusern behandelten Ausländer, nach Nationalitäten geordnet, S. 187; 131-1 II, 2721, Listen der Gräber von im Zweiten Weltkrieg verstorbenen ausländischen Zivilisten auf Hamburger Friedhöfen, S. 108; 131-1 II, 2723, Gräber russischer Kriegsgefangener und Ostarbeiter auf Friedhöfen des Hamburger Gebiets, S. 125; StaH 221-11
Entnazifizierungsakte, Fa 12389; StaH 332-5 Standesämter, Sterberegister 9953 u. 1452/1944 Richard Bafoll; StaH 332-5 Sterbefallsammelakten, 64306 u. 1452/1944 Richard Bafoll; StaH 332-8, A 48 Alphabetische Meldekartei der Ausländer 1939–1945, 741-4 Fotoarchiv, K 4592; StaH 352-8/7 Staatskrankenanstalt Langenhorn, 184 Band 2, S. 77, S. 104; ITS Archives, Bad Arolsen, Copy of Krankenhausliste Frauenklinik Finkenau 2.1.2.1/70646036, 70643785; http://www.zwangsarbeit-in-hamburg.de, eingesehen 17.2.2016; http://www.straty.pl/index.php/en/szukaj-w-bazie, eingesehen 10.7.2017; Archiv Friedhofsverwaltung Ohlsdorf, Beerdigungsregister 1944.

Erläuterung:
Carl Radicke, geb. 1898, Radickestraße 26, Gärtnereibesitzer. Haus und Grundstücke, 2 ½ ha in der Meckelfelderstraße 5 und 26 für Gemüseanbau; 1933 gehörte er dem Stahlhelm (Bund der Frontsoldaten) an, 1931–34 war er Mitglied im Reichsverband des Deutschen Gartenbaus, 1934–37 Kreisfachwart der Kreisbauernschaft Harburg, gehörte div. Freizeitclubs an, der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) und des Reichskriegerbundes. 1939 erwarb er den Meistertitel als Gärtner, seit 1942 Vorsitzender der Saatbaugenossenschaft und aktives Mitglied mehrerer Berufsverbände. Die Entnazifizierungskommission erhob im Februar 1947 keine Einwände gegen ihn, er galt als nicht belastet. (Quelle: StaH 221-11 Entnazifizierungsakte, Fa 12389).

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