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Eugenius Chrusciel * 1944
Kurt-A.-Körber-Chaussee 9 (Bergedorf, Bergedorf)
ZWANGSARBEITSLAGER KAMPCHAUSSEE
DEUTSCHE KAP-ASBEST-WERKE
1943 – 1945
56 KINDER VON POLNISCHEN ZWANGSARBEITERINNEN
VERNACHLÄSSIGT – UNTERERNÄHRT - ERMORDET
HIER GEBOREN
EUGENIUS
CHRUSCIEL
GEB. 12.1.1944
TOT 15.2.1944
Weitere Stolpersteine in Kurt-A.-Körber-Chaussee 9:
Richard Bafoll, Leo Georg Bartyzel, Jerzy Antoni Biernat, Ursula Caban, Zokistaco Domanska, Josef Dudek, Mirek Dziziong, Sophia Galeza, Wieslawa Grat, Wieslawa Gromczyk, Georg Gubanska, Richard Jedrzejczak, Alfrede Jonczyk, Kristine Kaicher, Barbara Karpinska, Marzel Keyl, Julius Dadewach Kinjora, Genovefa Klesczynska, Jan Kluba, Karol Kowalczyk, Henrik Krolikowska, Richard Kuzniarek, Therese Lebjoda, Waldemar Czeslaw Lekowski, Wlodzimierz Lipka, Julia Januta Lucik, Wladislaw Maciejczyk, Edward Stanislaw Malecka, Waldemar Masur, Veronika Michalczak, Leszek Moldysz, Jadwiga Nykel, Boleslaw Georg Olszewska, Czeslaw Olszewska, Irene Olzewska, Iwan Paliwoda, Stanislaw Polak, Johannes Puc, Robert Radwan, Iworna Saganowska, Peter Siczek, Wieslaw Staszak, Johann Stempczynska, Ryszard Telenga, Krystyna Tesarczyk, Juruch Turczyn, Irene Tylczak, André Wasiak, Danuscha Wezyk, Sofie Wietrak
Eugenius Chrusciel, geb. am 12.1.1944 in Hamburg, verstorben am 15.2.1944 in Hamburg
Kurt-A.-Körber-Chaussee 9 (Bergedorf)
ehemals Lager Kampchaussee 9/11, Deutsche Kap-Asbest-Werke AG
Eugenius Chrusciel kam am 12. Januar 1944 in Hamburg zur Welt. Seine Mutter Stanislawa Chrusciel, geb. am 9.4.1919 in Bierczykow/Radomsko, war katholischen Glaubens und ledig. Aus ihrer Heimat Polen verschleppt, musste sie zunächst in Hamburg-Hellbrook als "Landarbeiterin" Zwangsarbeit leisten.
Während dieser Zeit wurde sie schwanger. Am 15. September 1942 notierte eine Ursula Ludewig auf dem Vordruckzettel von Dr. med. Willy Nissen aus Bramfeld: "Frau Stanislawa Chrusciel ist im VII-VIII Monat schwanger Rückausschiebung i.d. Heimat notwendig"- "zurück Dr. Meyer". Vom Arbeitsamt Hamburg erhielt sie am 22. September 1922 einen Rückkehrschein "zur einmaligen Ausreise" bis Radomsko. Als Grund wurde "Schwangerschaft" vermerkt.
Sie kehrte wieder nach Hamburg zurück, vermutlich ohne Kind. Im folgenden Jahr wurde sie erneut schwanger.
Am 17. Dezember 1943 wurde sie hochschwanger nach Hamburg-Bergedorf in das Lager Kampchaussee 9 (heute Kurt-A.-Körber-Chaussee) zum Arbeitseinsatz für die Deutsche Kap-Asbest-Werke AG verlegt. Dort brachte Stanislawa Chrusciel ihren Sohn Eugenius am 12. Januar 1944 um 9:00 Uhr zur Welt. Der Lagerführer Franz Rudolf Hermann Reissig, wohnhaft Hamburg-Bergedorf, zeigte die Geburt mündlich an. In diesem Lager musste Eugenius die kurze Zeit seines Lebens verbringen. Die Ernährungs- und Lebensbedingungen waren für ihn völlig unzureichend.
Am 15. Februar 1944 wurde er im Allgemeinen Krankenhaus Langenhorn ohne Diagnose aufgenommen, der Eintrag lautete: "?". Noch am selben Tag verstarb er dort um 18:00 Uhr. In der Todesanzeige des Krankenhauses ist als Todesursache "Pädotrophe" (Pädatrophie, Auszehrung – schwerster Grad der Ernährungsstörung) und als unterzeichnender Arzt Blumenthal angegeben.
Eugenius wurde 1 Monat und 3 Tage alt.
Neun Tage nach seinem Tod fand seine Beisetzung am 24. Februar 1944 auf dem Friedhof Ohlsdorf statt, Grablage: Bi 68, Reihe 26, Nr. 21.
Dieses Gräberfeld wurde nach der Schließung des jüdischen Friedhofs Ilandkoppel im Juni 1943 durch die Nationalsozialisten nun für jüdische Beerdigungen bestimmt. In dieser Zeit wurden aber auch noch neun verstorbene Säuglinge von Zwangsarbeiterinnen dort beigesetzt. Die Mütter der Kinder waren polnischer und ukrainischer Nationalität, jedoch nichtjüdisch. Auf diesem Gräberfeld ist heute kein Einzelgrab mehr zu finden.
Stand: April 2026
© Margot Löhr
Quellen: Standesamt Hamburg-Bergedorf, Geburtsregister 27/1944 Eugenius Chrusciel; StaH 131-1 II, 518 Listen der während des Zweiten Weltkrieges in Hamburg verstorbenen und beigesetzten ausländischen Zivilarbeiter, S. 73, S. 230; StaH 131-1 II, 519 Listen der 1940 in Hamburger Krankenhäusern behandelten Ausländer, nach Nationalitäten geordnet, S. 328; 131-1 II, 2721, Listen der Gräber von im Zweiten Weltkrieg verstorbenen ausländischen Zivilisten auf Hamburger Friedhöfen, S. 60; StaH 332-5 Standesämter, Sterberegister 9951 u. 263/1944 Eugenius Chrusciel; StaH 332-5 Sterbefallsammelakten, 64351 u. 263/1944 Eugenius Chrusciel; StaH 332-8, A 48 Alphabetische Meldekartei der Ausländer 1939–1945, 741-4 Fotoarchiv, K 4593; StaH 352-8/7 Staatskrankenanstalt Langenhorn, 184 Band 2, S. 11; http://www.zwangs arbeit-in-hamburg.de, eingesehen 17.2.2016; Archiv Friedhofsverw. Ohlsdorf, Beerdigungsregister 1944.

