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Bereits verlegte Stolpersteine



Iwan Paliwoda * 1945

Kurt-A.-Körber-Chaussee 9 (Bergedorf, Bergedorf)


ZWANGSARBEITSLAGER KAMPCHAUSSEE
DEUTSCHE KAP-ASBEST-WERKE
1943 – 1945
56 KINDER VON POLNISCHEN ZWANGSARBEITERINNEN
VERNACHLÄSSIGT – UNTERERNÄHRT - ERMORDET

IWAN PALIWODA
GEB. 10.4.1945
TOT 2.7.1945

Weitere Stolpersteine in Kurt-A.-Körber-Chaussee 9:
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Iwan Johann Paliwoda, geb. am 10.4.1945 in Hamburg, verstorben am 2.7.1945 in Hamburg

Kurt-A.-Körber-Chaussee 9 (Bergedorf)
ehemals Lager Kampchaussee 9/11, Deutsche Kap-Asbest-Werke AG


Iwan Johann Paliwoda kam am 10. April 1945 in Hamburg zur Welt. Seine Eltern, Barbara Katharina, geb. Newimska, geb. am 28.10.1921 in Posen, und Peter Petro Paliwoda, geb. am 1.6.1917 in Zinirz/Krs. Nischmow (laut Ausländermeldekartei seiner Ehefrau geb. am 30.5.1917), waren römisch-katholischen Glaubens. Aus ihrer Heimat Posen/Polen, Krumme Gasse 5 a, verschleppt, musste Barbara Paliwoda zunächst in Hamburg-Volksdorf im Bahnhofsweg 8 (heute Claus-Frerck-Staße) bei Theodor Weinhardt in der Gaststätte "Volksdorfer Park" Zwangsarbeit leisten. Dort im Saal waren 1935 die "Volksdorfer Lichtspiele", das spätere Kino "Koralle", eröffnet worden.

Peter Paliwoda, Elektotechniker, kam zunächst in das Lager Jürgenswiese, ab 14. Juli 1941 dann in das Lager Kirchhöfen, er wurde zur Zwangsarbeit als "Stemmer" eingesetzt.

Im 7. Monat ihrer Schwangerschaft erfolgte für Barbara Paliwoda am 22. Januar 1945 die Verlegung nach Hamburg-Bergedorf in das Lager Kampchaussee 9, zum Arbeitseinsatz für die Deutsche Kap-Asbest-Werke AG.

Peter Paliwoda wurde am 25. Februar 1945 "in Haft abgeführt". Die Gründe dafür sind nicht bekannt. Einen Monat später verstarb er im "Arbeitserziehungslager" Langer Morgen 2 (heute Blumensand) an der Rethebrücke in Hamburg am 22. März 1945 um 4:10 Uhr. Im Sterberegister ist als Todesursache "durch Feindeinwirkung gefallen" angegeben und verzeichnet: "Der Verstorbene war verheiratet. Namen der Ehefrau unbekannt", eingetragen auf schriftliche Anzeige des Polizeipräsidenten in Hamburg vom 12. April 1945.

Kurze Zeit später brachte Barbara Paliwoda am 10. April 1945 ihren Sohn Iwan Johann in Hamburg-Eppendorf zur Welt. Nach der Entbindung wurde sie mit ihm zurück in das Lager Kampchaussee entlassen.

Nach Kriegsende kamen Mutter und Sohn in das "Ausländerlager" Bismarckkaserne Wentorf/Krs. Stormarn, das nach dem Krieg mit Hilfe der UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration) für "Displaced Persons" eingerichtet worden war. Die Ernährungs- und Lebensbedingungen waren für Iwan auch dort völlig unzureichend.

Am 2. Juli 1945 verstarb er im Kinderkrankenhaus Rothenburgsort um 15:15 Uhr. In der Sterbefallanzeige des Krankenhauses ist als Todesursache "Ernährungsstrg.", "Decomposition" (Zersetzung), "Kreislaufschwäche" angegeben. In diesem Dokument ist von Krankenschwester L. Hasse vermerkt, die Angaben seien auf Grund "der Akte No: 1430" erstattet worden, "da die Mutter nicht telephonisch noch schriftlich erreichbar war".

Iwan Johann wurde 2 Monate, 3 Wochen und 1 Tag alt.

Sieben Tage nach seinem Tod fand seine Beisetzung am 9. Juli 1945 auf dem Friedhof Ohlsdorf statt, Grablage: Q 39, Reihe 19, Nr. 36. Sein Grab ist nicht mehr erhalten. Ende des Jahres 1959 wurde es zusammen mit mindestens 146 Gräbern der Kinder von Zwangsarbeiterinnen auf Areal Q 39 eingeebnet.

Stand: April 2026
© Margot Löhr

Quellen: Standesamt Hamburg-Eppendorf, Geburtsregister 959/1945 Iwan Johann Paliwoda; StaH 131-1 II, 517, Listen der in Hamburg während des Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommenen Ausländer. Band 2: Sowjetbürger, Polen, Niederländer und Belgier, S. 144; StaH 131-1 II, 518 Listen der während des Zweiten Weltkrieges in Hamburg verstorbenen und beigesetzten ausländischen Zivilarbeiter, S. 124, S. 242; 131-1 II, 2721, Listen der Gräber von im Zweiten Weltkrieg verstorbenen ausländischen Zivilisten auf Hamburger Friedhöfen, S. 81; StaH 332-5 Standesämter, Sterberegister 12183 u. 590/1945 Peter Paliwoda; StaH 332-5 Standesämter, Sterberegister 1241 u. 350/1945 Iwan Johann Paliwoda; StaH 332-5 Sterbefallsammelakten, 64395 u. 350/1945 Iwan Johann Paliwoda; StaH 332-8, A 48 Alphabetische Meldekartei der Ausländer 1939–1945, 741-4 Fotoarchiv, K 4599; ITS Archives, Bad Arolsen, Copy of Krankenhausliste Frauenklinik Finkenau 2.2.2.3 / 77018336, 70643782; http://www.zwangsarbeit-in-hamburg.de, eingesehen 17.2.2016; http://www.straty.pl/index.php/en/szukaj-w-bazie, eingesehen 10.7.2017; Archiv Friedhofsverwaltung Ohlsdorf, Beerdigungsregister 1945.

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