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Bereits verlegte Stolpersteine



Sofie Wietrak * 1944

Kurt-A.-Körber-Chaussee 9 (Bergedorf, Bergedorf)


ZWANGSARBEITSLAGER KAMPCHAUSSEE
DEUTSCHE KAP-ASBEST-WERKE
1943 – 1945
56 KINDER VON POLNISCHEN ZWANGSARBEITERINNEN
VERNACHLÄSSIGT – UNTERERNÄHRT - ERMORDET

SOFIE WIETRAK
GEB. 10.4.1944
TOT 12.5.1945

Weitere Stolpersteine in Kurt-A.-Körber-Chaussee 9:
Richard Bafoll, Leo Georg Bartyzel, Jerzy Antoni Biernat, Ursula Caban, Eugenius Chrusciel, Zokistaco Domanska, Josef Dudek, Mirek Dziziong, Sophia Galeza, Wieslawa Grat, Wieslawa Gromczyk, Georg Gubanska, Richard Jedrzejczak, Alfrede Jonczyk, Kristine Kaicher, Barbara Karpinska, Marzel Keyl, Julius Dadewach Kinjora, Genovefa Klesczynska, Jan Kluba, Karol Kowalczyk, Henrik Krolikowska, Richard Kuzniarek, Therese Lebjoda, Waldemar Czeslaw Lekowski, Wlodzimierz Lipka, Julia Januta Lucik, Wladislaw Maciejczyk, Edward Stanislaw Malecka, Waldemar Masur, Veronika Michalczak, Leszek Moldysz, Jadwiga Nykel, Boleslaw Georg Olszewska, Czeslaw Olszewska, Irene Olzewska, Iwan Paliwoda, Stanislaw Polak, Johannes Puc, Robert Radwan, Iworna Saganowska, Peter Siczek, Wieslaw Staszak, Johann Stempczynska, Ryszard Telenga, Krystyna Tesarczyk, Juruch Turczyn, Irene Tylczak, André Wasiak, Danuscha Wezyk

Sofie Wietrak, geb. am 10.4.1944 in Hamburg, verstorben am 12.5.1945 in Hamburg

Kurt-A.-Körber-Chaussee 9 (Bergedorf)
ehemals Lager Kampchaussee 9/11, Deutsche Kap-Asbest-Werke AG


Sofie Wietrak kam am 10. April 1944 in Hamburg zur Welt. Ihre Mutter Aniela Wietrak, geb. am 29.12.1918 in Nowe Miasto, Powiat Płoński der Woiwodschaft Masowien, war katholischen Glaubens und ledig. Aus ihrer Heimat Polen verschleppt, musste sie zunächst in Hamburg-Kirchenwärder im Querweg 118 bei Gemüsebauer Gustav Kohpeiss Zwangsarbeit leisten. In dieser Zeit war sie schwanger.

Bereits vier Wochen vor der Geburt wurde Aniela Wietrak am 14. März 1944 in der Frauenklinik Finkenau, Hamburg-Uhlenhorst, aufgenommen. Elf Tage nach der Entbindung erfolgte für sie und ihre Tochter Sofie am 21. April 1944 die Verlegung nach Hamburg-Bergedorf, Neuenfelde 55, bei Dirks.

Kurze Zeit später musste Aniela Wietrak ab 17. Juni 1944 für die Deutschen Kap-Asbest Werke in Hamburg-Bergedorf als "Zwirnerin" arbeiten und war in der Kampchaussee 9 (heute Kurt-A.-Körber-Chaussee) untergebracht. Dort musste Sofie die kurze Zeit ihres Lebens verbringen. Die Ernährungs- und Lebensbedingungen waren für sie völlig unzureichend.

Im Jahr darauf verstarb Sofie kurz nach Kriegsende am 12. Mai 1945 im Hilfskrankenhaus Helenenstift Hohenzollernring in Ottensen. In der erst 1952 ausgestellten Sterbeurkunde ist die Todesursache als "unbekannt" angegeben.

Sofie wurde 1 Jahr, 1 Monat und 2 Tage alt.

Ihre Beisetzung fand am selben Tag am 12. Mai 1945 um 12:00 Uhr auf dem Neuen Friedhof Bergedorf statt, Grablage: Abteilung 38, Nr. 515, zusammen im Grab mit Mirek Dziziong, Richard Jedrzejczak und Julia Luzik.

Die Friedhofsverwaltung gab Aniela Wietrak als zahlungspflichtig an. Wie ein Schreiben vom 24. Juli 1947 des Friedhofsamts Bergedorf an den Senat Hamburg, Amt für regionale Verwaltung, zeigt, wurde kurz nach dem Einmarsch der britischen Armee Sofies Leiche den Soldaten übergeben und auf dem Friedhof Bergedorf beigesetzt: "Sterbeurkunde für den Sterbefall des Polenkindes Sofie Wietrak, geb. am 10.4.1944 war nicht zu beschaffen. Die Kindesleiche ist gleich nach der Besetzung von britischen Soldaten zur Beerdigung übergeben worden, Papiere waren nicht vorhanden. Nach Angaben der Mutter soll das Kind im Hohenzollernkrankenhaus in Altona verstorben sein, doch war bei dem zuständigen Standesamt in Hamburg-Altona der Sterbefall nicht beurkundet. Ein Abzug der Friedhofskarte mit Lageangabe für die Gräber liegt bei. Ein Lichtbild ist leider nicht vorhanden. Die einzelnen Gräber sind sauber gehalten. Angepflanzter Efeu ist im verflossenen Winter eingegangen. Neuer Efeu wird derzeit angepflanzt."

Stand: April 2026
© Margot Löhr

Quellen: Standesamt Hamburg 6, Geburtsregister 709/1944 Sofie Wietrak; 131-1 II, 2723, Gräber russischer Kriegsgefangener und Ostarbeiter auf Friedhöfen des Hamburger Gebiets, S. 133, S. 152; StaH 131-1 II_2724 Polnische Gräber auf Hamburger Gebiet (nur seit dem 1.6.1939 entstandene Grabstätten) – Erfassungsaktion des Polnischen Roten Kreuzes, S. 11; 332-4, Ermittlungen der Registerstelle für den Internationalen Suchdienst in Arolsen und andere Stellen über den Tod ausländischer, vereinzelt auch deutscher Staatsangehöriger in der NS-Zeit, Nr. 2178, Nr. 1645 Liste Peter Kuczwara; StaH 332-5 Standesämter, Sterberegister 5133 u. 553/1952 Sofie Wietrak; StaH 332-8, A 48 Alphabetische Meldekartei der Ausländer 1939–1945, 741-4 Fotoarchiv, K 4603; StaH 332-8, A 51/1 Hausmeldekartei, 741-4 Fotoarchiv, K 2577 Querdeich; Arolsen Archives, Copy of Krankenhausliste Frauenklinik Finkenau 2.1.2.1 / 70646044, Sterbeurkunde 2.2.2.4 / 77107649, Doc. 70641850, 70643783; Altonaer Adressbuch 1938, Bergedorfer Adressbuch mit Kirchwärder; Hamburger Adressbuch 1943; http://www.zwangsarbeit-in-hamburg.de, eingesehen 17.2.2016; http://www.straty.pl/index.php/en/szukaj-w-bazie, eingesehen 10.7.2017.

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