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Wilhelm Göppner * 1870

Harburger Schloßstraße 8-10 (Harburg, Harburg)


HIER WOHNTE
WILHELM GÖPPNER
JG. 1870
EINGEWIESEN 1922
HEILANSTALT LÜNEBURG
HERBORN
`VERLEGT’ 21.5.1941
HADAMAR
ERMORDET 21.5.1941
´AKTION T4‘

Wilhelm Göppner, geb. 12.4.1870 in Harburg, eingewiesen in die Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt zu Lüneburg am 23.8.1913, 18.6.1920 bis 30.10.1922 Heil- und Pflegeanstalt Hildesheim, dann zurückverlegt nach Lüneburg, am 23.4.1941 ´verlegt` in die Heil- und Pflegeanstalt Herborn, ´verlegt`am 21.5.1941 in die Tötungsanstalt Hadamar, ermordet am 21.5.1941

Harburger Schloßstraße 8-10 (früher Schloßstraße 45), Stadtteil Harburg

Wilhelm Göppner lebte mit seinen Eltern in der Schloßstraße 45. Sein Vater betrieb dort eine Schuhmacherei. Schon als Kind zeigten sich Probleme bei Wilhelm Göppner: Er war schwerhörig und hatte Schwierigkeiten beim Lernen in der Schule. Nach dem Schulabschluss arbeitete er als Schuhmacher in dem Geschäft seines Vaters.

Mit 20 Jahren (1890) wurde sein Verhalten auffällig. Früher eher als scheu beschrieben, soll er jetzt Wutanfälle, Aggressionen und starke Stimmungsschwankungen gezeigt haben.

1904 übernahm er das väterliche Geschäft. Die Verhaltensauffälligkeiten verstärkten sich, er galt nun als gewalttätig.

Am 23. August 1913 wurde Wilhelm Göppner, auf Anweisung des Magistrats der Stadt Harburg, in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg eingewiesen. Dort lautete die Diagnose "Fortgeschrittener Zustand der Dementia praecox" (heute: Schizophrenie). Diese Krankheit beginnt im frühen Erwachsenenalter und führt zu einer schleichenden geistigen Beeinträchtigung.

Am 18. Juni 1920 wurde er mit dem Vermerk "ungeheilt" in die Heil- und Pflegeanstalt Hildesheim verlegt und am 30. Oktober 1922 "von Hildesheim zurück verlegt". Über den weiteren Krankheitsverlauf ist in der Akte nichts dokumentiert.

In der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg wurden bereits in den 1930er-Jahren Zwangssterilisationen an über 100 Patienten vorgenommen, vermutlich gehörte Wilhelm Göppner zu den Betroffenen.

Ab Herbst 1939 waren alle Heil- und Pflegeanstalten verpflichtet, Patientinnen und Patienten mit körperlichen, geistigen und seelischen Erkrankungen an die Zentraldienststelle in Berlin, Tiergartenstraße 4, zu melden (Aktion T4). Dort entschieden ärztliche Gutachter über deren weiteres Schicksal.
Über 70 000 Patienten fielen diesem Programm zum Opfer. Aus Lüneburg wurden zwischen 1940 und 1941 fast 500 Patienten (sogenannte Ballastexistenzen) in die verschiedenen Tötungsanstalten überführt.
(Zudem wurden in der 1941 eingerichteten "Kinderfachabteilung" über 300 Kinder mit Luminal oder Morphium getötet.)

Am 23. April 1941 wurde Wilhelm Göppner mit sechs weiteren Patienten aus Lüneburg in die Heil- und Pflegeanstalt Herborn ´verlegt` und von dort am 21. Mai 1941 in die Tötungsanstalt Hadamar weitertransportiert. Alle Patienten wurden noch am Tag der Ankunft in der Gaskammer ermordet.

Wilhelm Göppner starb am 21. Mai 1941. Was mit seinen sterblichen Überresten geschah, ist nicht bekannt.

Zwischen dem 13. Januar und dem 24. August 1941 wurden in Hadamar 10.122 Menschen im Gas erstickt, "desinfiziert", wie es im Amtsdeutsch genannt wurde. Nach dem offiziellen Stopp der "Euthanasie" wurde in den Tötungsanstalten weitergemordet: Durch Essensentzug, Injektionen mit Veronal, Luminal, Morphium oder Luft.

Stand: September 2026
© Margrit Rüth

Quellen: Niedersächsisches Landesarchiv Hann. 155 Lüneburg Acc. 2004/066 Nr. 07830; Adressbuch der Stadt Harburg 1912; https://hamburger-euthanasie-opfer.de/ (Zugriff 21.9.2026); Auskunft Gedenkstätte Lüneburg 7.5.2024; https://www.gedenkstaette-hadamar.de/ (Zugriff 13.10.2026); E-Mail-Auskunft Gedenkstätte Hadamar (Michel) v. 19.1.2026.

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