Namen, Orte und Biografien suchen


Bereits verlegte Stolpersteine



Käthe Heckscher * 1895

Kurzer Kamp 6 Altenheim (Hamburg-Nord, Fuhlsbüttel)

Freitod 07.12.1941

Weitere Stolpersteine in Kurzer Kamp 6 Altenheim:
Dr. Julius Adam, Johanna Hinda Appel, Sara Bromberger, Friederike Davidsohn, Margarethe Davidsohn, Gertrud Embden, Katharina Embden, Katharina Falk, Auguste Friedburg, Jenny Friedemann, Mary Halberstadt, Emily Heckscher, Betty Hirsch, Hanna Hirsch, Regina Hirschfeld, Clara Horneburg, Anita Horneburg, Emma Israel, Jenny Koopmann, Franziska Koopmann, Martha Kurzynski, Laura Levy, Chaile Charlotte Lippstadt, Isidor Mendelsohn, Balbine Meyer, Helene Adele Meyer, Ida Meyer, Ella Rosa Nauen, Celine Reincke, Friederike Rothenburg, Benny Salomon, Elsa Salomon, Martha Rosa Schlesinger, Louis Stiefel, Sophie Stiefel, Louise Strelitz, Eugenie Hanna Zimmermann

Emily Heckscher, geb. Löwenthal, geb. am 15.12.1865 in Hamburg, nahm sich am 6.12.1941 in Hamburg das Leben
Käthe Heckscher, geb. am 18.10.1895 in Hamburg, nahm sich am 7.12.1941 in Hamburg das Leben

Kurzer Kamp 6

Emily Löwenthal wurde als Tochter von Adele und Julius Löwenthal am 15. Dezember 1865 in Hamburg geboren. Ihre Mutter Adele, geb. Nathan (geb. 1839), war gebürtige Hamburgerin. Ihr Vater, Emilys Großvater, der Kaufmann Adolph Nathan, stammte aus Braunschweig. Er hatte sich in Hamburg angesiedelt und Louise, geb. Samson, geheiratet. Emilys Vater Julius Löwenthal war naturalisierter englischer Staatsangehöriger. Nach der Eheschließung im Jahre 1862 hatte Emilys Mutter Adele mit ihm in Manchester gewohnt. Dort wurde 1863 Emilys ältester Bruder Arthur Edward geboren. Im Jahr darauf zog die Familie Löwenthal nach Hamburg, wo Emily dann zur Welt kam. Ihre zwei jüngeren Geschwister William Henry (geb. 1874) und Annita Marie (geb. 1876) wurden ebenfalls in Hamburg geboren. Emily hatte noch den Geburtsschein der Deutsch-Israelitischen Gemeinde erhalten, bei ihrer jüngeren Schwester ist dagegen im Geburtsregister "ohne Religion" eingetragen. Emily war 16 Jahre alt, als die Ehe ihrer Eltern Anfang 1881 geschieden wurde. Ihr Vater lebte danach wieder – wie auch ihr ältester Bruder – im Ausland. Bei einem Besuch in Hamburg im Juli 1891 verstarb Emilys Vater, der inzwischen von seiner zweiten Ehefrau getrennt im Hotel Hamburger Hof am Jungfernstieg lebte, an einer Angina Pectoris. Er wurde 59 Jahre alt.

Emilys Mutter Adele Löwenthal entschloss sich nun, die Hamburger Staatsbürgerschaft zu beantragen, die ihr am 27. Februar 1892 zuerkannt wurde. In ihrem Leumundszeugnis wurde ihr bescheinigt, dass sie über eine lange Zeit als eine rechtschaffene und sehr ehrenwerte Frau bekannt sei. Damals verfügte sie über ein von ihrer Mutter ererbtes Vermögen, dessen Zinsen etwa 5000,- Mark jährlich betrugen. Emily und ihre Geschwister behielten dagegen die englische Staatsangehörigkeit.

Bis zu ihrer Hochzeit wohnte Emily bei ihrer Mutter, seit ihrem fünften Lebensjahr in der Grindelallee 79, 3. Stock. Emily war 28 Jahre alt, als sie am 7. Juli 1894 den 43-jährigen Hamburger Bürger Robert Heckscher heiratete; er war seit dem Jahr 1886 Inhaber der im Handelsregister eingetragenen Firma "Robert Heckscher" und seit dem 7. Juni 1886 Inhaber des Hamburger Bürgerbriefes; damit wurde auch Emily hamburgische Staatsbürgerin.

Robert Heckscher war am 30. November 1850 in Hamburg zur Welt gekommen. Seine Eltern, Sophie, geb. Glogau, und der Kaufmann Joseph Heckscher, ehemals Friseur am Spielbudenplatz, stammten ebenfalls aus der Hansestadt. Früh, im Alter von 45 Jahren, war sein Vater am 5. Mai 1857 verstorben. Er hatte sieben unmündige Kinder zurückgelassen. Robert war sechs Jahre alt, als sein Vater auf dem Jüdischen Friedhof Grindel beigesetzt wurde. Auch seine Mutter hatte die Hochzeit ihres Sohnes Robert mit Emily nicht miterleben können, sie war ein Jahr zuvor, am 19. Juli 1893 in der Rutschbahn 18, verstorben und fand ihre letzte Ruhe auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel, Grablage ZY 11, Nr. 307. Die Jahrzeit, die einjährige jüdische Trauerzeit, war für Robert Heckscher gerade vorbei, als er Emily heiratete. Sein ein Jahr älterer Bruder Adolph Heckscher aus der Eichenallee 16 begleitete ihn als Trauzeuge; dieser besaß den Hamburger Bürgerbrief und war seit Juli 1881 mit Eva Emilie Dammann verheiratet. Robert Heckscher gehörte wie Emily der Deutsch-Israelitischen Gemeinde an.

Nach der Hochzeit bezogen sie in der Klosterallee 27 eine Wohnung im 3. Stock. Dort bekam Emily mit fast 30 Jahren am 18. Oktober 1895 ihr erstes Kind, ihre Tochter Käthe. Drei Jahre später kam ebenfalls dort Sohn Franz Ulrich am 26. Mai 1898 zur Welt.

Emilys Mutter, Adele Löwenthal konnte die Geburt ihres Enkelsohnes noch erleben. Drei Wochen später, am 15. Juni 1898, verstarb sie in ihrer Wohnung in der Eichenallee 10. Sie wurde 58 Jahre alt. Zwei Tage später wurde sie auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel beigesetzt, Grablage B 11, Nr. 266.

Emilys Ehemann Robert Heckscher war als Fonds- und Immobilienmakler tätig. Mit seinem Partner Hugo Lewig war er seit 1898 Inhaber der Firma Hugo Lewig & Heckscher am Neuer Wall 41, mit den Börsensitzen a und b vor Pfeiler 62.
In der Klosterallee 27 wuchsen Emily Heckschers Kinder Käthe und Franz Ulrich auf. Es ist anzunehmen, dass die Familie in dieser Zeit in gutsituierten Verhältnissen lebte.

Emily Heckschers Schwager Adolph Heckscher verstarb am 20. Februar 1917 im Alter von 67 Jahren in seiner Wohnung, Curschmannstraße 13. Sechs Tage später erfolgte seine Urnenbeisetzung auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel, Grablage B 9, Nr. 83.

Eine tragische Wendung nahm das Leben von Emily Heckscher, als ihr Ehemann und der Vater ihrer Kinder mit 69 Jahren nach dem Ersten Weltkrieg verstarb. Nach einer einmonatigen Behandlung war er am 12. Juli 1920 im Allgemeinen Krankenhaus Eppendorf einer Herzmuskelerkrankung erlegen. Robert Heckscher wurde auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel nahe bei dem Grab seines Bruders bestattet, Grablage C 9, Nr. 285. Emily und ihre Kinder hatten sich für einen mit Rosen geschmückten Grabstein entschieden.

Sohn Franz Ulrich war schon zu Beginn jenes Jahres in die Firma seines Vaters am Neuerwall 44, 1. Stock, eingetreten. Nun, mit 22 Jahren, musste er die alleinige Verantwortung für das Bankgeschäft übernehmen. Es war eine wirtschaftlich schwierige Zeit in Deutschland nach dem Versailler Vertrag mit seinen Reparationsleistungen, dem Konjunktureinbruch und der damit verbundenen inflationären Geldentwertung.

Emily Heckscher war mittelgroß, hatte graue Haare und braune Augen, wie aus einer Beschreibung im Passprotokoll aus dem Jahr 1922 zu erfahren ist. Käthe glich ihrer Mutter, hatte jedoch mit 29 Jahren, als sie eine Reise unternehmen wollte, noch braune Haare.

Aus der Kultussteuerkartei der Deutsch-Israelitischen Gemeinde ist zu ersehen, dass Franz Ulrich Heckscher seit Oktober 1923 nicht mehr Mitglied der Jüdischen Gemeinde war.

Die schwierigen wirtschaftlichen Zeiten versuchte Emily Heckscher mit einem kleinen Etagengeschäft zu überbrücken. Dafür ließ sie sich im Oktober 1924 einen Gewerbeschein ausstellen, eröffnete in ihrer Wohnung in der Klosterallee ein "kleines Etagengeschäft" und handelte mit Schokolade, Keksen, Gemüse- und Fruchtkonserven.

Das Bankgeschäft konnte die wirtschaftliche Krise nicht überstehen. Ihr Sohn Franz Ulrich Heckscher betrieb im September 1926 in der Esplanade 16 ein Handelsgeschäft für Tabakwaren und Konfitüren. Er hatte sich dazu die notwendige Genehmigung bei der Hamburger Zollabfertigung, Kehrwieder, einholen müssen. Noch im selben Jahr musste die große Wohnung der Familie in der Klosterallee aufgegeben werden.

Franz Ulrich Heckscher war nach Altona verzogen. Als kaufmännischer Angestellter wohnte er 1929 bei Tischler Dunsing in der Adolphstraße 12 zur Untermiete. Für eine Auslandsreise ließ er sich im Juni 1929 einen Pass ausstellen, den Eintragungen zufolge war er ledig, mittelgroß, hatte ein ovales Gesicht und mit 31 Jahren schwarz-graue Haare. Die existenzielle Lage hatte sich für alle drei sehr verschlechtert. Emily Heckscher verzog mit Käthe nach Winterhude, Heidberg 58, in eine Erdgeschosswohnung. Mit dieser Adresse ist sie 1933 als Mitglied der Schwesternvereinigung der Steinthal-Loge verzeichnet, die sich sozial für Frauen und Mädchen in Notlagen engagierte.

In der Kultussteuerkartei ist vermerkt, dass Emily Heckscher und ihre Tochter Käthe seit 1935 ganz unbemittelt waren. So waren beide gezwungen, in eine kleinere Wohnung zu ziehen. Im Juni 1939 wechselten sie in die Feldbrunnenstraße 52. Drei Monate später wohnten sie zur Untermiete bei der Witwe F. Bernhard in der Sierichstraße 152. Mit dem Erteilen von Privatunterricht versuchte Käthe Heckscher, die Lage etwas aufzubessern. Sie blieb unverheiratet und lebte weiterhin mit ihrer Mutter zusammen. Es war eine schwierige Zeit und beide waren auf Hilfe angewiesen. Die erfuhren sie von Hildegard Abraham aus der Heilwigstraße 29. Ein halbes Jahr lang, ab November 1939, bekamen sie von ihr als Spende über die Jüdische Gemeinde eine halbmonatliche Zahlung von 20,- RM. Nachdem den jüdischen Bürger*innen das freibestimmte Wohnen nicht mehr gestattet war und viele nach den antijüdischen Verordnungen in "Judenhäuser" eingewiesen wurden, kam Emily Heckscher gemeinsam mit ihrer Tochter Käthe im Januar 1940 in das Mendelson-Israel-Stift Wohnung Nr. 10.
Es muss eine belastende und hoffnungslose Zeit für beide gewesen sein, wie die Geschehnisse elf Monate später vermuten lassen. Beide bekamen den Deportationsbefehl zum 4. Dezember 1941 nach Riga zugestellt. Betty Kurzynski – in derselben Situation – nahm sich in dem Zimmer ihrer Schwester Martha Kurzynski das Leben. Die sechs zur Deportation ausgewählten Frauen aus dem Mendelson-Israel-Stift, Käthe und Emily Heckscher zusammen mit Sara Bromberger, Franziska Koopmann, Helene Meyer und Ida Meyer, sollten sich an der Deportationsstelle an der Moorweide einfinden. Die Deportation wurde jedoch kurzfristig um zwei Tage verschoben und die Frauen wurden noch einmal in das Mendelson-Israel-Stift zurückgebracht.

Überliefert ist, dass Emily und Käthe Heckscher wieder in ihr Zimmer zurückkehrten und sie dort ein Gedicht vorgefunden haben sollen – ein Gedicht, das Zeugnis gibt von der Verzweiflung und Qual, in der sich verfolgte Juden befanden, wie auch Emily und Käthe Heckscher.

Ich sah heut 1000 Menschen verstörten Angesichts
Ich sah heut 1000 Menschen, die wanderten ins Nichts.
Im Grau des kalten Morgens zog die vergrämte Schar,
Und hinter ihr verblasste, was einst ihr Leben war.

Sie schritten durch die Pforte und wussten nicht zurück,
Sie liessen alles draussen, die Freiheit und das Glück.
Wohin wird man Euch fahren ? Wo endet Euer Pfad ?
Sie wussten nur das eine: das Ziel heißt Stacheldraht.

Und was sie dort erwartet ist Elend, Qual und Not,
Ist Armut, Hunger, Seuche, für manche bittrer Tod.
Ich schaut in ihre Augen mit brüderlichem Blick,
Erwartend tiefen Jammer um solches Missgeschick.

Doch statt Verzweiflung sah ich ein tiefes, tiefes Mühn,
Um Haltung und Beherrschung aus ihren Augen glühn,
Sah heissen Lebenswillen, sah Hoffnung und sah Mut,
Dazu in manchem Antlitz ein Lächeln, stark und gut.

Da hab ich tief ergriffen den Geist des Volkes erkannt,
Das auserwählt zum Leiden, das Leid auch stets gebannt,
Das sich aus Not und Elend, Verbannung, Frohn und Haft
Noch immer hat erhoben mit ungebrochner Kraft.

Ich sah heut 1000 Menschen verstörten Angesichts
Und sah im Grau des Morgens den Strahl des ewigen Lichts.

Emily Heckscher und ihre Tochter Käthe entzogen sich dem Deportationsbefehl zum 6. Dezember 1941 nach Riga und nahmen eine tödliche Dosis Schlaftabletten. Das Polizeiprotokoll hielt fest:
Am 6. Dezember 1941, morgens gegen 9 Uhr, wurde der Meister der Schutzpolizei Homann, Revier 11, von Franz Kloth, dem Hausverwalter des Mendelson-Israel-Stifts, in den Kurzen Kamp 6 gerufen; er gab zu Protokoll: "Von Einwohnern wurde mitgeteilt, dass die Familie Heckscher seit gestern nicht mehr gesehen worden sei und sie befürchteten, daß ihnen ein Unglück zugestoßen sei. Ich öffnete die Wohnung 10 und fand die Familie Heckscher (Ww. Heckscher) im Bette liegend tot vor. Frl. Käthe Sarah Heckscher, geb. 18.10.1895 Hamburg, wohnh. Hamburg-Fu., Kurzer Kamp Nr. 6, lag auf einem Liegesofa und atmete schwer. Ich benachrichtigte sofort die Polizei."

Vom Polizeirevier wurde der diensthabende Arzt Dr. Gilsing, Häben 19, Nachfolger des in die USA emigrierten jüdischen Arztes Dr. Fritz Einstein, benachrichtigt. Als Todesursache bei Emily Heckscher stellte er Vergiftung fest, Reste von Gift wurden nicht gefunden. Dr. Gilsing ordnete die Überführung der Tochter Käthe Heckscher ins jüdische Krankenhaus an; um 10:30 Uhr kam der Krankenwagen. Käthe Heckscher verstarb im Isrealitischen Krankenhaus in der Johnsallee 68 einen Tag später, am 7. Dezember 1941 um 5:15 Uhr. Dr. med. Wolfsohn stellte den Tod fest, Todesursache: Schlafmittelvergiftung. Die Beerdigungen von Mutter und Tochter auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel, Grablage C 9, Nr. 284a/284b, übernahm Mendel Josias, Grindelallee 23. Käthe Heckscher war 46 Jahre, ihre Mutter Emily Heckscher fast 76 Jahre alt. In ihrem Zeitzeugenbericht nach Kriegsende gibt Alice Kruse, die Tochter von Ella Nauen, Einblick in die seelische Qual zweier Frauen kurz vor ihrer Deportation, aller Wahrscheinlichkeit nach sind damit Emily und Käthe Heckscher gemeint: "Die Freundin von Mutter, die blind war, nebst ihrer kranken Tochter verübten Selbstmord, nachdem sie tagelang sorgfältigste Vorbereitungen getroffen hatten. Ergreifend war ihr unerbittlicher Vorsatz, der Kampf mit religiösen Gedanken und Zweifeln. Sie ließen sich nicht beirren und beraten. Sie haben ihr Vorhaben bei dem Evakuierungsbefehl der Tochter ausgeführt."

Das zitierte Gedicht erhielt Paul Wohlwill mit der Erklärung: "Als ein großer Teil der Insassen des Mendelsohn-Stiftes aus Hamburg abtransportiert wurde, erschien eines Morgens eine unbekannte Dame im Stift und legte dieses Gedicht in die Wohnung einer Stiftsinsassin, die bereits bei der Transportsammelstelle war. Der Transport dieser Dame verzögerte sich jedoch, und sie fand, als sie in ihre Wohnung zurückkam, das Gedicht ohne jeden Hinweis darauf, wer es abgegeben hat. Sie gab dann das Gedicht an Dr. Wohlwill weiter, da sie wußte, dass sie in kurzer Zeit abtransportiert würde."
Auf dem rosenbekränzten Grabstein von Robert Heckscher auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel, ist die Inschrift "FRAU U. TOCHTER 4.12.41 – 5702" eingemeißelt. Wann und von wem dies veranlasst worden war, ist nicht bekannt.

Am 3. November 1942 wurde der Ehering von Emily Heckscher, den Käthe Heckscher für einen Tag nach dem Tod ihrer Mutter erhalten hatte, in den Versteigerungshallen des Gerichtsvollzieheramtes, Drehbahn 36, öffentlich zum Kauf angeboten. Die Versteigerung war im "Hamburger Fremdenblatt" und "Hamburger Tageblatt" angekündigt worden. In dem Formblatt des Oberfinanzpräsidenten ist zu lesen: "Nachdem sich eine Anzahl kauflustiger Personen eingefunden hatte, wurde diesen eröffnet: 1. Die zur Versteigerung gelangten Gegenstände werden freiwillig verkauft." Der Trauring aus 585er Altgold wurde von "Blank" erstanden; der Erlös von 7,20 RM aus der Versteigerung fiel dem Oberfinanzpräsidenten zu.
Nach dem Krieg erstritt der Nachlasspfleger und Rechtsanwalt Dr. Morris Samson eine Entschädigung für den erlittenen Verlust des Hausrats und Käthe Heckschers Trauring. Am 16. Januar 1952 kam es zu einem gütlichen Vergleich vor dem Landgericht Hamburg über 2.223,51 RM. Erben konnten nicht ermittelt werden.

Ob Franz Ulrich Heckscher von dem Leid seiner Mutter und Schwester je erfahren hat, ist nicht überliefert. Sein Schicksal seit dem Jahre 1929 in Altona blieb auch nach Recherchen in Deportationslisten und Auswandererakten bisher im Dunkeln.

Stand: Januar 2023
© Margot Löhr

Quellen: 1; 4; 5; 8; StaH, 213-13 Landgericht Rückerstattung, 3340 Käthe Heckscher, 3341 Käthe Heckscher; StaH, 214-1 Gerichtsvollzieherei, 331 Käthe Heckscher; StaH, 231-7 Amtsgericht Genossenschaftsregister, A 1 Bd. 17 Nr. 4495 Robert Heckscher; StaH, 331-5 Polizeibehörde, Unnatürliche Sterbefälle, 3 Akten 1942/131 Käthe Heckscher; StaH, 324-1 Baupolizei, K 2965 Bernstorffstraße 12; StaH, 332-5 Standesämter, Geburtsregister, 8912 u. 298/1876 Annita Marie Löwenthal, 13174 u. 2555/1899 Samuel Heckscher, 9111 u. 1885/1895 Käthe Heckscher, 9144 u. 1108/1898 Franz Ulrich Heckscher; StaH, 332-5 Standesämter, Heiratsregister, 2621 u. 700/1881 Adolph Heckscher u. Eva Dammann, 8566 u. 322/1894 Robert Heckscher u. Emily Löwenthal; StaH, 332-5 Standesämter, Sterberegister, 296 u. 1668/1891 Julius Löwenthal, 7878 u. 1143/1893 Sophie Heckscher, 7916 u. 1186/1898 Adele Löwenthal, 9752 u. 658/1917 Adolph Heckscher, 9784 u. 2024/1920 Robert Heckscher, 1089 u. 361/1938 Eva Emilie Heckscher; StaH, 332-7 Staatsangehörigkeitsaufsicht, AIf Bd. 143 Nr. 50 Joseph Heckscher AIf Bd. 164 Nr. 12909 Robert Heckscher, B III 41064 Adele Löwenthal; StaH, 352-5 Gesundheitsbehörde, Todesbescheinigungen, 1891 Sta 2 Nr. 1668 Julius Löwenthal, 1917 Sta 3 Nr. 658 Adolph Heckscher, 1920 Sta 2 Nr. 2024 Robert Heckscher; StaH, 522-1 Jüdische Gemeinden, Geburtsregister, 696 a Nr. 91/1812 Joseph Heckscher, 696 d, Nr. 212/1849 Adolph Heckscher, 696 d Nr. 205/1850 Robert Heckscher, 696 f Nr. 140/1863 Julius Löwenthal; StaH, 522-1 Jüdische Gemeinden, Heiratsregister, 702 a Nr. 8/1817 Simon Heckscher u. Betty Bloch, 702 b Nr. 56/1840 Joseph Heckscher u. Jenny Hart; StaH, 522-1 Jüdische Gemeinden, Abl. 1993, A 42; StaH, 741-4 Fotoarchiv, K 3843, K 6524, K 6524, Sa 1246; StaH, 741-4 Fotoarchiv, LS 15832, "Israelitisches Familienblatt" Nr. 8, 19.2.1912; StaH, Hamburger Börsen Adressbuch, A 909/0022 Nr.11 1912/13; Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH), Archiv, 6262 Judenverfolgung 1933–1945, Berichte; Hamburger Adressbücher 1850–1943; Datenbankprojekt des Eduard-Duckesz-Fellow und der Hamburger Gesellschaft für jüdische Genealogie, Ohlsdorf 1890-1895, ZY-11-3077, Ohlsdorf 1915–1921, C9-83/84, 284/285, http://jüdischer-friedhof-altona.de/datenbank.html, eingesehen am: 22.2.2022; Alice Kruse, unveröffentlichtes Manuskript, im Juni 2008 freundlicherweise bereitgestellt von Dr. Carl-Ludwig Kruse (verst. im September 2016); Verzeichnis der Mitglieder der drei Hamburger Logen U. O. B. B. Henry Jones-Loge, Steinthal-Loge und Nehemia Nobel-Loge, Hamburg 1933, S. 11 (Schwesternvereinigung der Steinthal-Loge); Linde Apel (Hrsg. im Auftrag der Behörde für Kultur, Sport und Medien, in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und der KZ-Gedenkstätte Neuengamme): In den Tod geschickt. Die Deportationen von Juden, Roma und Sinti aus Hamburg 1940 bis 1945, Ausstellungskatalog, Hamburg 2009, S. 106; Anna von Villiez: Mit aller Kraft verdrängt. Entrechtung und Verfolgung "nicht arischer" Ärzte in Hamburg 1933 bis 1945 (Studien zur jüdischen Geschichte, Bd. 11), Hamburg 2009.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

druckansicht  / Seitenanfang