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Benny Salomon * 1875

Kurzer Kamp 6 Altenheim (Hamburg-Nord, Fuhlsbüttel)

1941 Minsk
ermordet

Weitere Stolpersteine in Kurzer Kamp 6 Altenheim:
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Elsa Salomon, geb. Riess, geb. am 10.9.1877 in Hamburg, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk und ermordet
Benny Salomon, geb. am 5.1.1875 in Hamburg, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk und ermordet

Kurzer Kamp 6

Elsa, geb. Riess, wurde am 10. September 1877, nachmittags um 2 Uhr, in Hamburg am Zeughausmarkt 9 in der Wohnung ihrer Eltern geboren. Die Welt ihrer Kindheit war begleitet von Tabakduft. Ihr Vater Robert Riess (geb. 9.2.1847 in Fürstenberg, Mecklenburg) war mit 23 Jahren in die Hansestadt gekommen, um im Tabakgeschäft seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Drei Jahre später hatte er einen Gewerbeschein als Zigarrenfabrikant erworben. Nach dieser Existenzgründung war er am 22. November 1874 die Ehe mit Elsas Mutter Selma Meyer (geb. 18.9.1845 in Stavenhagen) eingegangen. Elsas Bruder Henry war eineinhalb Jahre vor ihr, am 9. März 1876, ebenfalls am Zeughausmarkt 9 zur Welt gekommen. Nach Elsa folgten ihre Schwestern Lilly (geb. 3.4.1881) in der Wohnung am Spielbudenplatz 13 und Erna (geb. 25.5.1884) in der Thalstraße 57.

Als Elsa ins schulpflichtige Alter kam, befand sich die väterliche Firma "R. J. Riess" mit Tabak und Zigarren am Spielbudenplatz 13. Über Elsas Schulzeit und Ausbildung sind bisher keine Unterlagen gefunden worden. Als Elsa dann 20 Jahre alt war, wurden ihr Vater und damit sie und die ganze Familie 1897 in den Hamburger Staatsverband aufgenommen. Bis zu ihrer Heirat mit Benny Salomon sollten ca. 9 Jahre vergehen.

Benny Salomon kam am 5. Januar 1875 in der Margarethenstraße 35 in Hamburg-Eimsbüttel zur Welt. Sein Vater, der "Manufacturwarenhändler" Selig Salomon (geb. 23.12.1836), stammte aus Königsberg, Ostpreußen, Bennys Mutter, Friederike, geb. Mannheimer (geb. 2.3.1843), aus Schwedt. In Schwedt hatten seine Eltern am 18. Dezember 1866 geheiratet. Vor der Heirat war sein Vater für neun Jahre, von 1853 bis 1862, nach Kalifornien gegangen. Nach seiner Rückkehr hatte er in Königsberg ein Schnitt- und Kleiderwarengeschäft betrieben. Dort waren auch Bennys drei ältere Geschwister Bertha (geb. 28.10.1867), Julie (geb. 29.4.1869) und Meyer (geb. 3.8.1870) auf die Welt gekommen. Der Umzug der Familie mit den drei Kindern nach Hamburg hatte im Jahre 1872 stattgefunden. Die jüngste Schwester Beate wurde am 11. Dezember 1876, ein Jahr nach Benny, in Hamburg-St. Pauli in der Amandastraße 10 geboren. Die Familie war Mitglied der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg. In Bennys Geburtsjahr hatte sein Vater Selig Salomon sein Gewerbe als "Commisionär" d.h. er handelte mit Waren, die er in Kommission genommen hatte, angemeldet. Er war am 1. Oktober 1875 dem Landsturm beigetreten.

Benny war neun Jahre alt, als die Familie in das 1882 gegründete Marcus-Nordheim-Stift, Schlachterstraße 41/42, ohne Mietzahlungen leisten zu müssen, einziehen konnte. Nach den Vorstellungen des Stiftsgründers und seines Vorgängers Lazarus Gumpel (Lazarus-Gumpel-Stift, errichtet 1837) konnten dort in die Freiwohnungen Familien einziehen, die, von Mietzahlungen befreit, für ihren sonstigen Lebensunterhalt noch selbst aufkommen konnten. In der Stift-Satzung heißt es dazu, "um der zunehmenden völligen Verarmung ordentlicher und tätiger aber unbemittelter jüdischer Bürger" vorzubeugen. Noch im selben Jahr, im November 1884, wurden Selig Salomon und Familie in den Hamburger Staatsverband aufgenommen.

Bennys sieben Jahre ältere Schwester Bertha arbeitete als Näherin und wohnte bis zu ihrer Heirat am 23. Dezember 1892 bei der Familie in der Schlachterstraße. Sie wurde die Ehefrau des Polizeisergeanten Karl Emil Ernst Schneider (geb. 25.4.1866) aus der Bergstraße in Altona. Er war katholisch, Bertha blieb bei ihrem jüdischen Glauben. Karl Schneider stammte aus Memszin, Katonitz, seine Eltern waren der Jäger Karl Josef Schneider und Karoline, geb. Grzyb. Ihre erstgeborene Tochter Johanna verstarb im September 1893 im Alter von 20 Tagen in der Wohnung ihrer Eltern in der Schlachterstraße an "Pädatrophie" (Auszehrung). Das Ehepaar hatte drei weitere Töchter: Ella Karoline (geb. 1894), Gertrud (geb. 1896) und Sophie (geb. 1898).

Bennys Schwester Julie, genannt Golde, arbeitete als Verkäuferin. Sie heiratete im Alter von fast 35 Jahren am 15. März 1894 den zehn Jahre älteren Witwer Salomon Loebel Berger (geb. 16.3.1859). Er war "Victualienhändler" (handelte mit Lebensmitteln) und stammte aus Bergfreiheit, Kreis Beuthen.

Bennys älterer Bruder Meyer Salomon wurde Kaufmann und handelte mit Getreide und anderem. Er war Mitglied der Hamburger Handelskammer und hatte 1897 die Hamburger Getreidebörse gegründet. Seine Firma exportierte Chemikalien, kaufte beschädigte Güter, insbesondere aus Schiffshavarien, von allen Hamburger Reedereien, Schiffsmaklern und Lagerhäusern auf, von Llyod, Hapag, Hansaline, Knoehr & Burchard, Sloman Jr. ect. Er bekam "Fegselscheine" (für bei der Reinigung anfallende Güter) und überzählige Güter; es war in der Branche das größte Geschäft in Hamburg. Meyer Salomon ehelichte am 1. Juni 1899 Goldine Drucker (geb. 13.4.1873). Ihr Bruder Ernst Drucker war der bekannte Theaterdirektor am Spielbudenplatz. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor, Abraham Alfred (geb. 25.6.1903) und Mathilde (geb. 24.7.1905).

Benny Salomon bestritt in dieser Zeit, im Jahre 1905, seinen Lebensunterhalt als Assekuranzmakler (Versicherungsmakler). Die 29-jährige Elsa Riess und der 31-jährige Benny Salomon heirateten am 25. Oktober 1906. Ihre Väter fungierten als Trauzeugen. Beide hatten bis dahin bei ihren Eltern gewohnt, Elsa in der Logenstraße 20 und Benny im Marcus-Nordheim-Stift. Zusammen zogen sie in die Breitenfelderstraße 12. Benny Salomon war nun Inhaber einer registrierten Handelsfirma mit eigenem Börsenstand, Pfeiler 27. Er betrieb sein Geschäft mit Zigarren en gros, möglicherweise in Verbindung mit seinem Schwiegervater, zunächst im Catharinenkirchhof 31. Am 6. Dezember 1907 kam ihre Tochter Irma zur Welt. Eine Woche später, am 13. Dezember 1907, verstarb Bennys Vater Selig Salomon, unerwartet kurz vor seinem 71. Geburtstag. Er hatte sich an diesem Nachmittag am Meßberg 7 aufgehalten. Eine Obduktion verweigerte die Familie, vermutlich aus religiösen Gründen. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel Ohlsdorf. Bennys Mutter Friederike Salomon blieb weiterhin im Marcus-Nordheim-Stift.

Bennys jüngste Schwester Beate Salomon heiratete am 13. August 1908 mit 31 Jahren den Kaufmann Feis Plaut (geb. 25.4.1849); ihr Bruder Meyer Salomon war Trauzeuge. Feis Plaut, auch Theodor genannt, stammte aus Reichensachsen (Hessen) und war ein Jahr zuvor aus Südafrika nach Hamburg gekommen. Er hatte dann in der Nachbarschaft der Familie Salomon in der Schlachterstraße 20 gewohnt. Das neuvermählte Ehepaar Plaut zog in den Lehmweg 3.

Eineinhalb Jahre nach Benny Salomons Vater verstarb auch Bennys Mutter. Am 28. Mai 1909 erlag Friederike Salomon, geb. Mannheimer, einem Herzschlag in der Wohnung ihres Sohnes Meyer Salomon, Rutschbahn 2. Sie war 66 Jahre alt. Benny Salomon führte in dieser Zeit einen "Commissionshandel" mit der Geschäftsadresse Grimm 20.

Elsas jüngste Schwester Erna Riess war seit dem 30. Juni 1909 mit dem Kaufmann Hirschel Fischer (geb. 23.7.1867 in Myslowitz) verheiratet. Sein Vater, der Kaufmann Baruch Fischer, war bereits in Breslau verstorben, seine Mutter Ernestine, geb. Sternberg, verehelichte Markwald, wohnte in Berlin. Im folgenden Jahr bekam Hirschel Fischer vom Hohen Senat die Erlaubnis, den Zusatzvornamen "Hugo" zu führen. Unter diesem Namen betrieb er eine Handelsfirma für die Ausfuhr von Kleineisenwaren, später, ab 1919, unter dem Namen "Hermann Hugo Fischer". Ihr Sohn Kurt Maximilian Fischer wurde am 11. April 1910 geboren.

Bennys Schwestern Julie Berger und Beate Plaut wurden beide innerhalb kurzer Zeit Witwen. Julie Bergers Ehemann Loebel Berger verstarb im Alter von 51 Jahren am 31. Dezember 1910 im Krankenhaus Eppendorf. Er wurde auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel Ohlsdorf beigesetzt. Die Ehe von Beate und Theodor Plaut währte nur drei Jahre. Theodor Plaut verstarb mit 61 Jahren am 27. Januar 1911 im Allgemeinen Krankenhaus Eppendorf. Die Ehe war kinderlos geblieben. Julie, geb. Salomon, verwitwete Berger, heiratete in zweiter Ehe am 16. Juni 1911 den "Schlachtergehülfen" Ludwig Louis Baruch (geb. 17.3.1870 in Frechen, Kreis Cöln). Er war Mitglied der Henry Jones-Loge.

Am 28. Mai 1915 heiratete Elsa Salomons Schwester Lilly Riess im Alter von 34 Jahren den Hamburger Kaufmann Moritz Meyer Bauer (geb. 12.4.1864). Sein Agentur- und Kommissionsgeschäft befand sich in der Admiralitätsstraße 19, das Ehepaar lebte in der Glashüttenstraße 114.

Elsa und Benny Salomons Tochter Irma wuchs in der Vier-Zimmer-Wohnung ihrer Eltern in der Löwenstraße 56, Hochparterre, auf. Seit April 1914 besuchte sie die höhere Töchterschule von Dr. Löwenberg in der Johnsallee 33.

In den Jahren 1916 bis 1918 nahm Benny Salomon als Soldat am Ersten Weltkrieg teil, wie auch sein Bruder Meyer Salomon. Während dieser Zeit verstarb am 11. Oktober 1916 Elsa Salomons Mutter Selma Riess, geb. Meyer, im Alter von 71 Jahren. Elsas Vater Robert Riess wohnte danach eine Zeitlang bei Elsa Salomon in der Löwenstraße. Nach dem Krieg, am 17. April 1919, verstarb er mit 72 Jahren in seiner Wohnung, Breitenfelderstraße 40.

Bennys Schwester Bertha Schneider wurde am 13. Oktober 1919 Witwe ihr Ehemann Karl Schneider verstarb in der gemeinsamen Wohnung in der Osterstraße 46. Er wurde im Einzelgrab auf dem Friedhof Ohlsdorf bestattet, Grablage P 33 III, Nr. 537. Die Hochzeit ihrer Tochter Ella Karoline mit dem Pferdehändler Friedrich Karl Hencken fand einen Monat später statt. Bertha Schneider teilte sich weiterhin die Wohnung mit ihrer Tochter Gertrud, bis sie dort zwei Jahre später am 1. Februar 1922 im Alter von 56 Jahren an Diabetes, Myocarditis (Herzmuskelentzündung) und Apoplexie (Schlaganfall) verstarb. Bertha Schneider, geb. Salomon, fand ihre letzte Ruhe auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel Ohlsdorf, Grablage ZX 11, Nr. 455. Ihre Tochter Gertrud heiratete ein Jahr danach den Fabrikleiter Willi Otto Schwarz.

Elsas Bruder Henry Riess war inzwischen in New York beheimatet und hatte bei seiner Heirat mit Alma Estelle Vasques, die aus Brooklyn stammte, den Doppelnamen Riess-Vasques angenommen. Als 46-Jähriger ist er mit seiner 16 Jahre jüngeren Ehefrau im Oktober 1922 auf einer Schiffspassagierliste der "San Lorenzo" aufgeführt, die von San Juan, Puerto Rico, nach New York fuhr. Auch in den nächsten Jahren legte er diese Strecke zurück, vielleicht war er geschäftlich unterwegs. 1926 wurde Henry Riess-Vasques amerikanischer Staatsbürger, seine Geschäftsadresse hatte er in New York in der William Street 130.

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gestaltete sich für Benny Salomon und damit auch für Elsa und ihre Tochter Irma schwierig. Sein Kommissionsgeschäft war nur noch in seiner Wohnung gemeldet. Durch Krankheit und Erwerbslosigkeit war er in eine Notlage gekommen und ab 1926 erhielt er Unterstützung von der Kommission für das Wohlfahrtswesen der Deutsch-Israelitischen Gemeinde und der Mittelstandshilfe. Nur gelegentlich erzielte er einen geringen Verdienst; mithilfe von Freunden konnte er sich und die Familie ernähren.

Tochter Irma war zehn Jahre an der Löwenbergschule geblieben. Sie hatte Englisch und Französisch gelernt, anschließend einen einjährigen Haushaltskurs an der Gewerbeschule besucht und weiter Sprachunterricht genommen. Benny und Elsa Salomon wünschten sich einen praktischen Beruf für ihre Tochter, der eine finanziell gesicherte Zukunft versprach. So begann Irma 1927 eine Lehre in dem Schneideratelier der Modefirma Freundlich, Poststraße/Ecke Neuer Wall. Auf Wunsch des Firmeninhabers wechselte sie nach einem Jahr den Arbeitsbereich und wurde aufgrund ihrer Sprachkenntnisse als Verkaufs-Dolmetscherin übernommen. Drei Jahre blieb sie dort, dann nahm sie eine Arbeitsstelle bei der Firma Unger, Jungfernstieg-Alsterarkaden, an.

Im September 1930 diagnostizierten die Ärzte im Freimaurerkrankenhaus bei Benny Salomon eine Arteriosklerose des Gehirns. Auch Elsa Salomon kränkelte, sie litt unter Asthma. Um ihren Lebensunterhalt zu sichern, vermieteten sie zwei möblierte Zimmer. Elsa Salomon konnte als Näherin und Heimarbeiterin zusätzlich in geringem Maße den Verdienst aufbessern. Auch Tochter Irma war längere Zeit krank. Von Mitte Oktober bis Ende Dezember 1932 blieb sie wegen eines Blasenleidens im Freimaurerkrankenhaus in Behandlung. Mit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft 1933 kündigte die Firma Unger Irma Salomon aus "rassischen" Gründen.

Bennys Schwester Beate Plaut, seit 22 Jahre Witwe, lebte zuletzt im Samuel-Levy-Stift in der Bundesstraße 35a. Sie litt unter Arteriosklerose und Diabetes. Im Alter von 57 Jahren verstarb sie am 6. Mai 1933 im Israelitischen Krankenhaus. Sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel Ohlsdorf neben ihrer Schwester Bertha Schneider, geb. Salomon, beigesetzt, Grablage ZX 11, Nr. 456.

Elsa und Benny Salomon waren krank und vollständig auf Hilfe angewiesen. Die Familie Salomon erhielt die Freispeisung von der Jüdischen Gemeinde und wurde auch von Verwandten unterstützt. Im Juli 1933 zogen sie in eine günstigere Drei-Zimmer-Wohnung in die Alsterdorferstraße 107, wo sie wieder ein Zimmer untervermieteten. Ihre Tochter Irma erkrankte erneut. Dieses Mal musste sie ab 23. November einen Monat im Jüdischen Krankenhaus verbringen.

Im Frühjahr, am 13. April 1934, trat sie eine Reise nach Italien an, um sich gesundheitlich zu erholen. Sie war von Bekannten eingeladen worden. Bald nach ihrer Rückkehr reiste sie erneut nach Italien, um dann am 11. Januar 1935 endgültig dorthin zu emigrieren. Am 20. Februar 1935 heiratete Irma Salomon in Rom Dr. Guiseppe Enea (geb. 20.4.1906). Er stammte aus Neapel und war Beamter beim Ministerium. Zwischenzeitlich hatte sich Irma Salomon christlich taufen lassen.

Bennys Bruder Meyer Salomon verstarb am 11. Januar 1937 in Hamburg auf dem Weg ins Hafenkrankenhaus. Er war 66 Jahre alt. Im Krankenhaus wurde der Tod aus innerer Ursache bescheinigt. Seine Beisetzung fand auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel statt, Grablage ZX 10, Nr. 472. Die Witwe Goldine Salomon, geb. Drucker, wanderte ein Jahr nach dem Tod ihres Ehemannes mit den beiden Kindern und den zwei Enkeln nach Amerika aus. Ihr Sohn Alfred war inzwischen in die väterliche Firma eingetreten und als Geschäftsmann von den antijüdischen Boykotten betroffen. Meyer und Goldine Salomons Tochter Mathilde war Bankangestellte und hatte im März 1925 den Arzt Dr. Nathan Meyer, der aus Regensburg stammte, geheiratet und mit ihm zwei Kinder bekommen.

Elsa und Benny Salomon konnten im Juni 1937 in das "Julius und Betty Rée Stift", Schedestraße 29, Parterre, einziehen. Sie hatten eine Monatsmiete von nur 5,- RM zu zahlen, das verschaffte ihnen existenzielle Erleichterung. In diesem Jahr sollte der 67-jährige Benny Salomon im Hafen Waltershof zur "Pflichtarbeit" herangezogen werden. Seine körperliche Verfassung ließ das jedoch nicht zu und so wurde er von der Liste gestrichen. Nachdem die Gesetze und Verordnungen der Nationalsozialisten auch die Wohnstifte mit einschlossen und Jüdinnen und Juden nur noch in bestimmten "Judenstiften" wohnen durften, musste das Ehepaar Salomon am 8. Januar 1940 in das Mendelson-Israel-Stift einziehen. Keine zwei Jahre wohnten sie dort. Am 8. November 1941 wurden Elsa und Benny Salomon nach Minsk deportiert und ermordet. Elsa Salomon, geb. Riess, war 64 Jahre und Benno Salomon 66 Jahre alt.

Irma Enea, die einzige Tochter von Elsa und Benny Salomon, suchte nach dem Krieg von Mailand aus über das italienische Konsulat vergeblich nach ihren Eltern. Sie war am 21. April 1954 mit ihrem Ehemann Giuseppe Enea von Rom nach Milano verzogen. Sechs Jahre später, ab 25. August 1960, kehrten beide wieder zurück nach Rom. Irma Enea, geb. Salomon, verstarb im Alter von 75 Jahren am 20. Oktober 1983 in Rom. Enkelkinder von Elsa und Benny Salomon konnten nicht ausfindig gemacht werden.

Die Geschwister von Elsa Salomon, geb. Riess
Elsas Bruder Henry Riess-Vasques war in den USA in Sicherheit und im Jahre 1940 beim "United States Census" in Los Angeles, Kalifornien, mit seiner Ehefrau registriert. Er verstarb am 9. Januar 1945 in New York und wurde im Ferncliff Crematory beigesetzt. Seine Ehefrau verstarb im Dezember 1956 in Brooklyn, New York.

Elsas Schwestern wurden Opfer der Shoah: Lilly Bauer, geb. Riess, hatte seit 1933 mit ihrem 17 Jahre älteren Ehemann Moritz Bauer im Martin-Brunn-Stift in der Frickestraße 24 gelebt. Am 25. Oktober 1937 war er im Alter von 73 Jahren dort verstorben und von der Beerdigungsbrüderschaft auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel beigesetzt worden, Grablage M 3, Nr. 111. Die Grabstelle neben ihm blieb reserviert. Die Ehe war kinderlos geblieben. Am 18. November 1941 wurde Lilly Bauer, geb. Riess, nach Minsk deportiert und ermordet (Biographie siehe www.stolpersteine-hamburg.de). Sie war 60 Jahre alt. Ein Stolperstein erinnert an sie in der Frickestraße 24.

Elsas jüngste Schwester Erna Fischer, geb. Riess, hatte seit ihrer Ehe die gesamte Zeit in der Eppendorfer Landstraße 18 gewohnt. Am 15. Juli 1942 wurde sie mit ihrem Ehemann Hermann Hugo Fischer nach Theresienstadt deportiert. Erna Fischer, geb. Riess, verstarb dort vier Monate später am 17. November 1942, sie war 58 Jahre alt. Ihr Ehemann Hermann Hugo Fischer verstarb am 23. Februar 1943 im Getto Theresienstadt, er war 75 Jahre alt. Stolpersteine erinnern an beide in der Eppendorfer Landstraße 18.

Ihr Sohn Kurt Maximilian Fischer war Versicherungsmakler geworden und hatte als Handlungsbevollmächtigter in der väterlichen Firma mitgearbeitet. Unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen war er 1940 nach Italien ausgewandert, vielleicht zu seiner Cousine Irma Enea, geb. Salomon. Im Jahre 1942 wurde Kurt Fischer im Alter von 30 Jahren in die "Ospedale Psychiatrico Interprovinciale dell’ Umbria", die psychiatrische Nervenklinik in Perugia mit der Diagnose "delirio paranoico" eingeliefert. 1962 wurde er in die Heilanstalt Voltera verlegt. Dort verstarb Kurt Fischer am 7. März 1962 im Alter von 52 Jahren. Es ist anzunehmen, dass seine Leiden auch durch den Druck der Verfolgung mit ausgelöst worden waren.

Die Geschwister von Benny Salomon
Bennys Schwester Julie Baruch wurde mit ihrem Ehemann Ludwig Baruch am 19. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Julie Baruch, geb. Salomon, verstarb dort drei Monate später, am 7. Oktober 1942, laut Todesfallanzeige an "Darmkatarrh und Schlaganfall". Sie war 73 Jahre alt. Ludwig Baruch wurde am 15. Mai 1944 nach Auschwitz weiterverschleppt und ermordet. Er war 74 Jahre alt (Biographie siehe www.stolpersteine-hamburg.de). Zwei silberne Messer, die Ludwig Baruch in Hamburg zuvor hatte abliefern müssen, waren am 18. August 1942 in der Drehbahn 36 öffentlich versteigert worden. Der Erlös von 4,- RM fiel dem Oberfinanzpräsidenten zu.

Ella Hencken, die Tochter von Bennys Schwester Bertha Schneider, war im April 1936 bereits im Alter von 41 Jahren verstorben. Die beiden anderen Töchter verstarben nach dem Krieg. Sophie Schneider war Sängerin geworden und hatte 1936 in Berlin Ernst Vollrath von Lepel geheiratet. Sie verstarb im Januar 1965 auf Norderney. Gertrud Schwarz war 69 Jahre alt, als sie im Februar 1966 in Hamburg verstarb. Alle Töchter waren bis zu ihrer Heirat Mitglieder der Deutsch-Israelitischen Gemeinde.

Bennys Schwägerin Goldine Salomon verstarb in New York zwei Jahre nach Kriegsende. Ihr Sohn Alfred Salomon erlag im August 1961 in New York mit 58 Jahren einem Herzanfall.

Stand: Januar 2023
© Margot Löhr

Quellen: 1; 3; 4; 5; 7; 8; StaH, 241-1 IJustizverwaltung, 128; StaH, 332-3 Zivilstandsaufsicht, Geburtsregister, A 296 Nr. 17/1875 Benny Salomon; StaH, 332-5 Standesämter, Geburtsregister, 1880 u. 1195/1876 Henry Riess, 1889 u. 5738/1876 Beate Salomon, 1911 u. 4276/1877 Elsa Riess, 2002 u. 1674/1881 Lilly Riess, 2078 u. 2485/1884 Erna Riess, 2316 u. 3408/1893 Johanna Schneider, 2345 u. 2547/1894 Ella Karoline Schneider, 6295 u. 2385/1896 Gertrud Schneider, 2464 u. 454/1898 Sophie Schneider; StaH, 332-5 Standesämter, Heiratsregister, 2799 u. 1343/1892 Karl Emil Ernst Schneider u. Bertha Salomon, 2830 u. 288/1894 Salomon Loebel Berger u. Julie Golde Salomon, 8596 u. 280/1899 Meyer Salomon u. Goldine Drucker, 8645 u. 280/1906 Benny Salomon u. Elsa Riess, 8662 u. 183/1909 Hirschel Fischer u. Erna Riess, 3109 u. 493/1909 Feis Plaut u. Beate Salomon, 8675 u. 197/1911 Ludwig Baruch u. Julie Berger, geb. Salomon, 8705 u. 97/1915 Moritz Meyer Bauer u. Lilly Riess, 8798 u. 74/1925 Nathan Meyer u. Mathilde Salomon, 8734 u. 702/1919 Friedrich Carl Hencken u. Ella Karoline Schneider; StaH, 332-5 Standesämter, Sterberegister, 348 u. 1866/1893 Johanna Schneider, 7891 u. 117/1895 Rosa Drucker, 332-5, 584 u. 1998/1907 Selig Salomon, 7997 u. 241/1909 Friederike Salomon, 9701 u. 1/1911 Salomon Loebel Berger, 9701 u. 247/1911 Feis Plaut, 8033 u. 612/1916 Selma Meyer, 8056 u. 502/1919 Karl Emil Ernst Schneider, 9774 u. 1283/1919 Robert Riess, 8070 u. 52/1922 Bertha Schneider, 1009 u. 198/1933 Beate Plaut, 8143 u. 54/1936 Ella Karoline Hencken, 1071 u. 8/1937 Meyer Salomon, 1070 u. 304/1937 Moritz Meyer Bauer, 10180 u. 688/1966 Gertrud Schwarz; StaH, 332-7 Staatsangehörigkeitsaufsicht, AIf Bd. 173 Nr. 22080 Robert Riess, B III 8762 Robert Riess, B III 22421 Selig Salomon; StaH, 342-2 Militärersatzbehörden, D II Nr. 79 Bd. 4 Benny Salomon; StaH, 351-11 Amt für Wiedergutmachung, 1636 Hugo Fischer, 22281 Albert Riess, 27681 Salomon Meyer, 30275 Mathilde Meyer; StaH, 352-5 Gesundheitsbehörde, Todesbescheinigungen, 1907 Sta 1 Nr. 1998 Selig Salomon, 1909 Sta 3 Nr. 241 Friederike Salomon, 1911 Sta 3a Nr. 247 Feis Plaut, 1933 Sta 2a Nr. 198 Beate Plaut, 1937 Sta 2b, Nr. 8 Meyer Salomon; 1937 Sta 2a Nr. 403 Moritz Meyer Bauer; StaH, 361-2II Oberschulbehörde, Abl. 2007/1, Nr. 1, 343; StaH, 376-2 Gewerbepolizei, Spz VIII C 9 Nr. 3451 Robert Riess Spz VIII C 11 Nr. 2117 Selig Salomon; StaH, 741-4 Fotoarchiv, K 6014, K 6737, K 6808, K 6849; StaH, Hamburger Börsen Adressbuch, A 909/0022 Nr. 11 1912/13; StaH, Hamburger Börsen Adressbuch, A 902/0017, 1926, 1928, 1829; Hamburger Adressbücher 1872–1943; Archiv Friedhof Ohlsdorf, Beerdigungsregister, 1919 Nr. 11170, 1922 Nr. 1455; Datenbankprojekt des Eduard-Duckesz-Fellow und der Hamburger Gesellschaft für jüdische Genealogie, Grindelfriedhof, Ohlsdorf 1902–1907, 1908–1914, 1922–1930, 1931–1939, C8-73, M 3-111, ZY 11-429/430, ZZ 10-115, ZX 10-244, ZX 11-455/456, ZY 10-263, http://jüdischer-friedhof-altona.de/datenbank.html, eingesehen am: 22.2.2022; Institut Theresienstädter Initiative, Nationalarchiv Prag, Jüdische Matrikeln, Todesfallanzeigen, Julie Baruch, Erna Fischer, Hermann Fischer; Maria Koser: Stolpersteine in Hamburg-Eppendorf und Hamburg Hoheluft-Ost. Biographische Spurensuche, Hamburg 2011, S. 63–65; Descendants of Sussmann PLAUT, https://www.jinh.lima-city.de/gene/chris/plaut/0303- Plauts_aus_Reichensachsen.htm, eingesehen am: 28.3.2022; Enrique Riess Vazquez, 14.2.1922, citing departure port San Juan, Puerto Rico, arrival port New York, ship name Ponce, https://heritage.statueofliberty.org/passenger-details/czoxMjoiMTAwMDA3MTgwMDIzIjs=/czo4OiJtYW5pZmVzdCI7, eingesehen am: 6.4.2022; Enrique Riess Vasquez, 9.1.1945, citing Death, Manhattan, New York, United States, New York Municipal Archives, Family History Library (FHL), microfilm 2,132,192, eingesehen im Juli 2015. Herzlichen Dank an Bruno Philippson und Daniel Victor Klein!
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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