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Bereits verlegte Stolpersteine



Oskar Helle * 1933

Martin-Luther-King-Platz 3 (Eimsbüttel, Rotherbaum)


OSKAR HELLE
JG. 1933
DEPORTIERT 1941
MINSK
ERMORDET

Weitere Stolpersteine in Martin-Luther-King-Platz 3:
Margarethe Altmann, Bela Anschlawski, Esther Ascher, Hannelore Ascher, Ellen Ingrid Berger, Hanni Bernstein, Karl Heinz Bloch, Hildegard Cohen, Nathan Dan Croner, Heinz Dessau, Zita Feldmann, Jacob Fertig, Hans Frost, Alice Gramm, Else Grunert, Julius Hamburger, Julius Hermannsen, Rebecca Hermannsen, Elchanan Jarecki, Bertha Kleve, Peter Kopf, Erwin Kopf, Manfred Krauthamer, John Löw, Gerda Polak, Inge Polak, Erich Rosenberg, Mirjam Rothschild, Regine Rothschild, Rafael von der Walde

Elise Ingeborg Helle, geb. am 8.4.1932, deportiert am 18.11.1941 nach Minsk, dort verschollen

Fruchtallee 135

Oskar Helle, geb. am 10.3.1933, deportiert am 18.11.1941 nach Minsk, dort verschollen

Martin-Luther-King-Platz 3, Rotherbaum / Fruchtallee 135

Als Bertha Helle und Kurt Popper im September 1939 heirateten, brachte die damals 29-jährige Braut bereits drei Kinder mit in die Ehe, denn für sie war es die zweite Hochzeit. Geboren am 26.5.1909 im pfälzischen Rockenhausen als Tochter des jüdischen Ehepaars Salomon und Rosa Roelen, geborene Rosenzweig, hatte sie in Hamburg Anfang der 1930er Jahre den nichtjüdischen Carl Oscar Helle geheiratet. Im April 1932 bekam das junge Ehepaar sein erstes Kind: ein Mädchen, das den Namen Elise Ingeborg erhielt. Rund ein Jahr später folgte Oskar und nach einem weiteren Jahr, am 5.8.1934, noch ein Junge, der Wolfgang genannt wurde. Bald nach Wolfgangs Geburt trennte sich das Paar und Bertha Helle wohnte ab März 1935 allein mit ihren drei kleinen Kindern im Wichernweg 28 in Hamburg-Hamm. Zu der Zeit begann sie als Verkäuferin zu arbeiten, um sich und ihre drei Kinder zu ernähren – da war die Älteste, die Inge genannt wurde, erst zwei Jahre alt, Oskar ein Jahr jünger und Wolfgang noch ein Säugling. Ob und welche Unterstützung sie bei der Kinderbetreuung hatte, ist nicht bekannt. Ebensowenig, ob Carl Helle Unterhalt zahlte. Seine Spuren verlieren sich seit der Trennung vollständig.

In Hamburg-Hamm lebte auch der 1908 geborene, ebenfalls jüdische Kurt Popper. Er war gelernter Kontorist und wohnte bei seinen Eltern Oskar und Rosalie Popper am Horner Weg 270 (s. Hildegard, Klara, Oskar und Rosalie Popper auf www.stolpersteine-hamburg.de). Der Vater stammte aus Teplitz in Böhmen und besaß die tschechische Staatsangehörigkeit. Das galt da­mit auch für seine in Hamburg geborene Frau sowie für Kurt und seine Geschwister: die drei älteren Fred, Hildegard und Leopold und die beiden jüngeren Berta und Klara. Aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit mussten sie später nicht die jüdischen Zwangsnamen "Israel" bzw. "Sara" tragen.

Die Dreizimmerwohnung seiner Familie wurde Kurt Popper auf Dauer zu eng. Den geringen Raum teilte er sich mit seinen Eltern und drei seiner Geschwister, die bis auf Klara inzwischen alle erwachsen waren. Eine eigene Wohnung konnte sich niemand von ihnen leisten, Arbeitslosigkeit und Geldsorgen bestimmten den Alltag.

So kam Kurt 1935 als Untermieter zu Bertha Helle und ihren Kindern. Es entwickelte sich eine Liebesbeziehung zwischen den beiden. Als er jedoch seine Stelle als Kontorist verlor, kehrte er zu den Eltern zurück. Noch im selben Jahr wurde Bertha von Kurt Popper schwanger, am 10.3.1936 kam Raphael zur Welt, lebte jedoch nur sechs Wochen.
Wenige Monate später zog Bertha Helle innerhalb Hamms um. Eine eigene Wohnung war für sie nicht länger bezahlbar. Zunächst lebte die Familie für vier Wochen zur Untermiete im Dobbelerweg 21 (bei Weidner), danach zog sie zwei Häuser weiter zu Heier, wo sie aber auch nicht lange blieb. Im Frühjahr 1937 verließ Bertha Helle den Stadtteil, um mit ihren Kindern als Untermieterin in der Osterstraße 15 (bei Scholz) in Eimsbüttel zu wohnen.

Kurt Popper war es nicht wieder gelungen, Arbeit als Kontorist zu finden. Im September 1937 machte er aus der Not eine Tugend, kaufte sich ein Kraftdreirad und gründete eine kleine Firma für den "Eiltransport von Effekten", arbeitete also als eine Art motorisierter Fahrradkurier. Im Jahr darauf bezog er mit Bertha Helle und ihren Kindern eine Wohnung in der Fruchtallee 135, ein weiteres Jahr später, im September 1939, heirateten beide. Bertha Helle gab ihren Beruf als Verkäuferin auf und stieg als Mitinhaberin ins Geschäft ihres Mannes ein. Während sie mit der Eheschließung den Nachnamen Popper annahm, adoptierte ihr neuer Mann ihre drei Kinder nicht. Diese trugen weiterhin den Nachnamen Helle. Vom "rassischen Status" her waren sie "Halbjuden", zählten als Mitglieder der Jüdischen Gemeinde jedoch als "Geltungsjuden", die wie Juden behandelt wurden.

Der kleine Oskar war mittlerweile sechs Jahre alt und lebte tagsüber im Jüdischen Waisenhaus am damaligen Papendamm 3 im Grindelviertel, dem heutigen Martin-Luther-King-Platz. Sein Bruder Wolfgang war zumeist im Paulinenstift, dem Jüdischen Waisenhaus am Laufgraben 37, untergebracht. Nur Inge scheint stets bei den Eltern gelebt zu haben.

Noch wenige Monate vor ihrer Hochzeit gelang es Bertha und Kurt Popper, den fünf­jährigen Wolfgang mit einem Kindertransport aus Deutschland ausreisen zu lassen. Er kam direkt vom Paulinenstift aus nach Göteborg, wo er am 5. Juli 1939 eintraf und von der Familie des Pfarrers Gustav Palmlöf aufgenommen wurde. Bei sich trug er einen deutschen Impfschein und seine Geburtsurkunde. Oskar und Inge hatten diese Möglichkeit nicht. Zusammen mit ihrer Mutter und deren Mann Kurt Popper wurden sie am 18. November 1941 nach Minsk deportiert. Im selben Transport befanden sich Kurts Eltern sowie seine Schwestern Hildegard und Klara. Niemand von ihnen überlebte.

Bertha und Kurt Poppers Hausrat aus ihrer Wohnung in der Fruchtallee wurde vom Hamburger Auktionator Schlüter öffentlich versteigert. Der Erlös von 251,45 Reichsmark fiel an den Oberfinanzpräsidenten. Wolfgang Helle wurde zunächst für tot erklärt, und zwar am 22. November 1962 vom Amtsgericht Hamburg. Erst bei intensiveren Nachforschungen 1963 im Zuge des Wiedergutmachungsverfahren, das Bertha Poppers überlebende Schwestern Meta Ransenberg und Selma Jilek angestrengt hatten, stellte sich heraus, dass er nach dem Krieg als Pflegekind bei dem schwedischen Pfarrersehepaar geblieben war, später die schwedische Staatsangehörig­keit erworben hatte und nach wie vor in Göteborg lebte.

Für Oskar Helle liegt ein Stolperstein vor dem ehemaligen Waisenhaus am Laufgraben, zusammen mit den Stolpersteinen für 38 weitere Kinder, Betreuerinnen und Erzieher aus den beiden jüdischen Waisenhäusern in Hamburg.

© Frauke Steinhäuser

Quellen: 1; 4; 5; 8; StaH 351-11 Abl. 2008/1 Amt für Wiedergutmachung 260509; StaH 552-1 Jüdische Gemeinden 992e2 Bd 3, Deportationsliste Minsk 18.11.1941; Hildegard Thevs, Hildegard Popper, www.stolpersteine-hamburg.de (letzter Zugriff 29.3.2012); Johann-Hinrich Möller, Stolpersteine in Hamburg. Erinnerung an die Opfer aus den beiden ehem. jüd. Waisenhäusern, www. hagalil.com/archiv/ 2006/06/hamburg.htm (Zugriff 29.3.2012); Gunter Demnig, Peter Hess, Johann-Hinrich Möller (Red.), Papendamm 3 und Laufgraben 37. Erinnerung an die von den Nationalsozialisten ermordeten Kinder, Be­treuerinnen u. Erzieher der ehem. Hamburger Waisenhäuser, www.hagalil.com/archiv/2006/06/waisenhaeuser.htm (Zugriff 29.3.2012).

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